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Jugendstudie
12/02/2015

Jugendstudie: So verunsichert ist die nächste Generation

Was macht der nächsten Generation Angst?

Die Aussichten sind deprimierend: Drei von vier jungen Menschen bezeichnen ihre Generation als verunsichert. Bei der Generationenmonitor-Studie fragte das Institut für Jugendkulturforschung erstmals für Österreich in einer groß angelegten 1000 junge Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren nach ihrer Einschätzung der Jugend und deren Zukunft.

Die 16- bis 29-Jährigen bringen ihre Meinung deutlich auf den Punkt: Die am häufigsten genannten Schlagworte, mit denen sie die eigene Generation beschreiben, sind verunsichert (72 Prozent), angepasst (58 Prozent) und planlos (56Prozent). Politisch sehen sich die Jungen mit ihren Anliegen schlecht vertreten. 86 Prozent der befragten Jugendlichen sind der Ansicht, dass ihre Generation unter den Fehlern der heutigen Politik in Zukunft zu leiden haben wird.

Die meisten sehen der Zukunft wenig euphorisch entgegen: Nur knapp jeder Vierte hofft, einmal ein besseres Leben zu haben als seine Eltern. Die Politiker sollen sich gefälligst darum kümmern, die Lebensumstände zu sichern, verlangen die Jungen: Arbeitsplätze und eine Pensionsreform werden von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Schlüsselthemen genannt. Eine Senkung der Steuerbelastung ist vor allem für junge Menschen in weniger privilegierten Sozialpositionen ein wichtiges Thema: 77 Prozent der Befragten mit niedriger und mittlerer Bildung sagen, dass die Politiker die Steuerbelastung senken müssen, um die Zukunft der jungen
Generation zu sicher. Bei der bildungsnahen Vergleichsgruppe sind Steuersenkungen immer noch für 51 Prozent relevant.

Gute Beziehung zur älteren Generation

Bereits jetzt beschäftigt die Jungen auch das Thema Altenpflege. Die breite Mehrheit hat laut Generationenmonitor nicht vor, die pflegebedürftigen Eltern in ein Pflegeheim zu stecken, sondern möchte die Eltern in der gewohnten sozialen Umgebung lassen und mit professioneller Unterstützung pflegen. Angesichts wachsender Mobilitäts- und Flexibilitätszwänge, die die neue Arbeitswelt prägen und die für die berufliche Zukunft bestimmend sein werden, wird ein Einlösen dieses Anspruchs für viele allerdings vermutlich zu einer persönlichen Herausforderung.

Mangelnde Solidarität in Generationenfragen ist aus Sicht der Jugend kein Thema Den Interessenskonflikt zwischen Jung und Alt zu schüren, haben junge Leute großteils nicht im
Sinn. Das gilt vor allem auch im Hinblick auf den viel zitierten Verdrängungswettbewerb am Arbeitsmarkt: Lediglich 20 Prozent meinen, dass man, immer dann, wenn Arbeitsplätze knapp werden, die Jobs den jüngeren Menschen geben und die Älteren in die Arbeitslose schicken sollte.

Leben soll mehr Spaß machen

Aber sie wollen ein anderes Leben führen. Ihr „way of life“ ist stärker erlebnisorientiert, lustbetont und – in Bezug auf Ausbildung und Beruf – zudem stärker erfolgsfixiert als der ihrer Eltern. Und auch in ihrer Haltung gegenüber dem modernen Wohlfahrtsstaat zeigen die heute Jungen andere Positionen als ihre Vorgängergeneration.

Von der Idee, den Lebensunterhalt im Alter vor allem von der staatlichen Pension zu bestreiten, haben sich die heutigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen verabschiedet: Geht es nach den heute 16- bis 29-Jährigen, wird sich ihre Generation ein gutes Leben im Ruhestand nicht einmal zu 40 Prozent aus der staatlichen Pension finanzieren können.

Dass sich Kinderbetreuungszeiten nicht negativ auf die Höhe der Pension niederschlagen sollten, scheint in der neuen Generation breiter Konsens: In Zeiten der
Lebensabschnittspartnerschaften befürworten drei von vier Befragten das Konzept des Pensionssplittings und vertreten die Ansicht: Wenn ein Paar Kinder bekommt und einer bei den Kindern zuhause bleibt, soll der, der im Beruf steht, die erworbenen Pensionsversicherungszeiten mit der Partnerin bzw. dem Partner teilen, damit der, der sich um die Kinder kümmert, später eine höhere Pension hat.

Wohnen wird anders als heute

Schon heute kündigt sie für ihr Leben im Alter neue Lebensweisen und Wohnformen an. „Es wird Bedarf an flexiblen Formen des Mehrgenerationenwohnens geben. Und vor allem in den bildungsnahen Milieus werden Wohnformen, die heute als Privileg der Jugend gelten, wie beispielsweise WGs, als neue Formen des Seniorenwohnens wichtiger werden“, so Studienleiterin Beate Großegger. In den bildungsnahen Milieus gibt laut Generationenmonitor des Instituts für Jugendkulturforschung bereits heute rd. jede/r Sechste an, mit 75 Jahren am liebsten in einer selbstorganisierten Senioren-Wohngemeinschaft leben zu wollen.

Vermutlich wird diese Generation so manches, womit sie sich heute vom Lifestyle ihrer Eltern abgrenzt, auch ins Alter mitnehmen. „Man darf davon ausgehen, dass Trends, die den Alltag der heute 16- bis 29-Jährigen prägen, wie etwa der Fitnesstrend, ‚digital living’ oder der Trend zu ‚my home is my couch-castle’ in den Lebenskonzepten der Alten von übermorgen deutlich spürbar weiterwirken werden“, resümiert Beate Großegger.

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