Maturanoten: "Weniger Fleck, weniger Einser"

Mehrere Broschüren zur Zentralmatura 2015 liegen übereinander.
Heute, Mittwoch wurde verkündet, wie viele Schüler die Reifeprüfung geschafft haben.

Wie gut die Schüler bei der ersten österreichische Zentralmatura abgeschnitten haben, hat Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Mittwoch bekanntgeben. Die Ergebnisse enthalten eine Aufstellung über positive bzw. negative Noten nach Geschlecht und Bundesland für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch. Darin noch nicht aufgelistet sind die konkreten Noten sowie die Ergebnisse der erst am 1. und 2. Juni stattfindenden Kompensationsprüfungen, mit denen Fünfer ausgebessert werden können. Die endgültigen Ergebnisse der schriftlichen Reifeprüfung werden daher erst nach diesen Prüfungen feststehen und bekannt gegeben.

Genaue Vergleichswerte zu den Vorjahren gibt es dabei nicht: Bisher wurden die schriftlichen Matura-Resultate aufgrund der unterschiedlichen Reifeprüfungen nicht zentral erfasst.

Problemfall BORG

Bereits durchgesickert ist, dass es wohl weniger Fleck, aber auch weniger „Sehr Gut“ gegeben hat. Zudem habe es in den Oberstufenrealgymnasien (BORG) tendenziell mehr „Nicht Genügend“ gegeben als in den AHS, was Bildungswissenschaftler wie Stefan Hopmann wenig verwundert: „So etwas kommt heraus, wenn man alle Schüler über einen Leisten schlägt.“ Heißt: „Alle Schüler schreiben die gleiche Matura – unabhängig davon, welchen Schwerpunkt die Schulen haben.“ Und Mathematik ist an den wenigsten BORG Schwerpunkt. Oder es wird auch auf anderes Wert gelegt. Hopmann weist auch auf den Umstand hin, dass es „keine eindeutige Mathematik-Kompetenz gibt. Jeder Test repräsentiert einen bestimmten Modus, Mathematik zu verstehen.“ Und da passen die Bifie-Vorgaben eher zu den in den AHS gestellten Aufgaben als zu der in den BORG unterrichteten Mathematik.

Nicht besorgniserregend

Allzu dramatisch sind die Maturaarbeiten aber auch an diesen Oberstufenschulen nicht ausgefallen, wie eine Wiener Direktorin berichtet: „In meiner Schule ist die Mathematik-Matura etwas schlechter ausgefallen als im Vorjahr, aber nicht außergewöhnlich schlecht.“

Für sie sind BORG-Absolventen klar im Nachteil: „Man kann nicht erwarten, dass Kinder, die von der 1. AHS an im Gymnasium waren, und solche, die aus welchem Grund auch immer einen anderen Weg gegangen sind, dieselben Ergebnisse erzielen.“

Ein Knackpunkt könnte der Mathematik-Unterricht in den Hauptschulen und Neuen Mittelschulen sein. Ein Direktor einer Wiener HAK, in die sehr viele Hauptschüler wechseln, berichtet: „Während die Englisch- und Deutschkenntnisse dieser Schüler immer besser werden, werden sie in Mathematik immer schlechter.“ Das habe in der Praxis oft kuriose Auswirkungen: „Schüler aus der Hauptschule fragen bei den ersten Mathe-Schularbeiten häufig, wann sie denn den Test erhalten, um ihn proben zu können.“ Im Klartext heißt das, dass die Schüler nur die Aufgaben und die Lösungen auswendig lernen.

Hopmann warnt allerdings davor, aus den Maturaergebnissen den Schluss zu ziehen, dass die BORG die schlechteren Schulen wären: „Solche kausalen Zusammenhänge sind wissenschaftlich unseriös. Das müsste eigens untersucht werden.“

Dass die Ergebnisse nicht sofort Schlüsse auf die Qualität des Unterrichts zulassen, glaubt auch die BORG-Direktorin nicht: „Man kann erst nach zwei oder drei Maturaklassen sagen, ob ein Lehrer deutlich schlechtere Ergebnisse erzielt, nicht bei einem einzigen Mal. Und das dauert Jahre.“

Sie beobachtet allerdings bereits in der Vorbereitung auf die Matura eine Verbesserung: „Die Lehrer arbeiten enger im Fachbereich zusammen und tauschen Aufgaben aus. Sonst sind Lehrer eher Einzelkämpfer, aber es muss ja nicht jeder das Rad neu erfinden. Sie haben gemerkt, dass die Zusammenarbeit auch ein Qualitätsmerkmal wird“, sieht sie einen positiven Nebeneffekt der Zentralmatura.

Kommentare