Leben
05.12.2011

Milliardenschäden durch Hacker

Cyberangriffe sorgen bei Opfern für hohe finanzielle Verluste - doch Hacker ist nicht gleich Hacker.

Die einen bejubeln ihre Aktionen, die anderen fürchten ihre Attacken: Nach Cyberangriffen auf Parteien wie die FPÖ, Firmen wie Sony oder staatliche Behörden wie das FBI rücken anonyme Hacker immer mehr ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Egal, ob es bei den Angriffen um Macht, Geld oder Politik geht - die Schäden für die Attackierten sind oft beträchtlich und gehen mitunter in die Millionen.

Finanzieller und Image-Schaden

Christian Hinterwallner, Aktienanalyst bei der Raiffeisenbank International beziffert den Schaden, den alleine Sony durch die Hackerangriffe im April davongetragen hat, auf rund 126 Millionen Euro. "Daneben gibt es natürlich einen Imageschaden, der schwerer zu messen ist", so Hinterwallner im Gespräch mit dem KURIER. Er glaubt, dass viele Vorfälle gar nicht an die Öffentlichkeit geraten: "Es existiert ein gewisses Potenzial an Hackern, die Sicherheitslücken bei Unternehmen finden und dann ohne großes Aufsehen zu Geld machen."

Experten vom österreichischen Forschungsinstitut "Austrian Institute of Technology" (AIT) gehen von einem weltweiten Schaden von rund 750 Milliarden Euro jährlich durch Hacker-Angriffe aus.

Proteste im Internet

Abseits von typischen Internetkriminellen, die finanzielle Motive in den Vordergrund stellen, existieren auch Menschen, die technische Möglichkeiten für politischen Aktivismus nutzen. Die jüngsten Angriffe in Österreich wurden alle unter dem Siegel des losen Kollektivs "Anonymous" ausgeführt. Die Mitglieder verüben die Attacken, um politische Botschaften zu setzen.

Besonders die Kontroverse um die Aufdeckerplattform "WikiLeaks" und die Verhaftung ihres Gründers Julian Assange hat eine ganze Generation an Hackern dazu motiviert, ihre Fähigkeiten für politische Statements zu nutzen. In Österreich hat der "Cyber-Aktivismus" mit den Attacken auf Parteiwebseiten massiv zugenommen.

Sicherheitsexperte Christian Platzer von der Technischen Universität Wien glaubt nicht, dass zusätzliche Überwachungsmaßnahmen derartige Angriffe eindämmen können. Der Fehler liegt oftmals beim System und den Administratoren. "Eine Webseite zu hacken, ist definitiv nicht trivial - eine Webseite gegen gezielte Angriffe zu schützen, ist aber ungleich schwerer."

Ursprung in Funkgeräten

Neben einem Kriminellen oder einem politischen Aktivisten kann ein Hacker noch viel mehr sein. Ursprünglich galt ein Hacker als eine Person, die Spaß daran hat, die Grenzen der Technik auszuloten. Der Begriff stammt aus den 1950er-Jahren, wo Funk-Amateure das Verbessern ihrer Funkgeräte als "hacken" bezeichneten. Auch heute existiert eine ganze Generation von Hackern, die keinerlei illegale Aktivitäten im Schilde führen.

Die größte europäische Hackervereinigung " Chaos Computer Club" zählt in Deutschland mehr als 3000 Mitglieder und meldet sich regelmäßig zu Themen wie Datenschutz oder Informationsfreiheit zu Wort. Dabei werden oft Sicherheitslücken aufgedeckt. Diese nutzt man nicht aus, sondern werden an die betroffenen Stellen weitergeleitet.

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