Safari in Botswana: Protokoll einer Pirschfahrt im Okavango-Delta
Zusammenfassung
- Safari im Okavango-Delta: Geduld, Erfahrung und Funkkontakt sind entscheidend, um Wildtiere wie Leoparden zu erspähen.
- Botswana bietet abseits des Massentourismus authentische Tierbeobachtungen mit erfahrenen Rangern und über 30 gesichteten Arten pro Fahrt.
- Jahreszeit, Tierverhalten, Geräuschkulisse und Tricks wie das Einreiben mit Wildem Salbei prägen das intensive Safari-Erlebnis.
Wo versteckt er sich, der Leopard? Ranger Gibson schaut konzentriert drein. So, als ob er das dichte Buschwerk, das sich einige Meter vor dem offenen Geländewagen ausbreitet und vor wenigen Augenblicken einen Leopardenschwanz verschlungen hat, mit Laseraugen durchleuchten könnte.
Gibson wartet und starrt, ich starre, wir starren. Doch die Handvoll Safari-Touristen aus Österreich hat keine Ahnung, wie man richtig starrt. Gibson hingegen arbeitet seit zwanzig Jahren als Ranger im Okavango-Delta, er weiß, worauf es in solchen Momenten ankommt.
Botswana Safari Stefan Hofer
Denn ein Raubtier in freier Wildbahn zu sehen, gehört für Afrika-Urlauber zu den Höhepunkten einer Safari. Nun heißt es geduldig sein. Und still – man will so ein Raubtier ja auch nicht unnötig aufscheuchen. Aber diese Sicherheitsanweisung hätte es vorab gar nicht gebraucht, man verstummt automatisch.
Impressionen aus Botswana
In nur wenigen Minuten tauchen ein paar weitere Jeeps mit Touristen aus verschiedenen Himmelsrichtungen auf, umstellen das geschätzt hundert Meter lange Gestrüpp in der ringsum offenen Buschsavanne.
Ist man seit Sonnenaufgang und dem Start des morgendlichen Game Drives keinem anderen Geländewagen begegnet – Botswana ist da wirklich ein Land abseits des Safari-Massentourismus – so wirkt nun die Naturarena gut besucht. Es ist keine Jagd, aber eine Pirsch nach dem besten Foto. Die Fahrer oder Ranger (meist eine Personalunion) sind per Funk miteinander verbunden, wer ein Tier oder Tierspuren sichtet, gibt den Standort den Kollegen weiter, die oft auch für dieselbe Safari-Lodge oder -Company arbeiten.
Und dann geht es schnell
Gibson schaut in seinen Feldstecher. Er hat etwas ausgemacht, reicht ihn weiter. „Look, there“ – da, im dichtesten Dunkel habe sich etwas bewegt! Kurzer Funkverkehr, rasanter Aufbruch: Der Leopard habe seine Position geändert. Gibson startet seinen Jeep, reversiert, steigt auf das Gaspedal und crasht ohne Rücksicht auf mögliche Kratzer, Dellen oder Reifenschäden an seinem Land Rover über dicke Äste und zwischen Sträuchern hindurch, Zweige peitschen auf das robuste Stoffdach, als ob ein Tyrannosaurus Rex hinter uns her wäre. Wir Zuschauer auf den drei leicht treppenförmig ansteigenden Sitzbänken im Jeep begnügen uns für einige Sekunden mit Festhalten.
Das hätte man Gibson – von der Statur ein zierlicher Mann mit ergrautem Musketierbart – in der Früh beim Start der Pirschfahrt, als er noch den Reifendruck kontrolliert hat, gar nicht zugetraut. Da hatte er noch stolz darauf hingewiesen, wie wichtig ihm die Unversehrtheit seinen Jeeps ist. Denn ohne Jeep kein Game Drive. Und diese geführte Pirschfahrt ist das Herz einer jeden Safari. Dann, wenn man wilde Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum bestaunen kann. Mitten in der afrikanischen Savanne – ohne Zoozäune und unvorhersehbar.
Doch der Ortswechsel bringt nichts. Der ganze Leopard will sich nicht zeigen, das Bild von einem Leoparden in voller Pracht oder schlafend auf einem Baum – an diesem Tag bleibt es nur ein Traum.
Doch wie im Schauspiel folgt der Antiklimax auch ein Höhepunkt – später. Wir sind noch stundenlang unterwegs. Antilopen springen immer wieder anmutig durchs Bild. Gibson erklärt den Unterschied zwischen der Schwarzfersenantilope und dem Springbock, „denn die werden oft verwechselt“. Wir kommen an Zebrastreifen vorbei, bleiben stehen, knipsen. Tagaktive Warzenschweine präsentieren ihre Hauer, Bärenpaviane kratzen sich an Stellen, die hier nicht näher beschrieben werden, und Giraffen posieren grazil. Auf die riesigen Schnäbel der Tokos und die kunstvollen Hängenester der Webervögel muss Gibson hinweisen, die hätten wir Savannen-Laien übersehen.
