Trenčín: Das erwartet Besucher in der neuen Kulturhauptstadt
Trenčín putzte sich fein raus. Was beim Eröffnungsfestival Mitte Februar zu sehen war.
Ein bisschen wirkt das Städtchen wie ein gallisches Dorf – beziehungsweise wie eine Oase in der Kultur-Wüste eines Landes, in dem die Kulturministerin (Martina Šimkovičová) Kunstabbau betreibt, die Szene schikaniert und im Rundfunk die Scheiben-Theorie der Erde verbreiten lässt. (In) so einem Land tut mutiges, buntes, diverses Kulturschaffen doppelt gut.
Trenčín in der Slowakei ist Kulturhauptstadt Europas 2026 (gemeinsam mit Oulu in Finnland). Was in der 54.000-Seelen-Stadt im Nordwesten des Landes am Eröffnungswochenende von 14. bis 16. Februar zu sehen war, lässt auf eine engagierte Entfaltung der Kunstszene hoffen und macht Lust auf mehr. Bei seiner vielbeklatschten Eröffnungsrede beschwor Bürgermeister Richard Rybniček Freiheit und ein Leben ohne Repressionen. Trenčín präsentiert sich als weltoffen und tolerant: Die Jugend liefert neue Blickwinkel auf die Welt, die Bevölkerung macht begeistert mit.
Wechselvolle Geschichte
Von Wien sind es nur knapp zweieinhalb Stunden (per Bahn oder Auto) nach Trenčín. Das reiche Erbe macht die Stadt – auch ohne Eventreigen – allemal sehenswert. In ihrer Geschichte war sie römisches Militärlager (Laugaricio, Marc Aurel kämpfte hier gegen die Quaden); mittelalterliche Festung; königliche Residenz (Sigismund von Luxemburg); politische Bühne für die Unterzeichnung des Vertrags von Trenčín (Polen gab seine Ansprüche auf Schlesien auf) und geschäftiges Handelszentrum am Fluss Waag (Váh).
Hoch über der renovierten, denkmalgeschützten Altstadt thront auf einem Felsen der Stolz Trenčíns: Die mächtige, frühmittelalterliche Burganlage. Zu ihren Füßen gefällt das historische Zentrum mit bunten Bürgerhäusern, dem zentralen Friedensplatz (Mierové námestie), barocken Kirchen, Museen und Galerien und einer lebendigen Lokalszene. Eine Besonderheit ist die frisch herausgeputzte Synagoge aus 1913 mit Art nouveau- und byzantinischen Elementen: Sie überlebte als Lagerhaus und Pferdestall zweckentfremdet den NS-Terror.
Blick nach vorn
Motto von Trenčín 2026 ist „Awaking Curiosity“ (Neugier erwecken). Der vorwärts gerichtete Blick soll die ganze Region und ihre Bewohner nachhaltig verändern und zu einem besseren Ort machen. Hunderte von Projekten und Veranstaltungen bauen Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft, wecken transformative Kreativität, verbinden die Geschichte mit Einwohnern und Besuchern und verschmelzen Fantasie mit Realität.
Das Eröffnungswochenende „Manifest Trenčín 2026“ legte einen fulminanten Start hin: Die ganze Stadt war auf den Beinen. Die abendliche Eröffnungsshow auf der Open-Air-Bühne am voll besetzten Friedensplatz präsentierte vorwiegend slowakische Künstler, die dargebotenen Stilrichtungen reichten von Folklore über Pantomime und Tanz bis Rock. Für jeden Geschmack war etwas dabei.
Das Zentrum und die Festung von Trenčín werden mit einer Laserinstallation beleuchtet.
©Daniela Dolinska/Archiv TrencinDas Projekt „Light Up the City“ ließ (und lässt weiterhin) das historische Zentrum sowie die Festung darüber als spektakuläre Laserinstallation erstrahlen. Nicht minder eindrucksvoll waren die Konzerte (samt Lichtshow) in der Piaristenkirche und in der Synagoge oder die Werkschau des bedeutenden slowakischen Avantgarde-Malers Stano Filko (1937–2015) in der Milos-Alexander-Bazovsky-Galerie.
Für noch mehr Kurzweil sorgten Faschingsumzüge, Musik und Shows allerorts sowie Stände mit Kunsthandwerk und regionale gastronomische Spezialitäten.
Die Installation „Crystallized Silence“ von Yasuaki Onishi ist noch bis Mai im Rittersaal der Burg zu sehen.
©Jörg-Brosche ClaudiaLichter, Boote, Brücke
Im Lauf des Jahres folgt noch viel mehr – etwa ein zweites Lichtkunstfestival. Ökologische Interventionen machen die Umgebung der Stadt neu erlebbar. Im Sommer wird die lokale Tradition „Splanekor“ mit handgefertigten Booten auf der Waag wieder belebt. Das neu renovierte Country House zeigt Ausstellungen renommierter internationaler Künstler. Ab September präsentiert sich die alte Eisenbahnbrücke samt Uferbereichen frisch revitalisiert als neuer, teils schwimmender Multi-Genre-Kultur- und Party-Hotspot (mit dem neuen Namen „Fiesta-Brücke“). Das Altofest bringt im Oktober experimentelles Theater, krönendes Ende ist das Abschlussfestival im Dezember.
Das Budget für die Kulturhauptstadt beträgt fünfundzwanzig Millionen Euro, zusätzlich gibt es EU-Gelder für die Infrastruktur. Bei der Eröffnungszeremonie wurde betont: „Kultur ist niemals eine Belastung für das Budget, sondern Lösung und Bereicherung für unser Leben.“ Diese sollten wir nicht verpassen!
Info
Anreise Bahn: ab Wien sind es nur zwei Stunden 20 Minuten nach Trenčín, mit einmal umsteigen in Bratislava. Preise der ÖBB mit der Slovak Rail vergleichen! oebb.at, zssk.sk/en
Schlafen und Essen
- Hotel Elizabeth 4*: erstes Haus am Platz, direkt an den Burgfels angelehnt; Mitglied der Gruppe „Schlosshotels und Herrenhäuser“, Römisches Bad, Pool, Saunen, Spa; Gourmetrestaurant. hotelelizabeth.sk/en
- Hotel Deloris: schönes Altstadthaus, zentrale Lage neben der Bazovsky-Galerie. deloris.sk/de/pension
- Hotel Pod hradom 3*: ruhige Lage am Burghügel, Blick über die Altstadt, kleine Sauna und Whirlpool, Restaurant. hotelpodhradom.sk/about-us
- Penzion Branecky: altes Haus im historischen Zentrum, modernes Design; individuelle Zimmer und Apartments. www.branecky.sk
- Restaurant Lanius Trenčiansky pivovar: traditionsreiche Wirtshausbrauerei in historischen Gemäuern am Friedensplatz, lauschiger Innenhof. lanius.sk
Weitere Programminfos
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