Zwei Frauen posieren vor den Pyramiden von Gizeh mit erhobenen Armen.

Alleine reisen als Frau: 7 Jahre – und nie einsam?

Bestseller-Autorin Waltraud Hable reist seit 7 Jahren solo um die Welt. Alleine fühlt sie sich dabei kaum – vor allem wegen der Begegnungen mit anderen Frauen unterwegs.

von Waltraud Hable

Es gibt Dinge, die kann man sich vorher nicht ausmalen. Schon gar nicht, wenn man aus einem 3.000-Einwohner-Kaff in Oberösterreich kommt, wo der Horizont mitunter recht eng ist. Aber das ist das Schöne am Reisen: Schnell führt eins zum anderen. Und so kann’s passieren, dass man plötzlich in einem knappen Glitzerkostüm vor 90.000 Zuschauern beim Karneval in Rio tanzt – und das alles nur, weil man bei einem Stopp am Zuckerhut mit einer anderen Reisenden lose „Samba-Tanzstunden“ gegoogelt hat und bereits einen Tag später in einem klitzekleinen Studio in Ipanema mehr schlecht als recht die Hüften zu schwingen beginnt.

Drei Frauen in Sportkleidung halten eine brasilianische Flagge und lächeln in einem Fitnessstudio.

In Rio macht die Autorin (links) einen Sambakurs bei Carla (Mitte). 

©Waltraud Hable

Solche Kettenreaktionen kennen viele Frauen, die das Reisefieber gepackt hat. Eine Entscheidung führt zur nächsten, man findet sich in Situationen wieder, die einem das Gefühl geben, lebendig zu sein, aber vor allem macht das Hirn so weit auf, dass man merkt, wie viele Möglichkeiten man sich bisher selbst gar nicht erlaubt hat.

Eine Frau in rotem Karnevalskostüm mit Federschmuck tanzt auf einem Wagen vor Publikum.

Kettenreaktion: Aus ein paar Samba-Stunden wird der große Auftritt vor vielen Menschen.

©Waltraud Hable

Im Mai werden es sieben Jahre, dass ich in der Welt unterwegs bin – ohne feste Wohnung, nur mit einem dreiundzwanzig Kilo schweren Koffer, alleine als Frau. „Dauerweltreisende“, sagen die Leute zu mir. Und irgendwie klingt das so, als würde ich die ganze Zeit nur Urlaub machen und mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Die Wahrheit ist vielmehr: Ich arbeite von unterwegs als Autorin und Journalistin. Reich wird man so nicht. Aber es reicht.

Ist alleine reisen nicht gefährlich?

Was ich aber eigentlich sagen will: Während ich mir vor dem Losziehen kaum vorstellen konnte, was da eigentlich auf mich wartet, hatten andere sehr klare Bilder im Kopf. Das Ganze wäre „viel zu einsam“ oder „zu gefährlich alleine als Frau“, musste ich mir oft anhören. Ich kann aus voller Überzeugung sagen: Nichts davon ist eingetreten. Ich kann das Reisen alleine als Frau nur empfehlen. Zum einen, weil man endlich in seinem eigenen Rhythmus lebt, ohne fremdgetaktet zu sein: Wann will ich schlafen gehen? Was will ich essen? Welche Dinge will ich mir wirklich ansehen?

„Das Wichtigste ist, ins Tun zu kommen und den ersten Schritt zu setzen, egal wie klein er ist.“

Rianna - Solo-Reisende

Pflaster und Gespräche

Zum anderen ist Solo-Reisen wie eine leise Form von Therapie: Wenn ich schlecht drauf bin, kann ich niemand anderem die Schuld geben. Ich bin selbst für mein Glück verantwortlich. Und die vielleicht wichtigste Botschaft: Man bleibt nicht alleine. Okay, vielleicht kommt nicht der Märchenprinz angeritten. Aber es gibt mittlerweile so viele andere Frauen, die – für ein paar Tage, Wochen oder Monate – alleine reisen. Weil sie Abenteuer suchen. Auf einem Selbstfindungstrip sind. Oder einfach mal Abstand von allem brauchen. Und manchmal habe ich das Gefühl: Wir sind alle Teil eines großen Geheimclubs, der auf Hilfsbereitschaft und Solidarität basiert. Eine Adresse, ein Pflaster, ein gutes Gespräch: Unter Frauen kommt diese Hilfe fast reflexartig, egal ob man sich fünf Minuten oder fünf Tage kennt. Wahrscheinlich, weil man unterwegs ein bisschen verwundbarer, aber auch offener ist als sonst. Nicht selten beschließt man spontan: Hey, lass uns ein Zimmer teilen. Oder diesen Ausflug machen.

Über die Autorin

Waltraud Hable ist Autorin, Journalistin und seit 2019 Weltreisende. Über  ihre Reisen hat sie zwei Bücher geschrieben: „Mein Date mit der Welt“ (2019) und „Für alles um die Welt“ (2021), beide bei Dumont  erschienen.

Frauenreise
Waltraud Hable organisiert von 13. bis 17. Mai eine Frauenreise nach Lissabon und an die portugiesische Riviera. Sightseeing, Workshops mit der Autorin zum Thema „Finde den Mut, deine Träume zu leben“ plus Community. Mehr Infos auf waltraudhable.com/portugal 

Außerdem habe ich wahnsinnig viel gelernt aus diesen Begegnungen. Ema aus Kroatien hat mir zum Beispiel gezeigt, wie man seinen Optimismus nie verliert – nur durch den Umstand, wie sie ihr Leben führt. Von Rianna aus Holland habe ich mitgenommen, dass Zerdenken nichts bringt, außer Zweifel. „Das Wichtigste ist, ins Tun zu kommen und den ersten Schritt zu setzen, egal wie klein er ist.“ Viele dieser Begegnungen haben meine Sicht auf mich selbst verändert. Und nein, niemand muss gleich sieben Jahre unterwegs sein. Aber hin und wieder gewohnte Pfade zu verlassen, schadet nicht. Da draußen wird man jedenfalls mit offenen Armen empfangen.

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