Leben
20.06.2018

"Sind Sie tot?": US-Ärztin verspottet Patient mit Panikattacke

Ein Video, das die Notfallmedizinerin bei der Verhöhnung des Mannes zeigt, verbreitete sich rasant im Netz.

Eine Notfallmedizinerin ist von einem Krankenhaus in Kalifornien suspendiert worden, nachdem sie einen Patienten verspottet hatte. Dieser hatte im Zuge der Behandlung angegeben, eine akute Panikattacke zu erleben. Das berichten unter anderem ABC News und die Washington Post.

Video belegt Verhalten

Der Grund für die sofortige Freistellung: Ein Video, das Beth Keegstra, Ärztin am kalifornischen El Camino Hospital in Los Gatos, dabei zeigt, wie sie mit einem 20-jährigen Patienten darüber debattiert, ob dieser tatsächlich krank sei – oder seine Beschwerden vortäusche, um Schmerzmittel zu bekommen.

Als der junge Mann namens Samual Bardwell der Medizinerin sagt, dass er nicht einatmen könne, antwortet diese lachend: "Er kann nicht einatmen. Wow! Er muss tot sein." "Sind Sie tot, Sir?", fragt die Ärztin. Und weiter: "Ich verstehe das nicht. Sie atmen doch ganz normal."

An diesem Punkt schaltet sich Bardwells Vater ein, der der Medizinerin zu erklären versucht, dass sein Sohn Probleme beim Atmen und am Weg ins Krankenhaus mehrmals das Bewusstsein verloren hätte. Dies will Keegstra nicht glauben. "Er atmet überhaupt nicht schwerfällig. Seine Sauerstoffversorgung liegt bei 100 Prozent. Er atmet total normal."

Spitalleitung reagiert

Nachdem sich das Video auf sozialen Netzwerken verbreitet hatte, reagierte die Spitalleitung und stufte das Verhalten der Mitarbeiterin als "unprofessionell" ein. Dan Woods, Leiter des El Camino Hospital, sagte in einem Statement, dass die Ärztin suspendiert wurde, bis eine Untersuchung Näheres ergebe. Dem betroffenen Patienten und seinen Angehörigen sprach der Spitalsleitung laut Washington Post eine Entschuldigung aus. Man sei mit Samual Bardwell in Kontakt und um eine Aufarbeitung bemüht.

Medikamente fehlten

Donald Bardwell, Samual Bardwells Vater, erklärte im Interview mit SFGate, dass sein Sohn an Panikattacken leide, die mittels Clonazepam behandelt werden. Clonazepam ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine mit krampflösenden und angstlösenden Eigenschaften.

Samual Bardwell selbst sagte im Interview mit ABC News, dass er während eines Basketballspiels zusammengebrochen sei. Weil er verabsäumt habe, seine Medikamente rechtzeitig aus der Apotheke zu holen, wurde er ins El Camino Hospital eingeliefert. Dort sagte er der behandelnden Ärztin, dass er akute Angstzustände und Muskelschmerzen habe.

Als er mithörte, wie Keegstra mit einem Sicherheitsmitarbeiter über ihn sprach und ein provokantes Verhalten an den Tag legte, habe er seinen Vater gebeten, die Situation mit dem Handy mitzufilmen.

Schikane wegen Schmerzmittel

Ab diesem Zeitpunkt belegt das Video, wie die Ärztin den Mann schikaniert, ihm Schmerzmittel verweigert, eine Infusion anordnet und schließlich mit den Worten "Er ist offensichtlich Arzt, er weiß, was er braucht" das Zimmer verlässt.

Keegstra, die ihrem LinkedIn-Profil und Recherchen der Washington Post zufolge in der Mayo Clinic (US-amerikanische Non-Profit-Organisation, Anm.) gearbeitet hat, hat sich bisher in der Sache nicht zu Wort gemeldet.

Samual Bardwells Familie ist jedenfalls überzeugt, dass die Medizinerin nicht weiter praktizieren sollte.