Das Vermächtnis einer Mode-Legende: Valentino ist tot
Es war eine Inspiration, die er plötzlich bei einem Opernbesuch in Barcelona hatte: Valentino Garavani war von einer Dame im tiefroten Samtkleid so beeindruckt, dass er diesen Farbton zu seiner Markenfarbe auserkor – das legendäre Valentino-Rot, ein satter Rosso Corsa-Ton, wurde zum Inbegriff italienischer Sinnlichkeit.
Schauspielerin Gwyneth Paltrow, hier 2009, zählte ebenso zu seinen Stammkundinnen
1960 in Rom gegründet
Als der junge Italiener in den späten 1950er-Jahren in Paris die ersten Kleider bei Jean Dessès und Guy Laroche nähte, ahnte kaum jemand, dass aus dem Jungen aus der italienischen Kleinstadt Voghera eine der größten Mode-Instanzen des 20. Jahrhunderts werden würde. Zuletzt sprach man von ihm als dem „letzten Kaiser“ der Couture.
Valentino Clemente Ludovico Garavani – allein durch seinen Vornamen weltbekannt – ist im Alter von 93 Jahren in seiner Villa in Rom gestorben. Umgeben von seinen Liebsten.
Schon 2008 gab er das Zepter als Designchef ab. Zu seinem Abschied sagte er der Zeitung La Stampa damals: „Die Mode, ich wiederhole es, ist verdorben“. Er wolle nun gärtnern und Rosen züchten, erklärte er mit Augenzwinkern. Der Mode „fehlt die Herausforderung, die Kreativität, die Fröhlichkeit.“
Jackie Onassis galt als enge Freundin, dieses Foto stammt aus dem Jahr 1970
Dennoch blieb das Modehaus Valentino, das er 1960 in Rom gegründet hatte, eines der wenigen Luxuslabels, das weltweit seit fünf Jahrzehnten bekannt sind. Nicht zuletzt weil Pierpaolo Piccioli als Kreativdirektor die Marke von 2008 bis 2024 erfolgreich weiter führte und neben dem Rot auch noch das Valentino-Pink zum Kult verhalf. Der Kaiser selbst saß oft in der ersten Reihe und ließ sich auf Mode-Events blicken. Er gehörte zum Who is who der Szene.
Erfahrung mit dem Showbiz hatte er seit Jahren, der Durchbruch des schicken Italieners kam schnell: Jacqueline Kennedy trug die Kreationen des jungen Designers und verhalf ihm prompt zu internationaler Bekanntheit. Sechs Kleider ließ sie sich nach dem Attentat auf J. F. Kennedy schneidern. Auch das Hochzeitskleid kam von Valentino als sie Aristoteles Onassis 1968 ehelichte. Seine Abendroben wurden zum Synonym für Glamour: von Elizabeth Taylor über Audrey Hepburn bis Julia Roberts – die Kleider definierten Hollywood-Eleganz ab den späten Sechzigerjahren.
Aus den 1980ern: Auch Elizabeth Taylor hatte eine lange Freundschaft mit Valentino
Die Marke Valentino SpA ist heute ein Luxuskonzern mit hunderten Boutiquen weltweit. Das ist auch Giancarlo Giammetti zu verdanken. Valentinos Geschäftspartner und große Liebe. Die beiden lebten offen homosexuell, zu einer Zeit, in der das in der internationalen High Society keineswegs selbstverständlich war. Das Duo war finanziell höchst erfolgreich, auch wenn es später einen neuen Mann im Leben der Modelegende gab. Mit Bruce Hoeksema, einem früheren US-Marineoffizier, lebte er in seinen Domizilen in Rom, London oder Paris.
Sophia Loren und der Modeschöpfer im Jahr 1992, sie trug regelmäßig seine Roben
Schwierige neue Ära
Auf 1,5 Milliarden Euro wird Valentinos Vermögen geschätzt. 2023 wurde mit der Marke ein Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro erzielt – dank Ready-to-Wear-Linien, Parfums und Accessoires. Doch auch wirtschaftlich war das Haus nicht ohne Herausforderungen: Die Umsätze sanken laut Vogue um etwa drei Prozent, während Kosmetiksparten immerhin mit Zuwächsen glänzten.
Wie es mit der Mode weitergeht, wird man sehen. Nach Piccolis Abgang ist erstmals eine Frau als kreativer Mastermind am Zug. Die Britin Sarah Burton lieferte eine solide Kollektion für Valentino, die große Sensation blieb bislang aus. Sie sollte sich wohl an das Motto des Kaisers der Couture halten, der meinte: „Eleganz ist das Gleichgewicht zwischen Proportion, Emotion und Überraschung.“
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