Wer, bitte, ist N. furzeri?
Seien wir einmal ehrlich: Wenn Universitäten melden, das Genom dieses Bakteriums und jenes Fadenwurms sei entschlüsselt, lockt das - sorry liebe Forscher - keinen hinter dem Ofen hervor. Wenn die Aussendung aber den Titel Express-Altern und Zeitmaschine: Genom des Nothobranchius furzeri entziffert trägt, verhält sich das plötzlich ganz anders und wirft zwei drängende Fragen auf:
Wer oder was ist Nothobranchius furzeri?
Und:
Was haben sich die Namensgeber gedacht?
Zur ersten: Der Türkise Prachtgrundkärpfling (Nothobranchius furzeri) ist das kurzlebigste Wirbeltier, das unter Laborbedingungen gehalten werden kann. Er wächst sehr schnell und altert wie im Zeitraffer, lassen die Forscher des Leibniz-Instituts für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena wissen. Sie waren es, die das Genom des Fisches entziffert haben – "ein Meilenstein für die Etablierung von N. furzeri als neues Modellsystem in der Alternsforschung".
Zur zweiten: Der Name geht auf den Entdecker des Fisches zurück, einen Herrn Richard E. Furzer aus Rhodesia.
Ein Fisch als Forschungsobjekt
Und weil sich der gute N. furzeri nun schon in unser Leben geschlichen hat, lohnt es doch, sich mit ihm als Forschungsobjekt zu befassen, liefert der bunt schillernde Aquarium-Bewohner doch auch für den Menschen wichtige Einblicke in die biologischen Alternsprozesse: Der Türkise Prachtgrundkärpfling lebt selbst unter optimalen Haltungsbedingungen nur vier bis zwölf Monate, in vier bis sechs Wochen wird er geschlechtsreif und altert in rasender Geschwindigkeit. Als Wirbeltier laufen beim Prachtgrundkärpfling grundlegende Alternsprozesse ähnlich ab wie beim Menschen. Durch den Vergleich des Alternsprozesses von Gehirn-, Leber- und Hautzellen junger und alter Fische konnten die Forscher des FLI zeigen, dass Gene, die beim N. furzeri für das Altern eine Rolle spielen, auf den Chromosomen nicht zufällig verteilt, sondern in bestimmten Regionen gebündelt sind. „Diese Alterns-Hotspots legen den Schluss nahe, dass die Gene in diesen Arealen – vor allem ihr An- und Abschalten – miteinander gekoppelt sind“, erklärt Alessandro Cellerino, der als Neurobiologe an der Scuola Normale Superiore in Pisa und Fellow am FLI einer der ersten war, der vor zwölf Jahren den N. furzeri als Modellorganismus vorgeschlagen hat. „Aus dem Wissen, wie alternsassoziierte Gene organisiert sind und wie sie (de-)aktiviert werden, können wir neue Erkenntnisse zum Ablauf des Alterns ableiten, die möglicherweise auch beim Menschen ein wichtiger Schlüssel zur gezielten Steuerung dieser Prozesse sind”, so Cellerino weiter.
Genom-Entzifferung als Meilenstein
Die Entzifferung des N. furzeri-Genoms ist auch für die Human-Alternsforschung ein Meilenstein – denn fast alle Gene des kleinen Fisches finden sich ebenfalls beim Menschen. Alternsforscher können nun weltweit auf der Basis des als Datensatz frei verfügbaren Genoms z.B. gezielt Mutationen setzen und so den Einfluss einzelner Gene auf das Altern untersuchen. So können die genetischen Einflüsse auf den Alternsprozess in den kommenden Jahren besser verstanden werden und zur Entwicklung von Präventions- oder Therapieansätzen alternsbedingter Krankheiten beitragen.
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