Raumfahrtforschung vom Bett aus
Der 22-Jährige Lucas Braunschmidt ist agil und gesund, trotzdem liegt er zur Zeit im Bett. Lucas kommt aus Vierkirchen in Bayern und nimmt an einer Gesundheitsstudie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrtforschung (DLR) zu den Auswirkungen der Schwerelosigkeit teil. Er weiß, dass seine Muskeln und Knochen durch die fehlende Belastung in den nächsten Wochen weiter abgebaut werden – an Waden, Oberschenkel und auch an der Hüfte – wie bei den Astronauten in der Schwerelosigkeit. Mit einem Unterschied: der Verlust setze bei den Astronauten schon nach zwei Tagen ein. Astronauten haben lange Arbeitszeiten von oft mehr als zwölf Stunden, danach müssen sie oft noch zweieinhalb Stunden gegen das Abbauen der Muskeln und Knochen antrainieren.
Seit September testen die Wissenschafter, ob ein kurzes und knackiges Training an einem Gerät für Astronauten dabei effektiver ist. Und dazu braucht es Leute wie Braunschmidt, die wochenlang liegen und so die Auswirkungen der Schwerelosigkeit im Bett erfahren. „Die Welt steht mir offen“, sagt Braunschmidt, der gerade seine Ausbildung zum Ergotherapeuten abgeschlossen hat. Trotzdem hat er sich für den zwölf Quadratmeter großen Raum im Kölner DLR-Forschungszentrum Envihab entschieden. „Sein Zimmer“ wie er sagt: Schrank, Bett, Schreibtisch, ein Fenster ohne Blick nach draußen, künstliches Licht und ein Bildschirm über dem Bett. Es gibt auch eine Sprechanlage, über die er sich per Knopfdruck mit den anderen elf Teilnehmern unterhalten kann. Bettkoller? „Nein, wir werden häufiger mal nach vorne geschoben“, sagt er. „Vorne“ das ist ein Aufenthaltsraum mit einem Fernseher.
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