Göteborg per Kajak: Die besten Routen durch die Kanäle
Schwedens zweitgrößte Stadt ist bekannt für gemütliche Cafés, viel Natur und die zahlreichen Kanäle. Über sie lässt sich die Universitätsstadt aus einer anderen Perspektive erleben.
Das Wasser spritzt kühl ins Gesicht und erfrischt, als das Kajak im kleinen Jachthafen Lilla Bommens Hamn ins Wasser rutscht. Die ersten Paddelschläge sind noch zögerlich, doch dann werden die Abläufe sicherer, das eigene Grinsen im Gesicht breiter. So fühlt sich also Schweden an! Das bunte Göteborg immer links, entsteht ein erstes Bild von der grünen Hafenstadt, die bereits siebenmal von der internationalen Organisation ICCA als nachhaltigstes Reiseziel der Welt ausgezeichnet wurde. 2025 sicherte sie sich erneut einen Platz auf dem Podium und belegte hinter Helsinki den zweiten Platz.
Kajaken in Göteborg.
©Christiane FlechtnerAuch per Kajak ist man nachhaltig unterwegs: Als die roten Boote vom kleinen Hafen in den Fluss Göta älv einbiegen, werden die Wellen höher und brechen an einem weißen Koloss, der majestätisch in den Himmel ragt. „Dieses Segelschiff ist die Viking“, erklärt Kajakguide Natalie Gevert. „1906 in Dänemark gebaut, wurde sie viel in Südostasien eingesetzt. Doch heute wird sie als Hotel und Restaurant genutzt, denn mit ihrem fünfundfünfzig Meter hohen Mast passt sie nicht unter der Brücke hindurch, kann also den Hafen nicht mehr verlassen,“, fügt die 25-Jährige hinzu. Auf dem Göta älv geht es gemütlich in Richtung Flussmündung weiter. Nur das Plätschern der Wellen und das Kreischen der Möwen sind zu hören. Weiter hinten ist der Banana-Pier zu sehen, wo über Jahrzehnte riesige Bananenimporte an Land gebracht wurden. „Die Schweden waren Weltmeister im Bananenverzehr – rund zwanzig Kilogramm hat jeder pro Jahr gegessen, und dafür wurde extra ein Pier gebaut“, weiß Gevert.
Kräne als Überbleibsel
Weiter hinten ragen – metallenen Riesen gleich – hohe Kräne in den Himmel empor. „Sie dienten früher dem Schiffbau, bevor die Produktion ins Ausland verlegt wurde, vor allem nach Südkorea“, sagt die Führerin. Doch die Kräne blieben – von privaten Investoren gekauft – als historische Symbole erhalten.
Delikatessen in der Pause
Vom Fluss gleiten die Kajaks in einen der vielen Kanäle. Die Universitätsstadt wird auch „das Amsterdam des Nordens“ genannt, denn das Kanalsystem wie auch ihre Baumeister kommen aus Holland. Auf dem großen Hafenkanal – dem Stora-Hamnkanal – gibt es viel zu bestaunen: etwa die historische Straßenbahn, die an den Häusern entlangfährt, oder das Residenset – das älteste Wohnhaus, in dem heute die Regionalregierung ihren Sitz hat.
Weiter geht es durch die kleinen City-Kanäle. Schon bald steht eine Pause in den Stora Saluhallen an: Göteborgs traditionelle Markthalle am Kungstorget lockt mit allerlei Düften, Delikatessen und preiswertem Mittagstisch. Käse reiht sich an Obst, Obst an Brot. Insgesamt vierzig Geschäfte, die auch Gemüse, Fleisch, Blumen, Schokolade, Nüsse, Gewürze, Kaffee und Tee anbieten, und kleine Lokale sind unter dem Dach der Halle vereint. Sie hat sich ihren ursprünglichen Charme von 1888 erhalten und ist ein Muss für alle Feinschmecker. Der kleine Snack zwischendurch tut gut, bevor das Paddeln fortgesetzt wird.
Stadtteil Haga ist für seine hübschen Häuser, individuellen Geschäfte, Boutiquen und Cafés bekannt.
©Christiane FlechtnerDas sanfte Plätschern des Wassers beim Eintauchen des Paddels ist ein ständiger Begleiter der Tour. Hinter jeder Ecke taucht ein neues, noch unentdecktes Highlight der Stadt auf. Eine Besonderheit ist die sogenannte Käsehobel-Brücke: Sie ist so niedrig, dass sie wie ein Käsehobel wirkt, sollte man sich nicht rechtzeitig ducken. Und als Gag wurde unter der Brücke sogar ein überdimensionaler Käsehobel montiert.
Kampf gegen Pflanzensterben
Später geht es zu Fuß weiter: Ziel ist der 1923 eröffnete Botanische Garten. Er ist mit seinen 16.000 Pflanzenarten und dreihundert Baumarten aus der ganzen Welt nicht nur einer der größten Botanischen Gärten Europas, sondern er hat auch einen besonderen Schwerpunkt.
Botanischer Garten in Göteborg.
©Christiane Flechtner„In unseren Gewächshäusern kämpfen wir gegen das massive Pflanzensterben durch den menschengemachten Klimawandel, und es dreht sich alles um bedrohte Arten. Wir züchten hier vom Aussterben bedrohte Pflanzen, die wir in ihrer natürlichen Umgebung wieder einpflanzen“, erklärt Pressesprecherin Agneta Green. Sie zeigt auf die kleinen grünen Polster mit winzigen violetten oder gelben Blüten. „Das sind unterschiedliche Dionysia-Arten, die zur Gattung der Primeln gehören und unter anderem in Afghanistan, in der Türkei, im Iran und im Oman beheimatet sind. Wenn sie größer sind, werden sie dort wieder angepflanzt und tragen so zum Erhalt der Natur in diesen Regionen der Erde bei“, fügt sie hinzu.
Der Weg durch den Botanischen Garten führt durch verschiedene Themenbereiche mit den unterschiedlichsten Pflanzen.
©Christiane FlechtnerNeben dem Botanischen Garten befindet sich das nächste Naturhighlight: das dreihundertzwanzig Hektar große Naturreservat Änggårdsbergen. Es besteht aus einer Mischung aus Sumpfgebiet, Heideflächen und eiszeitlicher Hügellandschaft mit grasenden Schafen. Vom hundertvierzehn Meter hohen Västerberget ist die zuvor gepaddelte Strecke gut erkennbar.
Naturreservat Änggårdsbergen
©Christiane FlechtnerInfo
Anreise Flug Wien–Göteborg mit Austrian Airlines. CO2-Kompensation via atmosfair.de: 15 €.
405 Jahre ist Göteborg alt.
Kajaktouren am Lilla Bommens Hamn, 2-Std.-Tour: rund 51 €, plums.se
Unterkunft
– Best Western Plus Hotel Waterfront Göteborg: Hotel in einer ehemaligen Brauerei, hotelwaterfront.se
– STF Hostel & Hotel Göteborg City: Drei Minuten vom Bahnhof entfernt. swedishtouristassociation.com
Erlebniskarte Freier Eintritt zu mehr als 30 Attraktionen mit dem Gothenburg Pass. goteborg.com, visitsweden.de
Letzter städtischer Naturtipp ist der Park Slottsskogen, seit 1874 Göteborgs grüne Lunge, in dem man unter anderem Rentiere, Elche, Robben und sogar Pinguine beobachten kann.
Als kulinarische Belohnung für die Anstrengung an frischer Luft versüßt im ältesten Stadtteil Haga eine Kanelbulle in XXL, die wohl größte Zimtschnecke der Welt, den Tag.
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