Aerial panoramic view of Cancun beach and city hotel zone in Mexico. Caribbean coast landscape of Mexican resort with beach Playa Caracol and Kukulcan road. Riviera Maya in Quintana roo region on Yucatan Peninsula

Immer nie am Strand: Was tun in Cancún?

Angeblich ist die Karibik der beste Ort, um sich auf weißem Strand und in türkisem Wasser paradiesisch zu fühlen. Wäre da nicht das Programm von Maya-Stätten bis zu Natur-Becken in Karsthöhlen. Ein Dilemma.

Da fährt man in die Karibik, um den geplanten Strandurlaub in türkisem Klischee zu verbringen, und dann kommt einem ständig Programm in die Quere. Natürlich könnte man es ignorieren. Sich vom weiß gekleideten Hotelkellner permanent bunte Cocktails ans Strandbett bringen lassen, die der wackere Mann in Dauerschleife auf dem Tablett über weißen Sand balanciert.

Axel fährt weg: Was tun in Cancún?

Oder sich an einem der animativen Beachspiele beteiligen, an denen die anderen Clubgäste mit Leidenschaft teilnehmen: Gerade hat eine junge Frau aus Dänemark ein sandgefülltes Sackerl ins oberste Loch eines Brettes getroffen und freut sich tierisch, vielleicht hat sie einen Auftritt bei der Abendshow auf der Clubbühne gewonnen. Man könnte sich auch ganztags der Temperaturbalance aus Sonneneinstrahlung, malerischen Karibikwolken und Abkühlung im sündig türkisen Wasser hingeben, das gar nicht richtig kalt ist. Aber wie gesagt: Es gibt so viel zu tun. Denn ein karibischer Urlaub besteht eben nicht nur aus Traumstrand, sondern aus viel zu vielen Möglichkeiten, man hat in Cancún keine innere Ruhe.

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©Grafik
Tulum  Mexico

Ohne Maya-Stätte geht es nicht: Für Tulum (li.) muss man nicht weit vom Strand we

©Getty Images/Guillermo Aparicio/istockphoto

Pyramide muss sein

So ist etwa undenkbar, in Cancún zu urlauben und nicht zumindest eine der Maya-Stätten zu besuchen. Gut, für die hübschen Ruinen von Tulum muss man nicht weit vom Meer weg, da haben die Mayas alles in die Lage investiert. Aber im Prinzip will jeder nach Chichén Itzá: Das UNESCO-Welterbe ist auch wirklich besonders. Neben dem Indiana-Jones-Charme und den reizenden Souvenirständen (Keramik-Leoparden, die angeblich wie Leoparden krächzen, wenn man hineinbläst; Mayaschmuck; Totenkopf-T-Shirts, Maya-Pyramiden-fürs-Nachtkasterl, ... ) hat man doch eine gewisse Stille erhalten und schleust gleichzeitig zweieinhalb Millionen Menschen im Jahr durch. Die lauschen dann der faszinierenden, aber uns völlig unbekannten Geschichte der Mayas, die vor über tausend Jahren den Sonnenstand und die Sterne so gut verstanden hatten, dass sie Pyramiden danach bauten – bis heute taucht einmal im Jahr die Sonne exakt an dieser oder jener Spitze auf und die alten Stätten auf Yucatán seien nach Sternbild angeordnet.

Chichén Itzá: Abel Adonay

Chichén Itzá: Abel Adonay ist hier die Tour-Guide-Ikone.

©Halbhuber Axel

So erzählt das zumindest Abel Adonay und an dem zweifelt man nicht: Der 47-Jährige ist die Ikone der Chichén-Itzá-Guides. Schon als Achtjähriger spielte er mit Freuden Fußball zwischen diesen Mauern. „Als dann in den 1980ern immer mehr Touristen kamen, sammelte ich, was die Menschen hier über die Stätte wissen und habe es Touristen erzählt.“ Heute hat Adonay alles auf einem XXL-Screen, wischt durch die Geschichte und erzählt von Göttern, die hier und dort lebten. Er zeigt auf Punkte im Stein-Relief, die zu gewissen Daten von der Sonne geküsst werden. Er führt die absurd präzise Echo-Akustik der Pyramiden vor und zeigt, wo der Übergott Kukulkan jährlich hinabstieg und in der Zenote auf dem Gelände versank, um den Beginn der Aussaat anzuzeigen. Und so nehmen Touristen neben profanen Fakten – gebaut 600 bis 1200 n. Chr, Kultur der Mayas bis 1280 undsoweiter – vor allem das bezaubernd Mythische mit.„Als immer mehr Touristen kamen, sammelte ich, was Menschen hier über die Stätte wissen, und habe es erzählt.“Abel Adony, Chichén-Itzá-Guide

