Studie: Schwierige Kindheit macht geistig flexibler

Eine neue Studie zeigt, wie eine schwere Kindheit das Denken auch zum Vorteil prägt.
Kinder spielen mit Luftballons und Spielzeug in einem belebten Innenraum.

in harte Kindheit kann viele Ursachen haben: Armut, Gewalt, Krankheit oder auch der Verlust der Heimat. Über die negativen Auswirkungen solch schwieriger Lebensbedingungen sehr früh im Leben wurde bereits viel geforscht. Als Erwachsene leiden diese Menschen häufiger unter Depressionen und Aggression und sogar ihr Gedächtnis soll teilweise schlechter funktionieren.
Jetzt machten sich der US-Wissenschaftler Chiraag Mittal und sein Team mit einer anderen Fragestellung an das Thema heran: Was nehmen diese Kinder an positiven Eigenschaften in ihr erwachsenes Leben mit? Und sie wurden tatsächlich fündig – ein kleiner Trost für alle Menschen, die furchtbare Dinge erleiden mussten.
Bei der geistigen Flexibilität zeigten die in jungen Jahren benachteiligten Personen einen Vorteil. In der Studie bewiesen sie, dass sie schneller von einer Aufgabe zur anderen wechseln können. „Das hilft ihnen bei der Kreativität, unterstützt ihre mathematischen Fähigkeiten und das Leseverständnis“, so der Studienautor.

Er beschäftigt sich an der renommierten Carlson School of Economics mit Themen aus dem Bereich Management und wollte herausarbeiten, wie sich Menschen adaptieren. In einem Test auf dem Bildschirm mussten die Studienteilnehmer an einer Aufgabe trotz mehrfacher Ablenkungen weiterarbeiten. In einem anderen Teil der Studie ging es darum, möglichst schnell abwechselnde Aufgaben zu lösen.

Stress spornt an

Verstärkt wurde der Effekt durch einen weiteren Stressfaktor: Die Teilnehmer bekamen einen Zeitungsartikel über künftige Herausforderungen zu lesen. Die Testpersonen aus schwierigen Verhältnissen spornte die Verunsicherung zu geistigen Höchstleistungen an. Die anderen Personen wurden durch das Thema eher demotiviert.
Bestätigt wurde in der Studie auch eine andere Erwartung: Menschen mit stabilem Hintergrund tun sich leichter, an einem Thema konsequent dranzubleiben. So können sie besser langfristige Ziele erreichen. Gerade das sei aber im Arbeitsleben wichtig, so die Autoren.

Frühere Studien konzentrierten sich nur auf die Nachteile einer schwierigen Kindheit. Das wollte Mittal ändern und suchte einen positiven Zugang für seine Untersuchungen, um die Stigmatisierung dieser Menschen zu vermeiden. Aus ihrem Nachteil können manche sogar einen Vorteil machen. Besonders, wenn er seine Studienteilnehmer einer Stresssituation aussetzt, entscheiden sie besser. Denn mit Druck müssen manche schon seit ihrer Kindheit umgehen: „In einer Welt, in der nichts sicher ist, sollte man besser nehmen, was man gleich kriegt. Das ist viel vernünftiger, als lange auf eine Belohnung zu warten.“

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