Margot Robbie in Yorkshire: Dieser Ort inspirierte „Wuthering Heights“
Der neue „Wuthering Heights“ Film mit Margot Robbie und Jacob Elordi zeigt sich ungestüm. Die Landschaft dahinter könnte nicht idyllischer sein. Eine Erkundung.
Scharf und surreal schmal für seine Höhe sticht der Kamin der Old Gang Smelting Mill in die Höhe, hebt sich markant vom Eisblau des Winterhimmels ab und Sean Whittle reibt sich die Hände. Der Wind bläst hier ungestüm.
Doch Sean schmunzelt. Vor elf Monaten hat er sich hier – er zeigt auf die Steinmauer – verschanzt, um nicht von der Kamera erfasst zu werden. Es war ein überraschend milder Märztag, erinnert sich der Yorkshire Dale Guide. Aber dann passiert es nicht alle Tage, dass man keine drei Meter von Margot Robbie steht, aufpassen muss, dass kein Schauspieler in den Fluss purzelt und zusehen darf, wie ein Welthit entsteht.
Film-Bloggerin Andrea David (filmtourismus.de) beim Drehort-Erkunden in der Old Gang Smelting Mill.
©Bauer Anna-MariaSelbst wer sie noch nicht gesehen hat: Ganz entgangen sein dürfte Emerald Fennells „Wuthering Heights“-Neuinterpretation den wenigsten. Der Blockbuster mit Margot Robbie als wilde Cathy und Jacob Elordi als rachsüchtiger Heathcliff hat nicht nur am Einstiegswochenende sechsundsechzig Millionen Euro an den weltweiten Kinokassen eingespielt, sondern wird aufgrund der viszeral intensiven Bilder heftig diskutiert. Sogar die deutsche Übersetzung „Sturmhöhe“ liegt nun auf Platz zwei der Amazon-Hörbuch-Classics.
Anlass genug, jene Landschaft zu erkunden, die nicht nur als Filmkulisse diente, sondern vor 180 Jahren Emily Brontë zu dem Werk inspirierte: das englische Yorkshire. Eine Landschaft in Nordengland, geprägt von Cottages, Steinbrücken und weiten Schafweiden, in der die Zeit wie in kaum einer anderen Grafschaft stehen geblieben zu sein scheint.
Ein Ort wie aus dem Bilderbuch: Haworth in Yorkshire.
©Bauer Anna-MariaDie Dampflok, die bei der Einfahrt ins Dorf Haworth weiße Wölkchen ausstößt, hat Emily Brontë zwar um zwei Jahrzehnte verpasst. Doch die drei Steinstiegen, die von der Nummer 121 Main Street zur Eingangstür führen, hat die Pfarrerstochter regelmäßig erklommen.
Wo Emily Post holte
Anstatt einer zischenden Kaffeemaschine und dem Duft warmer Butter hat sie der Geruch von Papier und Tinte empfangen. Die frühere Funktion dieses Restaurants liegt im Namen: The Old Post Office. Hier hat Emily, ebenso wie ihre Schwestern Anne und Charlotte, Manuskripte nach London verschickt.
An einem der Holztische sitzt Johnnie Briggs. Ein älterer Herr mit schlammgrüner Barbour-Jacke und Gehstock, dessen Augen leuchten, als er über die Brontë-Schwestern zu sprechen beginnt. Emily, holt er bei einer Tasse Tee aus, platzierte Sturmhöhe, „das prächtige Haus mit der zerbrochenen Gegenwart“, bewusst an den Rand. Darüber war nur das Hochmoor. Nur hier – ohne schädlichen Einfluss der Zivilisation – könnten Cathy und Heathcliff frei sein.
In diesem Restaurant verschickte Emily Bronte einst ihre Manuskripte: The Old Post Office in Haworth.
©Bauer Anna-Maria BauerDamit wir diesen Satz besser verstehen, parken wir uns wenig später am Pennine Way ein und folgen Wanderführer Stuart den schneebedeckten Pfad bergauf. Linker Hand fallen die South Pennines bergab, bis sie vom Nebel verschluckt werden. Der Wind zieht an der Jacke und nur das Stapfen der Wanderschuhe unterbricht die Stille.
Das echte Wuthering
Als Erstes taucht die Baumkrone aus dem Nebel auf; wenig später folgen die Umrisse eines Gemäuers. Und dann stehen wir vor Top Withens, jenem ehemaligen Bauernhof, den Emily Brontë auf Spaziergängen passierte und der ihr als Vorlage zu Wuthering Heights diente.
Das Wort „Wuthering“ beschreibt im Yorkshire Dialekt das wilde, unruhige Wetter, das oft über das Hochland zieht. Tatsächlich muss man tief Luft holen, um die wilde Poesie der Umgebung aufzusaugen.
Anreise
Mit Austrian Airlines im Direktflug nach Manchester oder ca. 20 Std. mit dem Zug. - Kompensation (atmosfaire.de): 18 €. Reisetipps auf der Visit-England-Webseite.
Haworth
Im einstigen Wohnort der Brontë Schwestern unbedingt das Brontë Parsonage erkunden und im Old Post Office zum Lunch einkehren.
Unterkunft
Im Simonstone Hall Hotel nächtigte Margot Robbie während des Dreh. simonstonehall.com.
Essen
Dinner bei Kerzenlicht im Green Dragon Inn einnehmen. Äußerst atmosphärisch
Ebenfalls abgeschieden, aber nicht verfallen, sondern eindrucksvoll prächtig, liegt der Landsitz Simonstone Hall bei Hawes, über dessen Vorhof etwas später Pfau Basil schreitet.
Vor elf Monaten wurde er regelmäßig von Margot Robbie gefüttert. Das Herrenhaus, in dem Pfau Basil wohnt, ist jenes Hotel, in dem Teile des Casts während der Dreharbeiten nächtigen. Zweieinhalb Wochen sah Besitzer Jake Dinsdale die Schauspieler beim Morgengrauen in Jogginganzügen das Haus verlassen – und zehn Stunden später in Jogginghosen zurückkehren.
An einem dieser Märztage parkten sich die Vans an der Old Gang Mill im Swaledale ein. Das Wetter war, wie so oft während des Drehs, so mild, dass sie Nebelmaschinen verwenden mussten.
Sean Whittle an der Stelle, von der er die Schlüsselszene beobachten konnte.
©Bauer Anna-MariaSicherheitsbeauftragter Sean Whittle bezog seine Position bei der Steinmauer. Die Regisseurin bat um Ruhe, die Kamera begann zu rollen und Sean konnte verfolgen, wie Margot Robbies Gesicht zu Catherines wurde, zunächst Verzweiflung, dann Unglauben einfing, als Jacob Elordi als vermisster Heathcliff aus dem Nebel trat.
Eine Szene, die die Sehnsucht wie kaum eine andere einfängt und deren Energie in diesem Hang der Yorkshire Dales anhaftet, als die Filmcrew lange eingepackt hat.
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