Geografische Verwirrung

Wenn man an diesem bezaubernden Ort ist, befindet man sich schon mitten auf der Halbinsel Yucatán – und das ist vielleicht verwirrend: Diese mexikanische Halbinsel teilt sich auf die drei mexikanischen Bundesstaaten Yucatán, Campeche und Quintana Roo auf. Wenn man in der Stadt Cancún ist, befindet man sich auf der Halbinsel Yucatán, aber im Bundesstaat Quintana Roo, der zu allem Überfluss in einer anderen Zeitzone liegt. Passt aber alles zusammen, denn auch der Name der Halbinsel geht auf ein Missverständnis zurück: Die ankommenden Spanier sollen Einheimische gefragt haben, wie das Land heiße. „Yuk ak katán“, haben die Maya gesagt – „Ich verstehe deine Sprache nicht.“

Kolonial-Kitsch

Dass die kolonialen Spanier viel Unheil brachten, ist bekannt, aber den hübschen Teil des Erbes kann man gleich mit Chichén-Itzá verbinden – wenn man den Tag schon nicht am Strand verbringt. Die sehr schöne Kleinstadt Valladolid ist voller Kolonialbauten, sehenswert ist auch der schöne Stadtpark, um den sich gute (aber touristische) Lokale drängen.

Jedenfalls kann man in Valladolid aber auch ein anderes Highlight mitnehmen, hier liegt die vielleicht erreichbarste der sechstausend Zenoten, die es auf der Halbinsel gibt. Diese einst „heiligen Quellen“ der Mayas sind oder waren Karsthöhlen, manche eingestürzt, manche noch geschlossen, heute oft für ein touristisches Bad samt Selfie genutzt. Zaki ist eine halb offene, extrem gut besuchte Zenote, wer es uriger haben will und mehr Freestyle sucht, müsste zum Beispiel zur Zenote San Lorenzo Oxman fahren.

Lebendige Geschichte

Und weil man schon einmal hier ist, kann man noch eine Sache an diesem Ausflugstag erledigen: Maya-Kultur kennenlernen. Die dominierte hier von 1.500 vor bis rund 1.200 nach Christus, lebt aber bis heute weiter, wie einem Irene Covo von „Donia Way“ erklärt. Dieses Projekt, das von der TUI Care Foundation gestützt wird, die auch Besucher bringt, widmet sich den Handwerken und Riten der Mayas. Covo: „Wobei wir uns ja sogar stolz ‚Yucatekener‘ nennen. Die Geschichte der Maya hier ist wirklich lebendig, man sieht es an den archäologischen Stätten, aber auch daran, wie wir uns kleiden und nach wie vor Dinge auf Maya sagen. Es ist ein besonderer Ort in Mexiko.“

Neugierige Touristen

Tatsächlich zeigt sich auch bei gebuchten Ausflügen, dass Touristen zunehmend Interesse an Landeskunde haben. „Besonders Europäer interessieren sich sehr für unsere Kultur und unsere Wurzeln. Ja, man kann einen wirklich schönen Urlaub in einem Hotel verbringen, aber es gibt immer mehr Möglichkeiten, unsere Region und Projekte zu erkunden.“

Ach ja, wirklich schöner Urlaub am Hotelstrand, da war ja noch was. Es wird Zeit zurückzufahren, das kann man seit Kurzem übrigens mit dem Zug „Tren Maya“: Das riesige Infrastruktur-Projekt verbindet seit 2024 – nach Jahren heftiger Kritik bezüglich Schutz der Indigenen und des Waldes – auf über eintausendfünfhundert Bahnkilometern alle wichtigen Orte auf Yucatán – für Reisende eine Option, nicht mit dem Mietauto unterwegs zu sein.

