Die Suche nach dem gerechten Bildungssystem

Was Österreich tun müsste, damit es weniger Bildungsverlierer gibt.
Eine Gruppe von acht Kindern und einem Mann sitzt auf einer Bühne vor einem dunklen Vorhang.

Wie macht man das Bildungssystem gerechter? In den 70er Jahren war die Antwort auf diese Frage kurz und knapp: "Gesamtschule und freier Hochschulzugang für alle", hieß damals das Wundermittel. 40 Jahre später ist das österreichische Bildungssystem immer noch weit davon entfernt, gerecht zu sein. Heißt: Es ist immer noch vor allem das Elternhaus, das über den Schulerfolg bestimmt und nicht die Bildungseinrichtungen.

Bei einem Symposium der österreichischen Forschungsgemeinschaft ist man nun der Frage nachgegangen, ob die Bildungsgerechtigkeit ein erfüllbarer Anspruch ist. Zuerst muss da natürlich die Frage gestellt werden: Was heißt Gerechtigkeit? Dieselben Bildungsabschlüsse für alle kann da sicher nicht das Ziel sein. Es geht wohl viel mehr darum, dass allen Schülern ein Mindestmaß an Kompetenzen vermittelt wird. Deshalb seien die eingeführten Bildungsstandards sicher auch sinnvoll, wie Lern- und Entwicklungspsychologin Christiane Spiel betonte, die das Symposium organisierte und moderierte. Natürlich gelte es auch, Kindern aus bildungsfernen Schichten die Möglichkeit zu geben, eine höhere Schule oder in Folge eine Universität zu besuchen. Denn: "Immer noch entscheidet vor allem das Elternhaus über den Bildungsweg."

Weniger Verlierer

Doch wie schafft man ein Bildungssystem, das weniger Verlierer hervorbringt wie das derzeitige?

Man muss an mehreren Schrauben gleichzeitig drehen, lautet die Antwort der Wissenschaft: Ob Kinder etwas lernen oder nicht, muss endlich in die Verantwortung des Systems Schule. Dafür braucht es aber professionelle Fachkräfte sowie ausreichend Ressourcen. Die Auswahl der Pädagogen sowie seine Aus- und Fortbildung sind hier essenziell. Derzeit spielen immer noch zu oft die Eltern Nachhilfelehrer. Auch dem Kindergarten kommt eine wichtige Rolle zu - schließlich sind die ersten sechs Jahre entscheidend für die Entwicklung eines Kindes. Kritisch sehen viele Wissenschaftler die frühe Selektion in Österreich: Es sei paradox, dass der Druck auf Kinder im Alter von zehn Jahren schon so enorm ist und sich entscheidet, ob sie aufs Gymnasium dürfen oder nicht. Auf der anderen Seite es aber für die Unis kaum Aufnahmebeschränkungen gibt. "Je später, desto besser."

Manche brauchen mehr Ressourcen

All das reicht aber nicht aus, um das Schulsystem gerechter zu machen: Auch weil Schule nicht isoliert betrachtet werden kann. Sie steht immer in Zusammenhang mit sozialen Systemen: Der Wohn- und der Sozialpolitik zum Beispiel. So konzentrieren sich bildungsferne Schichten häufig in bestimmten Grätzeln, was dazu führt, dass die Kinder in der Schule wieder zusammensitzen. Die Politik versucht mit verschiededen Mitteln, diese frühe Trennung zu verhinden, etwa indem sie die Schulsprengel so ändern, dass es wieder zu einer Durchmischung kommt. Andere wie Wien setzen auf den sozialen Wohnungsbau, der Ghettos verhindern soll. International sehr erfolgreich ist der Weg, den z.B. Kanada oder die Niederlande gehen: Dort erhalten sozial benachteiligte Schulen mehr Ressourcen.

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