Mit Premium-Primeln in den Frühling

Zehn Gärtnereien stellen auf Nachhaltigkeitsstandards um.
Verschiedenfarbige Primeln in Töpfen stehen zum Verkauf bereit.

Von Fingerhut über Lavendel bis Rittersporn: Erwin Plettig hat sich mit seinem Gärtnereibetrieb, zu dem auch fünf Blumengeschäfte in der Steiermark gehören, auf winterfeste Stauden spezialisiert. Und auf den zertifizierten nachhaltigen Anbau mit dem Label Gute Idee.

Dabei geht es um mehr als die Reduktion chemischer Spritzmittel oder chemisch-synthetischer Dünger. Im Kriterienkatalog stehen unter anderem Punkte wie Regenwassersammlung, Wasserwiederverwendung und sogar das Verbot tropischer und subtropischer Hölzer als Stützmaterial.

Nicht alle Kriterien – die gemeinsam mit FiBL, dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau, entwickelt wurden – müssen sofort zu hundert Prozent erfüllt werden. Es gibt auch Kann-Bestimmungen, was Betrieben den Einstieg ins Programm erleichtert. Der Gärtnereibetrieb von Plettig beschäftigt knapp 50 Mitarbeiter, die meisten davon das ganze Jahr über. Laut den Standards sollen Betriebe zumindest 70 Prozent des Jahresumsatzes mit fest angestellten Mitarbeitern machen und damit ein verlässlicher Arbeitgeber in der Region sein.
Um Grundwasser zu sparen, fängt Plettig auf einer Fläche von 7000 Quadratmetern Regenwasser auf. Zur Dokumentation der Wasserersparnis hat er extra Wasseruhren gekauft, mit denen er das Verhältnis des Einsatzes von Grund- und Regenwasser misst. Über diesen Mehraufwand darf sich der Unternehmer nicht beschweren – schließlich hat er die Standards mitentwickelt. So wie alle zehn Betriebe, die österreichweit bereits im Rahmen dieses Nachhaltigkeitsprogramms unter dem Label Gute Idee produzieren.
Initiator dieses Programms ist die österreichische Gartencenter-Kette bellaflora. "Wir wollten nicht vom Schreibtisch aus Kriterien diktieren, ohne zu wissen, wie sie in der Praxis umsetzbar sind", erklärt Isabella Hollerer, Nachhaltigkeitsbeauftrage des Unternehmens. Welche Punkte in der Praxis eine Herausforderung sind, ist von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich.

Einige Lavendelzweige liegen auf einer weißen Oberfläche.
a pile of lavender flowers on a white background

Aus Sicht von Plettig ist es die Reduktion von Torf, dessen Gewinnung bekanntlich zur Zerstörung der Moore beiträgt, weshalb Umweltschützer zum Torfverzicht aufrufen. In vielen Gartenerden ist er aber nach wie vor enthalten, sogar in Bio-Erden. Selbst für Plettig ist es nicht einfach, ihn zu eliminieren: "Wir haben viel Freilandkultur. Die Frage ist immer, wie sich Ersatzstoffe – beispielsweise Kokosfasern oder Holz – bei größeren Regenmengen verhalten." Dazu kommt, dass das torfreduzierte Substrat verhältnismäßig teuer ist. Dennoch will Plettig den Torfeinsatz in seinem Betrieb bis 2018 um 50 Prozent nach unten schrauben. Auch, weil bellaflora als Initiator und Abnehmer den Mehraufwand honoriert, beziehungsweise für die nachhaltig produzierten Pflanzen einen höheren Preis bezahlt.

bellaflora, der Familienbetrieb mit Firmensitz im oberösterreichischen Leonding, nimmt in den letzten Jahren mit der schrittweisen Ökologisierung seiner Angebotspalette eine Vorreiterrolle ein - und hat damit ein Umsatzplus von 20 Prozent geschafft. Zunächst wurden alle Pestizide ausgelistet, dann die chemisch-synthetischen Dünger aus den Regalen verbannt. 2014 nahm man das Torfproblem in Angriff. Jetzt sind bereits alle Bio-Erden torffrei, bei den anderen wird der Torfanteil laufend reduziert.

Heuer stehen erstmals nachhaltig produzierte Zierpflanzen im Programm. Da das Unternehmen nicht selbst Pflanzen kultiviert, sondern nur Händler ist, mussten Lieferanten für diese Idee gewonnen werden. Mit dem bellaflora Standard will man heimische Produzenten bei der Umstellung unterstützen und dadurch den Prozess beschleunigen. "Ein Zertifikat für Biopflanzen, das es schon gibt, wäre uns dafür zu wenig gewesen", sagt Hollerer, "Unser Standard umfasst, und das ist neu, den ganzen Betrieb, inklusive der sozialen Verantwortung, den Produktionsbedingungen und dem wirtschaftliche Erfolg".

Zum Saisonstart 2016 soll bereits jede fünfte verkaufte Pflanze unter dem Nachhaltigkeitssiegel gezogen worden sein. Bei Stauden liegt der Anteil schon bei 77 Prozent.

- von Simone Hoepke

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