Zurück im Hotspot Cancún ist wieder alles karibischer. Die Millionenstadt hat sich zum informellen Zentrum der Karibik gemausert. Bei über zwanzig Millionen internationalen Besuchern pro Jahr verzeichnet die Großregion mehr Nächtigungen als die Schweiz – und ist dabei bunter als beliebte mexikanische Bade-

Hotspots der Westküste. Während dort vor allem internationale und US-Ketten operieren, ist Cancún in ziemlich mexikanischer Hand. Das wirkt sich auch auf das Publikum aus: US-Gäste kommen erst nach und nach hierher, Europäer (auch wegen der viel kürzeren Flugzeit) fast nur auf diese karibische Seite des Landes.

Das merkt man – wie beim Interesse an der Maya-Kultur und dem hochwertigen Gastro-Angebot – vor allem auch an den angebotenen Ausflügen in und um Cancún: Segeltrips wie die „National Geographic Day Tour“ zu Korallenriffs kommen mit viel Wissensvermittlung daher. So bittet Abraham Lopez seine Gruppe schon vor dem Ablegen zum kurzen Vortrag über weiche und harte Korallen sowie das Leben auf dem Meeresboden. „Wir sehen ein deutlich steigendes Bewusstsein der Touristen. Natürlich wollen sie das magische Türkis der Karibik, aber wir versuchen auch zu erklären, warum es wichtig ist, den Ozean zu schützen: Der größte Teil des Sauerstoffs auf der Welt stammt daraus.“ Die Idee sei, Touristen dazu zu bringen, achtsamer zu sein und sich der Bedeutung der Riffe bewusst zu werden: „Bei Hurrikans blockieren die Korallenriffe die Wellen und wir haben gesunde Mangroven. Die sind extrem wichtig. Alles hier ist wichtig, alles greift in alles.“ Abraham ist dabei sehr positiv, vor ein paar Jahren noch habe sich niemand darum gekümmert, aber „heute haben wir sauberere Strände, die Leute fragen, wo sie das Plastik entsorgen können.“

Vom Meer in den Pool

Und so gilt auf dem Katamaran, der die Gäste zum Schnorcheln mit Schildkröten und bei coolen Wracks bringt, als oberste Regel: „Kein Plastik und kein Sunblocker, der wäscht sich ab und das mögen die Tiere und die Korallen nicht besonders.“

Beim Nachmittags-Drinking im Hotelpool schmieren sich schon alle ein. Man kann diese Orte, wo man im Wasser stehend an der Bar bestellt und trinkt, mögen oder nicht ,„Wir sehen ein steigendes Bewusstsein der Touristen. Heute fragen die Leute, wo sie das Plastik entsorgen können.“ Abraham Lopez, Ozeankenner es ist halt wie Apres Ski, aber ohne Skischuhe, dafür mit einem Wasser, das sich alle teilen. Im Pool nebenan geht es geordneter zu, aber auch bei der Aquagymnastik ist viel los. Manche der Mitmachenden hat man auch schon bei der Aerobic am Vormittag und auf dem Tennisplatz in der Mittagshitze gesehen.

Verblüffend, wie unterschiedlich Menschen ihren Paradies-Aufenthalt angehen.

Wo man doch selbst nur an den Strand will. Auf dem Weg dahin muss man aber in der Früh einmal am Frühstücksbuffet vorbei, mittags dann am Lunchangebot, man hat ja dafür gezahlt und der Strand läuft einem nicht weg. Der Überfluss bringt im türkis-weißen Schlaraffenland eine permanente Zerrissenheit mit sich, als ob man ein griechischer Gott wäre, der sich nicht zwischen Milch, Honig und Weintrauben entscheiden kann und dabei immer verzweifelter wird.

Und dann wird einem bewusst, dass alle gesagt haben: Aber auf eine der Inseln musst du unbedingt!

Sunset  Aerial view at  Isla Mujeres in Cancun

Die Isla Mujeres (li.) ist Traumstrand und Ausflugsziel. 

