Leben
27.07.2017

Twitter-Account entlarvt heuchlerische Männer

Laut der Betreiberin des Accounts geht es nicht darum, einzelne Männer an den Pranger zu stellen, sondern darum, mehr Bewusstsein für Sexismus im Alltag zu schaffen.

Wenn es um die Bewertung von erotischen Bildern von Frauen und Männern im Internet geht, zeigt sich schon bald das fundamentale Problem sexistischer Doppelmoral. Das konnte zumindest die 31-jährige Lindsey aus dem US-Bundesstaat Minnesota beobachten. Immer wieder ist sie auf sozialen Plattformen wie Twitter oder Instagram auf Männer gestoßen, die dort freizügige Bilder von sich ohne T-Shirt posten, gleichzeitig aber Frauen kritisieren, die ebenfalls Haut zeigen. Auf ihrem Twitter-Account @CardsAgstHarassment sammelt Lindsey seit Jänner vergangenen Jahres Bilder und Statements von diesen Männern und postet diese mit dem Hashtag #ShirtlessShamers.

Diese Männer, die kein Problem damit haben, sich oben ohne zu präsentieren, posten beispielsweise Aussagen wie "Ich werde jederzeit einer Frau mit Klasse und Schönheit gegenüber jener den Vorzug geben, die halbnackte Bilder von sich und ihrem Hintern aus verschiedenen Blickwinkeln postet" oder "Man kann keine halbnackten Fotos von sich auf Twitter posten und sich dann wundern, warum Männer einen flach legen wollen, Mädchen sind dumm."

"Ihre Botschaft ist klar: Was gut für den Gänserich ist, ist für die Gans nicht gut, weil die Gans eine totale Schlampe ist", kommentierte Lindsey die Doppelmoral dieser Männer in einem Beitrag für The Daily Beast, den sie im Februar 2016 veröffentlich hat. "Viele dieser Männer formulieren ihre Missbilligung auf die sträflichste Art, die ihnen für junge Frauen einfällt: Sie werden wegen ihres Verhaltens niemals 'geehelicht' (als ob es besser wäre, rechtlich an einen Frauenhasser gebunden zu sein als Single zu bleiben). Manche treiben es sogar noch weiter: Weil ein Mädchen oder eine Frau, die halbnackt ist, keinen Respekt für sich selbst hat, hat sie auch den Respekt eines Mannes nicht verdient. Die verquere Schlussfolgerung daraus: Wenn die Frau nicht als respektabel erachtet wird oder sie mich als den Mann in ihrem Leben missachtet, der ein berechtigtes Interesse an ihrer Reinheit und ihrer Anständigkeit hat, wird sie geschlagen, wird sie vergewaltigt, wird sie getötet."

Vorschub für Mythen sexualisierter Gewalt

Mit dieser Einstellung würden Frauen laut Lindsey nicht nur als Schlampe und unehrenhaft abgestempelt werden, sondern auch Mythen über sexualisierte Gewalt aufrechterhalten bleiben. So wie jener Mythos, dass es Frauen in aufreizender Kleidung darauf anlegen würden, vergewaltigt zu werden.

Gegenüber Glamour sagte Lindsey, dass es ihr nicht darum geht, einzelne Männer an den Pranger zu stellen. Ihr Ziel ist es, der ganzen Gesellschaft mehr Bewusstsein für Sexismus im Alltag zu vermitteln. "Ich hoffe, dass wir alle durch die visuelle Illustration von Scheinheiligkeit und sexistischer Doppelmoral besser darin werden, Sexismus in uns selbst, unseren Freunden, Familien und unser Gemeinschaft zu beobachten und auseinanderzunehmen."

Es ist nicht das einzige Projekt, bei dem sich Lindsey mit Sexismus auseinandersetzt. Bereits seit 2014 will sie mit Cards Against Harassment mit unterschiedlichen grafischen Karten mehr Bewusstsein für sexuelle Belästigung schaffen.