Botswana Safari Stefan Hofer
Einmal hält Gibson mitten auf einer endlos geraden Sandpiste, eine junge Leopardenschildkröte quert den Weg. Der Ranger hebt das kleine Exemplar der größten Schildkrötenart Afrikas auf und trägt sie in den Busch. Ich führe mit Bleistift eine Liste, wie viele verschiedene Tierarten ich live erspähe. Es sind über dreißig, Erdmännchen und Perlhuhn mitgerechnet. Eine Zwischenmahlzeit serviert Gibson auf der stattlichen Motorhaube. So köstlich hat Instantkaffee noch nie geschmeckt.
Der Mittagshitze folgt Regen. Staub verwandelt sich in Gatsch. Die offenen Jeeps lassen einen das Wetter spüren, man fühlt sich wie einer immersiven Naturfilm-Doku. Dann, auf dem Rückweg in die gemütliche Lodge, wieder Funksprüche. Vier Löwinnen und ein Junges wurden gesichtet! Und wirklich, nach einigen Minuten Fahrt kommen wir zur Stelle, zwei andere Jeeps sind auch dort.
Botswana Safari Stefan Hofer
Ich hake bei Gibson nach, wie man sich in diesen endlosen Weiten so zielgenau orientieren kann. Er erklärt es mir nach dem Motto „fünf Kilometer entfernt steht eine schiefe Akazie, dann links“, ich verstehe es trotzdem nicht. Wir widmen uns der dem Löwenrudel, prächtig, schläfrig, fast zum Angreifen nah.
Ein ebenfalls exzellenter Ranger ist Sunday. Nicht, weil er so einen tollen Namen hat, sondern weil er – so wie Gibson – immens viel weiß. Mit ihm absolvieren wir an einem anderen Tag einen Game Drive. Tipp: Wer hier ins wasserreiche Okavango-Delta im Nordwesten des Landes reist, sollte sich überlegen, zu welcher Jahreszeit er auf Safari geht. In der Trockenzeit, zwischen April und Oktober, ziehen viele Tiere aus der Kalahari-Wüste ins Delta, um zu trinken. Im November, kurz vor der Regenzeit, ist Nebensaison. Es kann heiß werden, die Preise sind niedriger und weniger Besucher.
Wer übrigens glaubt, in der Buschsavanne Botswanas, fernab jeglicher Zivilisation, ist es still, irrt. Ein sehr lauter Chor erfüllt die Luft. Sunday klärt auf: Die männlichen Zikaden der Art Brevisana brevis sitzen auf Bäumen und Büschen und „singen“ mit über hundert Dezibel – vergleichbar mit dem Geräusch von Motorsägen. Dolby-Savannensound.
Dann ist da noch der Geruch. Bei Elefantenherden sollte man gegen den Wind unterwegs sein, um sich unbemerkt zu nähern. Sunday zeigt vor, wie man sich mit Wildem Salbei einreibt, um den menschlichen Geruch zu verdecken. Damit einen die Elefanten nicht riechen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Anreise
Mit Ethiopian Airlines von Wien über Addis Abeba nach Maun. CO2-Kompensation (atmosfair.de): 97 €
1966 Seit dem Jahr ist Botswana unabhängig. Ein Visum wird nicht benötigt. Für die Victoriafälle: Ein Visum für Simbabwe ist an der Grenze erhältlich (ca. 30 €)
Safari-Rundreise
Raiffeisen Reisen bietet „Botswana & Vic Falls“ – Höhepunkte im Süden Afrikas“ an: Zehntägige Reise ins Okavango-Delta, in den Chobe Nationalpark und zu den Victoriafällen. Termine: 15.–24. 11. 2026 und 21. 2.–2. 3. 2027. Flüge mit Ethiopian Airlines, Nächtigungen in guten Lodges und Hotels; Pirschfahrten, Bootsfahren, NP-Gebühren, lokale deutschsprachige Reiseleiter: ab 6.990 € p. P., auf Anfrage auch als Privatreise buchbar (joerg.redl@raiffeisen-reisen.at). Details in Raiffeisen- und GEO-Reisebüros, Hotline: 0800 66 55 74, bestfortravel.com, eMail: info@raiffeisen-reisen.at
Buchtipp
Der DuMont-Reiseführer „Botswana“ hat ein informatives Kapitel über Tiere.
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