Nikotin-ähnliche Wirkung: Bienen fliegen auf Insektizide

Mittel können Wachstum und Vermehrung von Wildbienen und Hummeln beeinträchtigen.
Eine Biene sammelt Pollen auf einer gelben Blüte.

Bienen fliegen auf bestimmte Pflanzenschutzmittel: Statt die mit Neonicotinoiden behandelten Pflanzen zu meiden, steuern sie diese bevorzugt an. Beim Sammeln von Nektar und Pollen könnten die Insekten deshalb mehr von den Schadstoffen aufnehmen als bisher angenommen, schreiben Forscher aus Großbritannien und Irland im Fachblatt "Nature". Hummeln und Wildbienen reagieren unterschiedlich.

Labortest

Sebastien Kessler und sein Team von der Newcastle University in Großbritannien boten Hummeln und Honigbienen eine reine Zuckerlösung und eine mit Neonicotinoiden versetzte als Nahrung an. Die Wirkstoff-Konzentration lag dabei in Höhe der im Freiland in Nektar und Pollen zu findenden.

Die Insekten mieden die Wirkstoffe in den Versuchen nicht, fanden die Forscher. Im Gegenteil: Zwei der drei in den Zuckerlösungen eingesetzten Neonicotinoide waren offenbar besonders attraktiv für die Bienen. Sie naschten davon lieber als von der puren Zuckerlösung. In einer ergänzenden Analyse zeigten die Forscher, dass die Bienen die Neonicotinoide nicht schmecken können, die Bevorzugung also eine andere Ursache haben muss.

"Neonicotinoide steuern im Nervensystem von Bienen die gleichen Mechanismen an wie Nikotin im Gehirn von Menschen", erläuterte Geraldine Wright: "Die Tatsache, dass die Bienen eine Vorliebe für Neonicotinoid-belastete Nahrung haben, ist besorgniserregend, weil es vermuten lässt, dass die Neonicotinoide ähnlich wie Nikotin als Droge wirken und solche Nahrung besonders belohnend wirkt.

Freiland

In der zweiten Studie gingen Forscher um Maj Rundlöf von der Lund University in Schweden der Frage nach, ob die hauptsächlich in Laborstudien festgestellte Gefährdung der Bienen auch im Freiland nachzuweisen ist. In Südschweden legten sie insgesamt 16 Versuchsflächen an. Auf acht wurden Raps ausgesät, dessen Samen mit einem Neonicotinoid-haltigen Insektizid und einem Fungizid behandelt worden waren. Auf den anderen acht wurde nur das Fungizid eingesetzt.

Einige Ergebnisse: Dort, wo das Insektizid verwendet wurde, wuchsen und vermehrten sich Hummeln und Wildbienen schlechter. Weibchen der Roten Mauerbiene (Osmia bicornis), die in Nestern neben Insektizid-belasteten Feldern herangewachsen waren, legten keine neuen Brutzellen an. Honigbienen-Kolonien gediehen hingegen an den belasteten Feldern genauso gut wie an den unbelasteten. Möglicherweise könnten sie die toxische Substanz besser entgiften, schreiben die Wissenschaftler. Über mögliche Langzeitfolgen sage das jedoch nichts aus.

Die Forscher folgern, dass es nicht ausreicht, um Felder herum einen Streifen mit Futteralternativen für die Bienen zu pflanzen. Die Einschränkung der Neonicotinoid-Verwendung sei womöglich der einzige Weg, den Rückgang der Bestäuber-Populationen aufzuhalten. Risiken und Nutzen dieser Insektizide müssten genau abgewogen und Alternativen sorgfältig geprüft werden, heißt es in einem Kommentar zu den Ergebnissen.

Eine Infografik über die Gefährdung von Bienen in Österreich, einschließlich Ursachen und Verlustzahlen.
Zahl der Imker und Bienenvölker, Bienenverluste; Illustrierte Factbox zu Bienen Grafik 0428-14-Umwelt.ai, Format 88 x 106 mm

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