Penninger will weg von der Akademie der Wissenschaften

Vor zwei Tagen wurde bekannt, dass der Vorzeigewissenschafter Josef Penninger doch nicht nach Deutschland abwandert. Bei einer Pressekonferenz erläuterte er seine Beweggründe für den Verbleib in Wien - und seine Ablösungspläne von der Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Es ist nie um meine Person gegangen, sondern generell, was bedeutet Wissenschaft für dieses Land, wo soll man Geld hingeben, wo ist es am besten angelegt.“ Das erklärte Josef Penninger, Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), am Freitag vor Journalisten zu seiner Entscheidung, in Wien zu bleiben und nicht einem Ruf nach Berlin zu folgen.
Penninger war der Chefsessel am Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin angeboten worden. Das Wissenschaftsministerium und die Stadt Wien boten daraufhin zusätzliche Millionen in den nächsten Jahren für das IMBA, um den Genetiker in Österreich zu halten.
Am Mittwoch wurde bekannt, dass Penninger in Wien bleibt. Im deutschen Forschungsministerium hieß es, die Findungskommission habe Dienstag Abend entschieden, die Sondierungen mit Penninger nicht fortzusetzen. Der Grund dafür sei, sagte Penninger nun, dass er die von der Findungskommission gesetzte Deadline am Dienstag verstreichen hat lassen, „es war ein aktiver Schritt von mir“.
Befragt, ob die öffentliche Diskussion über seinen Verbleib bzw. die damit verbundenen Bedingungen der Wissenschaft nicht schade, betonte Penninger, dass „ich nicht an die Öffentlichkeit gegangen bin, ich habe mich nie geäußert“. So etwas gehöre auch nicht an die Öffentlichkeit, er verstehe aber auch nicht die Kultur der Abwehrverhandlungen in Österreich. „Wir brauchen vielmehr eine Kultur, dass so etwas gar nicht passiert, dass sich die Leute wohl fühlen“, so Penninger, der es aber letztlich als positives Zeichen sieht, dass Wissenschaft in das Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit rückt.

Viele Angebote

Er sei im vergangenen Jahren von etlichen Headhunters kontaktiert worden. Berlin sei nur ein Angebot davon gewesen. Es wäre aber ein Job mit viel Administration, er sehe sich jedoch noch als Wissenschafter. „Zum Ende habe ich mich dazu entschieden, dass ich hier bleibe, weil ich glaube, hier können wir Wissenschaft machen“, sagte Penninger und erklärte, dass sein heuer auslaufender Vertrag als IMBA-Direktor nun auf fünf Jahre verlängert worden sei.
Der stellvertretende wissenschaftliche Direktor des IMBA, Jürgen Knoblich, sagte, „extrem froh zu sein, auf dem erfolgreichen Weg der vergangenen zehn Jahre weitermachen zu können. Wir hatten nervöse Zeiten“. Es sei gelungen, das IMBA zu einem der besten Life Science-Institute der Welt aufzubauen.
Für Penninger sind aber noch viele Schritte zu gehen, „damit wir langfristig in der Champions League spielen“. Ein solch wichtiger Schritt sind für Penninger die zugesagten 22,5 Millionen Euro, die das IMBA über fünf Jahre erhalte. „Ich hätte mir gewünscht, dass das jedes Jahr so ist, aber ich werde nicht nachgeben“, sagte der Forscher. Ein Drittel davon komme von der Stadt Wien, zwei Drittel vom Wissenschaftsministerium.
„Was mir absolut wichtig war ist, dass das neues Geld ist, das würde sonst in Tunnel, Autobahnen oder Löcher in Banken investiert werden“, sagte Penninger, der die Mittel für neue Initiativen im Bereich Stammzell- und Krebsforschung investieren möchte. Man habe damit nun „bis 2020 eine vernünftige Finanzierung, das heißt aber nicht, dass man nicht alles andere auch vernünftig finanzieren soll“.

Life Science-Zentrum

Als seine „mittelfristige Vision“ nannte er, am Vienna Biocenter (VBC) ein Life Science-Zentrum zu etablieren. „Über Details müssen wir noch diskutieren“, Penninger schwebt aber „mehr oder weniger ein ISTA (das Institute of Science and Technology Austria in Klosterneuburg, Anm.) für Wien mit der Grand Vision 'Life Sciences'“ vor.
Dazu sollte man nach seinen Vorstellungen die drei Life Science-Institute der ÖAW - neben dem IMBA das Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) und das Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) - in eine „Academy of Life Science auslagern“, also „operativ und budgetär“ von der ÖAW trennen. „Ich möchte mich nicht streiten um das selbe Geld mit Wissenschaftern, die Iranistik oder Geschichte machen“, so Penninger zur dezeitigen Organisation des IMBA als GmbH der Akademie.
Eine einmalige Gelegenheit sieht Penninger darin, dass das private, vom Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim finanzierte Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) derzeit einen Neubau am VBC errichte. Dadurch werde ein Forschungsgebäude frei, „um den nächsten Schritt gehen zu können“. Er hofft, dass diese organisatorischen Änderungen „so schnell wie möglich“ erfolgen können. Wer Träger der Einrichtung werde, könne man noch diskutieren.

ÖAW-Präsident Zeilinger ließ postwendend wissen, dass die von Penninger vorgeschlagene Herauslösung der drei Life-Science-Institute der ÖAW aus der Akademie „überhaupt nicht in Frage kommt, das ist kein Diskussionspunkt“. Was man diskutieren könne und solle, sei eine bessere Koordination der Life-Science-Strategie in Österreich, unter Einbeziehung aller Player. Dazu würden etwa die Uni Wien und die Medizin-Uni Wien, aber auch die neugegründete Medizin-Fakultät in Linz sowie die Unis in Graz zählen. „Man sollte sich zuerst überlegen, wo Synergien sind, wo man durch neue Investitionen etwas Gemeinsames schaffen kann, und erst dann nachdenken, welche Struktur man möchte“, sagte Zeilinger. „Diese Entscheidung wird noch zu treffen sein, und es ist eine Entscheidung, die alleine Sache der ÖAW ist“, sagte Zeilinger. Die Rolle Penningers als Wissenschafter stehe aber außer Frage.
Über die von Wissenschaftsministerium und Stadt Wien zugesagten 22,5 Millionen Euro kann Zeilinger nichts sagen, es sei hier nicht über die ÖAW verhandelt worden. „Ich nehme aber schon an, dass die Politik ihre guten Gründe hat, das Geld in diesen Bereich zu geben und nicht für andere wichtige Bedürfnisse der Wissenschaft.“

Und Zeilinger weiter: Eine Entscheidung über die Verlängerung des Vertrags von Penninger als Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) sei noch nicht gefallen. „Diese Entscheidung wird noch zu treffen sein, und es ist eine Entscheidung, die alleine Sache der ÖAW ist“, sagte Zeilinger. Die Rolle Penningers als Wissenschafter stehe aber außer Frage.

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