Neue Datenbank für Pflanzen auf Wanderschaft
Vom Winde verweht, von Vögeln verschleppt, vom Menschen bewusst oder unabsichtlich mit auf Reisen genommen. Auch Pflanzen gehen auf Wanderschaft: Annähernd vier Prozent aller Pflanzenarten weltweit waren früher einmal nicht dort heimisch, wo sie jetzt wachsen. Forscher bezifferten vor kurzem die Gesamtzahl an sogenannten Neophyten mit 13.168. Das sind mehr Arten als in ganz Europa heimisch sind. In Österreich zählt man ungefähr 3000 Pflanzenarten, 300 davon wurden eingeschleppt.
Datenbank
Vor 1492 – also vor der Entdeckung Amerikas und dem Beginn der Neuzeit – wurden zwar auch Pflanzen verschleppt, allerdings in weit geringerem Ausmaß. Davor wanderten Arten eher von einer Region in eine Benachbarte, das passierte in der Regel relativ langsam, und die Veränderungen waren geringer. Vor 1492 eingeschleppte Arten zählten die Forscher in ihrer aktuellen Arbeit daher nicht mit. Ab dem Jahr 1800 sei jedenfalls eine Beschleunigung des Phänomens zu beobachten, die mit der Globalisierung in den vergangenen Jahrzehnten ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat.
13.000 Arten
Dass die nun identifizierten Neophyten mehr als 13.000 Arten, oder einen weltweiten Anteil von 3,9 Prozent aller bekannten Pflanzenarten über alle untersuchten Regionen hinweg, ausmachten, überraschte die Forscher. „Einiges hat man zwar schon geahnt, man konnte es aber bisher nicht anhand von Daten zeigen“, erläutert Essl. Das Ausmaß werde deutlicher, wenn man bedenkt, dass es in Europa insgesamt ungefähr 12.000 Pflanzenarten gibt.
„Was man auch schön sieht, ist, dass Europa ein Pflanzenarten-Exporteur ist. Die biologische Globalisierung ist auch eine Folge der tatsächlichen Globalisierung und früher noch der Kolonialisierung. Dieses Muster sieht man heute noch“, hätt Essl fest.
Inseln mit Nischen
Als „Hotspots“ für eingeschleppte Arten erwiesen sich vor allem Inseln. Das hat mehrere Gründe: Inselfloren sind isolierter und dadurch auch arten-ärmer, was Einwanderern mehr biologische Nischen zur Entfaltung lässt. „Die Isolation von Inseln hat der Mensch aufgehoben. Man schätzt beispielsweise, dass auf Hawaii alle zwei Wochen eine neue Pflanzen- oder Tierart eingeschleppt wird“, sagte Essl.
Aber auch in klimatisch gemäßigten Zonen auf der Südhalbkugel, also etwa in Südafrika, im Süden Südamerikas, in Australien oder Neuseeland, haben dank des Menschen viele oft robustere Pflanzen aus der nördlichen Hemisphäre nachhaltig Wurzeln geschlagen. Ein eindrückliches Beispiel sind Nadelbäume, wie Kiefern, Fichten oder Tannen, die dort teilweise „massive Probleme“ verursachen.
Zuzug
Quarantäne
Derart erfolgreiche Arten wieder wegzubekommen sei in vielen Fällen unmöglich, betont der Experte. Man müsse sich viel mehr Gedanken darüber machen, wie sich neue Arten ansiedeln und wie dieser Prozess eingedämmt werden kann – vor allem in sensiblen Regionen, die stark unter solchen Arten leiden. In Neuseeland habe sich etwa gezeigt, dass umfassende gesetzliche Quarantänemaßnahmen Neueinschleppungen in engeren Grenzen halten können.
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