Erst Kriegskapitän in Istrien, dann „The Sound of Music“-Ikone
Georg von Trapp war – wenig bekannt – ein dekorierter Korvettenkapitän. Spuren hat er auch in der Hafenstadt Pula hinterlassen.
Vila Trapp steht auf dem weißen Schild mit roter Schrift. Das ist der einzige Hinweis auf die Familie Trapp an der repräsentativen, aber halbverfallenen Villa in der Ulica Pina Budicina in Pula. Die leicht ansteigende Straße führt durch das Villenviertel Borgo San Policarpo, in dem zu Kaisers Zeiten Admiräle der k. u. k. Marine mit ihren Familien residierten.
Die Suche nach Spuren des Alt-Österreichers Georg von Trapp in der istrischen Hafenstadt Pula (italienisch Pola) führt weg von der römischen Arena und den anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Dennoch lohnt sie sich – zumindest für diesen Artikel.
Das Wahrzeichen von Pula (Pola): Die noch gut erhaltene Arena der Römer.
©Uwe MauchEin U-Boot-Kommandant
Im Sommer soll im Schloss Hellbrunn in Salzburg ein Museum eröffnet werden, in dem Touristen aus aller Welt die Geschichte der Familie Trapp und des Hollywood-Films „The Sound of Music“ nachspüren können. Auch in Istrien ist der glatt gebürstete Filmheld kein Unbekannter.
„Georg Ludwig Ritter von Trapp war ein hochrangiges Mitglied der k. u. k. Kriegsflotte“, erzählt Marina Šuran, die immer wieder Gäste durch ihre Geburtsstadt führt, die Interesse an der Monarchie bekunden.
Schautafel mit Hiweisen auf die Ikone des Klassikers "The Sound of Musik" im Marinemuseum.
©Uwe MauchGeboren wurde der Ritter 1880 in der dalmatinischen Hafenstadt Zadar. Sein Vater diente der k. u. k. Marine. Er selbst trat bereits mit vierzehn in die Marineakademie in Rijeka ein. Im Jahr 1908 wurde erhielt er das Offizierspatent. Neun Jahre später heiratete er Agathe Whitehead, eine vermögende Enkeltochter von Robert Whitehead, Erfinder des Torpedos.
Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wurde Georg Trapp Vater von fünf Kindern. Und als Kommandant von U-Booten wurde er gleich mehrfach dekoriert.
Seeleute aus vielen verschiedenen Ländern sind auf dem Marinefriedhof in Pula begraben.
©Uwe MauchMarina Šuran führt auch durch den k. u. k.-Marine-Friedhof, schön angelegt auf einem Hügel des Stadtteils Stoja. Im Schatten von Pinien wurden der Fregattenkapitän August Ritter von Trapp und seine Gemahlin Hedwig von Trapp, Georgs honorige Eltern, beerdigt.
„Hier wurden Soldaten und Angehörige aus halb Europa begraben“, berichtet die Fremdenführerin. „Die meisten sind Opfer des Ersten und des Zweiten Weltkriegs.“
Dieses Grab erinnert an die Eltern von Georg von Trapp, August und Hedwig. Der Vater war Fregattenkapitän.
©Uwe Mauch„Teil unserer Identität“
Der 1862 eingerichtete und seit seiner Renovierung im Jahr 1991 vom Stadtgartenamt mit Liebe gepflegte Friedhof ist so betrachtet ein stummes Geschichtsbuch des 18., 19. und des 20. Jahrhunderts in diesem Teil von Europa.
Pula war zu jener Zeit ein Dorf mit weniger als tausend Einwohnern, als man 1774 in Wien die Entscheidung traf, hier den größten Militärhafen zu errichten. Zu Zeiten von Georg von Trapp lebten mehr Menschen in der Stadt als heute (heute rund 55.000). Jeder Vierte fand damals Arbeit in der Marine.
Fremdenführerin Marina Šuran vor der Kirche der Seeleute.
©Uwe Mauch„Die Schifffahrt ist bis heute ein Teil unserer Identität“, erklärt Marina Šuran, die nach dem Friedhofsbesuch noch zur „Kirche der Mutter Gottes des Meeres“ bittet.
Das Gotteshaus wurde mit rotem und weißem Stein aus Istrien gebaut, der Kirchenvorplatz erlaubt einen Blick auf den Hafen und seine Werft, das Innere der Mornarička crkva (deutsch: Kirche der Seeleute) wirkt nicht überladen. Hier beteten mit Sicherheit auch die Trapps, wurde die Kirche doch 1898 von Kaiser Franz Josef persönlich eröffnet. Zu Ehren seiner Marine.
Wer tiefer in die maritime Materie eintauchen möchte, kann auf der Riva, die den Autoverkehr fast ungebremst entlang des Hafens führt, das Haus Nr. 12 aufsuchen. Im ehemaligen Bürogebäude der örtlichen Tabakfabrik ist im Erdgeschoß seit dem Vorjahr das „Gallerion“ eingerichtet – eine private Sammlung über die k. u. k.-Marine.
U-Boot-Modelle im Marinemauseum "Gallerion" an der Hafenstraße von Pula.
©Uwe MauchHollywood lässt grüßen
Über den Korvettenkapitän Georg von Trapp (1947 in den USA verstorben) heißt es auf einer Ausstellungstafel unter anderem: „Obwohl er auch eine Villa in Pola hatte, lebte er nach dem Krieg überwiegend in Salzburg.“
Nach dem Krieg privatisierte Georg von Trapp, 1922 verlor er seine erste Frau aufgrund einer Blutvergiftung, später auch sein ganzes Vermögen aufgrund einer Bankenpleite.
1927 heiratete er in Salzburg Maria Augusta Kutschera, die zuvor eine Tochter betreut hatte. Er gründete einen Familienchor und emigrierte dann mit der Familie in die USA.
So weit bekannt aus dem Hollywood-Film. Bis Kurator Robert Bilić, ein Professor für Ethnologie, im „Gallerion“ am Saubermann-Image des Georg von Trapp kratzt: Vor allem die im Film gezeigte Happy-End-Story dürfte sich im wahren Leben nicht so zugetragen haben.
Dessen ungeachtet bietet Pula viel Abwechslung. Hier stehen Monumente der Antike neben exjugoslawischen Industriekomplexen, es begegnen einem oft auch Nachbarn aus Italien und Slowenien.
Mehr alt als modern wirkt der Bahnhof von Pula. Von hier konnte Freiherr von Trapp seinerzeit relativ bequem zwischen Salzburg und Pula reisen. Lange ist das schon her. Heute ist diese Bequemlichkeit leider nicht mehr gegeben.
Die Hafenstadt ist vom Hochgeschwindigkeitsnetz der europäischen Bahnen abgeschnitten. Die Strecke durch Istrien ist eingleisig, nicht elektrifiziert. Nur einmal pro Tag fährt ein Zug nach Ljubljana und Zagreb.
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