Vogelmensch aus Holland ist Fälschung

Filmemacher produzierte Online-Video-Hit mit fliegendem Mann als Experiment zu Online-Medien.

Der Holländer Jarno Smeets sorgt derzeit im Internet für großes Aufsehen. Mit einem Fluggerät aus Eigenbau will er den Traum vom flatternden, fliegenden Vogelmenschen verwirklichen - scheinbar tut er das auch. Aber eben nur scheinbar. In einem YouTube-Video sieht man Smeets bei einem Flugversuch in einem Park. Mit breiten Flügeln aus Stoff und Carbonstangen läuft er über eine Wiese und erhebt sich mehrere Meter in die Luft. Nach einer sicheren Landung ist Smeets sichtlich bewegt und spricht von einem "verdammt magischen Moment". Das Video hat zahlreiche Skeptiker auf den Plan gerufen, die von einem "Fake" sprechen - zurecht, wie sich einige Tage später herausstellt -,... ... doch Smeets hat sein Projekt auf einer eigenen Webseite gut dokumentiert. Seine umgeschnallten Flügel werden nicht durch Muskelkraft betrieben, sondern durch Motoren, die wie ein Rucksack am Rücken befestigt werden. Neben zwei Außenläufer-Motoren sind laut Smeets Beschreibung Bauteile aus der Nintendo-Spielkonsole Wii und ein Android-Smartphone verbaut. Die Wii-Bewegungssensoren registrieren den Beschleunigungs-Impuls der Arme, das Smartphone rechnet den Input in benötigte Motorleistung um. Das gesamte Paket ist relativ leicht, tragbar und ausreichend stark, um einen Mann flügelschlagend in die Lüfte zu erheben. Jarno Smeets ist, wie sich herausgestellt hat, eine erfundene Person eines Filmemachers, der ein Experiment zu Online-Medien veranstalten wollte. Die Vorlage für die präsentierte Maschine... ... enstammt Leonardo da Vinci, der die jahrhundertealte Idee von einem Mensch mit Flügeln im Jahr 1488 mit seinem "Ornithopter" verwirklichen wollte. Die Idee beflügelte ganze Generationen von Erfindern. Nicht wenigen erging es... ... wie dem Franzosen Yves Rousseau. 1995 wagte er seinen ersten Versuch mit einem selbstgebauten Ornithopter. Bei seinem 212. Versuch im Jahr 2006 flog er eine Distanz von 64 Metern, was vom Aero Club de France beobachtet wurde. Beim nächsten Versuch brach ein Flügel durch einen Windstoß. Rousseau stürzte ab, verletzte sich schwer und ist seitdem querschnittsgelähmt. Anstatt flatternder Flügel setzten einige Erfinder auf ein starres Flügeldesign und entwickelten so genannte Hängegleiter. Obwohl bereits maurische Wissenschaftler im 9. Jahrhundert Gleitversuche vollbrachten, gilt der Deutsche Otto Lilienthal als der Pionier auf diesem Gebiet. Ende des 19. Jahrhunderts entwarf er zahlreiche Fluggeräte, darunter 15 Einflügler und 3 Doppeldecker, und sprang damit von Hügeln, Türmen und Hausdächern. 1896 stürzte Lilienthal bei einem seiner Versuche aus einer Höhe von 17 Metern ab und brach sich dabei die Wirbelsäule. Ohne Hilfe von Motoren schien die Idee von einem fliegenden Menschen schwer zu bewerkstelligen. Viele Erfinder bedienten sich daher lieber der Schwerkraft, anstatt sie zu überwinden. Der erste Fallschirmsprung datiert zurück auf das Jahr 1797. Der Erfinder Andre-Jacques Garnerin beförderte damals einen Heißluftballon, dessen Ballon in der Luft abgeworfen wurde, mit einem Fallschirm zur Erde zurück. Fallhöhe: ca. 900 Meter. Mit der Entwicklung des Flugzeuges wurden Fallschirme erst richtig populär. In den 50er-Jahren etablierte sich Skydiving als internationaler Sport. Beim Base-Jumping springt man mit einem Fallschirm von hohen Objekten auf der Erde, anstatt von einem Flugzeug abzuspringen. Die Ursprünge des Base-Jumping gehen auf den US-Amerikaner Carl Boenish zurück, der 1978 erstmals einen Sprung von einem Felsen im Yosemite-Nationalpark filmte. In den späten 1990er-Jahren entwickelte der Franzose Patrick de Gayardon einen so genannten Wingsuit, der daraufhin das Base-Jumping revolutionierte und für jede Menge rasanter Youtube-Videos sorgte. Der große Start der heutigen Basejumper-Szene heißt Jeb Corliss. Der US-Amerikaner fliegt mit einem Wingsuit so wagemutig wie kaum ein anderer. 2006 wurde er verhaftet, als er vom Empire State Building springen wollte. Momentan ist er außer Gefecht, nachdem er im Jänner 2012 bei einem Flug vom Tafelberg bei Kapstadt einen Felsen striff und sich dabei mehrere Beinbrüche zuzog. Der nach seinem Flug äußerst gerührte Jarno Smeets ist eine Erfindung.

Das Projekt "Human Birdwings", über das auch der KURIER berichtet hat, ist als Fälschung aufgeflogen. Der niederländische Filmemacher Floris Kaayk gab vor laufenden Kameras in der TV-Show "Wereld Draait Door" zu, den Erstflug eines Menschen mit selbstgebauten Flügen gefälscht zu haben.

Seit acht Monaten hätte er an dem Projekt gearbeitet, das eigentlich als Experiment zu Online-Medien gedacht ist. Zusammen mit den Firmen Revolver and Omroep NTL hätte er sowohl den Videobeweis nachgestellt als auch den handelnden Protagonisten Jaarno Smeets erfunden, der als Erfinder der Flügelkonstruktion dargestellt wurde.

Das YouTube-Video hält derzeit bei mehr als 4 Millionen Zugriffen. Schon während der Verbreitung des Clips kamen von verschiedenen Seiten Zweifel bezüglich der Flügelkonstruktion auf.

(futurezone) Erstellt am
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