©Getty Images/iStockphoto/Rcview_cinematography/istockphoto

So sitzt man am nächsten Tag wieder auf einem Ausflugsboot und segelt einem Glück entgegen, diesmal heißt es Isla Mujeres. Die „Insel der Frauen“ wurde einst einer Maya-Göttin geweiht, ist sieben Kilometer lang und sechshundertfünfzig Meter breit. Sie liegt dreizehn Kilometer vor Cancún und damit weg vom Partyzentrum. Auf der Isla Mujeres waren lange alle barfuß, sagt man. Bis heute fahren hier fast nur Golfcarts, es gibt viel Natur und perfekt inszeniertes caribic feeling.

Das erlebt man generell besser auf den Inseln rund um Yucatán. So sind vor allem Cozumel (drittgrößte Insel Mexikos) und Holbox (nahezu autofrei) die liebsten Ziele für Backpacker und übrigens auch Taucher.

Clay tray with assorted Mexican tacos of cochinita pibil, pastor tacos, lime, chicken tinga,

Für das Top-Taco muss man in die Stadt: „Taco Rigo“ ist Cancúns Nummer eins, sagen Einheimische.

©Getty Images/Tomas Llamas Quintas/istockphoto

Auf der Isla Mujeres mischt sich das Superentspannte allerdings mit dem Tagestourismus, Souvenirstraßen und Tequilaverkostungsorgien führen einen zum wichtigsten Punkt für alle Selfiefreunde: Und wirklich ist der Playa Norte, also der Nord-Strand, ein toller Ort, aber das wissen leider auch die anderen. Geografie-Freunde können sich von hier aus allerdings wunderbar vorstellen, wie die Halbinsel Yucatán und die Isla Mujeres das Karibische Meer vom Golf von Mexiko trennen. Auch irgendwie erhebend.

Aber zwei North-Beach-Cocktails später erinnert man sich doch wieder, wo man eigentlich die ganze Zeit hinwollte.

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Und so bin ich am letzten Morgen ganz früh am Strand und sehe, wie sich ein Sonnenaufgang gleich einer Explosion über dem Meer vor der Costa Mujeres ausreitet. Man will nicht glauben, wie viele Menschen sich um 6:40 Uhr hier versammeln, weil sie ein Selfie machen wollen.

Oder einfach nur endlich einmal am Strand sein.

Info

Anreise Nach Cancún  kommt man ab Wien auf  vielen Wegen, aber immer mit Umstieg, Dauer mind. 14:15 Std., CO2-Kompensation hin/retour via atmosfair.de 113 €.

27 Kilometer ist die „Zona Hotelera“ lang. Authentisch hat man Cancún z. B. im „Taco Rigo“ in der Stadt.

Hotels und Package
In der  Zona Hotelera gibt’s alle Kategorien und Nachtleben. Ruhiger ist z. B. die Costa Mujeres (Strandspaziergänge!), auch für Kinder gut.
– TUI hat viele Yucatán- und Cancún-Reisen, z. B. aktuell 7 N/ All-incl. im Hotel Riu Latino (Costa Mujeres) ab 1.746 €/P./DZ mit Flug und Transfers. Buchung: gute Reisebüros, auf tui.at und Tel. 0800/400 202. Info (auch TUI Musement) auf der TUI App  und tui.at/ausfluege

Axel Halbhuber

Über Axel Halbhuber

Ich habe mir unter den Zweigen des Schreibens den Journalismus ausgesucht, um nicht über mich schreiben zu müssen. Und jetzt schreibe ich hier Zeilen zu meiner Vita. Es gibt im Leben Wichtigeres, das es zu beschreiben gilt. Eben das macht diesen Job spannend: gestern ein Interview mit den Klitschko-Brüdern, heute eine Reportage in einem Dorf für Demenzpatienten, morgen das Porträt über die wahre Biene Maja. Leben ist Vielfalt, auch das Berufsleben. Daher habe ich im Journalismus vieles gemacht: Wirtschaftszeitung bis Männermagazin, Online-Ressortleitung bis Gratismedium-Chefredaktion, Sportressort bis Societymagazin, Österreichwanderung bis Weltreise. Und bei aller Vielfalt ist das Reisen doch zu einem Steckenpferd geworden, auch durch meine Bücher „Ich geh dann mal heim“, „Einfach eine Weltreise“ und "Reisen ist ein Kinderspiel". Aber am wichtigsten war die Biografie über Helmut Kutin: "Wie aus einer zerstörten Kindheit ein gutes Leben wurde." Das muss wirklich jeder lesen!!!!

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