N. furzeri-Männchen (19 Wochen / 4 Monate, 11 Tage) und -Weibchen (7 Wochen, 3 Tage / 1 Monat, 21 Tage)

© Nadine Grimm

Wissenschaft
12/03/2015

Wer, bitte, ist N. furzeri?

Und wer hat sich diesen Namen einfallen lassen?

Seien wir einmal ehrlich: Wenn Universit√§ten melden, das Genom dieses Bakteriums und jenes Fadenwurms sei entschl√ľsselt, lockt das - sorry liebe Forscher - keinen hinter dem Ofen hervor. Wenn die Aussendung aber den Titel Express-Altern und Zeitmaschine: Genom des Nothobranchius furzeri entziffert tr√§gt, verh√§lt sich das pl√∂tzlich ganz anders und wirft zwei dr√§ngende Fragen auf:

Wer oder was ist Nothobranchius furzeri?

Und:

Was haben sich die Namensgeber gedacht?

Zur ersten: Der T√ľrkise Prachtgrundk√§rpfling (Nothobranchius furzeri) ist das kurzlebigste Wirbeltier, das unter Laborbedingungen gehalten werden kann. Er w√§chst sehr schnell und altert wie im Zeitraffer, lassen die Forscher des Leibniz-Instituts f√ľr Alternsforschung ‚Äď Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena wissen. Sie waren es, die das Genom des Fisches entziffert haben ‚Äď "ein Meilenstein f√ľr die Etablierung von N. furzeri als neues Modellsystem in der Alternsforschung".

Zur zweiten: Der Name geht auf den Entdecker des Fisches zur√ľck, einen Herrn Richard E. Furzer aus Rhodesia.

Ein Fisch als Forschungsobjekt

Und weil sich der gute N. furzeri nun schon in unser Leben geschlichen hat, lohnt es doch, sich mit ihm als Forschungsobjekt zu befassen, liefert der bunt schillernde Aquarium-Bewohner doch auch f√ľr den Menschen wichtige Einblicke in die biologischen Alternsprozesse: Der T√ľrkise Prachtgrundk√§rpfling lebt selbst unter optimalen Haltungsbedingungen nur vier bis zw√∂lf Monate, in vier bis sechs Wochen wird er geschlechtsreif und altert in rasender Geschwindigkeit. Als Wirbeltier laufen beim Prachtgrundk√§rpfling grundlegende Alternsprozesse √§hnlich ab wie beim Menschen. Durch den Vergleich des Alternsprozesses von Gehirn-, Leber- und Hautzellen junger und alter Fische konnten die Forscher des FLI zeigen, dass Gene, die beim N. furzeri f√ľr das Altern eine Rolle spielen, auf den Chromosomen nicht zuf√§llig verteilt, sondern in bestimmten Regionen geb√ľndelt sind. ‚ÄěDiese Alterns-Hotspots legen den Schluss nahe, dass die Gene in diesen Arealen ‚Äď vor allem ihr An- und Abschalten ‚Äď miteinander gekoppelt sind‚Äú, erkl√§rt Alessandro Cellerino, der als Neurobiologe an der Scuola Normale Superiore in Pisa und Fellow am FLI einer der ersten war, der vor zw√∂lf Jahren den N. furzeri als Modellorganismus vorgeschlagen hat. ‚ÄěAus dem Wissen, wie alternsassoziierte Gene organisiert sind und wie sie (de-)aktiviert werden, k√∂nnen wir neue Erkenntnisse zum Ablauf des Alterns ableiten, die m√∂glicherweise auch beim Menschen ein wichtiger Schl√ľssel zur gezielten Steuerung dieser Prozesse sind‚ÄĚ, so Cellerino weiter.

Genom-Entzifferung als Meilenstein

Die Entzifferung des N. furzeri-Genoms ist auch f√ľr die Human-Alternsforschung ein Meilenstein ‚Äď denn fast alle Gene des kleinen Fisches finden sich ebenfalls beim Menschen. Alternsforscher k√∂nnen nun weltweit auf der Basis des als Datensatz frei verf√ľgbaren Genoms z.B. gezielt Mutationen setzen und so den Einfluss einzelner Gene auf das Altern untersuchen. So k√∂nnen die genetischen Einfl√ľsse auf den Alternsprozess in den kommenden Jahren besser verstanden werden und zur Entwicklung von Pr√§ventions- oder Therapieans√§tzen alternsbedingter Krankheiten beitragen.

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