Leben
12.12.2017

Können Sie dieses Gif hören?

Die Animation eines hüpfenden Strommasts, der beim Anschauen zu hören ist, verbreitet sich derzeit im Internet.

Gifs, wie kurze Bildanimationen die im Internet sehr beliebt sind, heißen, sind in der Regel stumm. Nun verbreitet sich eine Animation von drei Strommasten, die miteinander Seilspringen spielen, das beim Anschauen hörbar ist. Jedes Mal, wenn der in der Mitte stehende und auf und ab hüpfende Mast am Boden aufkommt, während die anderen beiden sich gegenüberstehenden Masten ihre Leistungsseile schwingen, ist eine grafische Erschütterung der Umgebung zu sehen. Diese ist jedoch nicht nur visuell, sondern für viele Menschen auch als dumpfes Vibrieren oder Wummern hörbar.

Die schottische Wissenschafterin Lisa Debruine, die an der Universität Glasgow zum Thema kognitive Gesichtserkennung forscht, war von dem Phänomen derart fasziniert, dass sie auf Twitter eine Umfrage dazu startete und wissen wollte, wer von den Nutzern das Gif hören kann. Außerdem stellte sie die Frage, ob irgendjemand aus dem Bereich der visuellen Wahrnehmung weiß, warum man das Gif hören kann. Es ist eigentlich bereits seit 2008 im Umlauf und stammt von dem britischen Animationskünstler HappyToast.

Unterschiedliche Erklärungsversuche

Derzeit kursieren unterschiedliche Erklärungsversuche, woher der Geräusch-Effekt kommt. Manche gehen davon aus, dass es sich um eine Art Synästhesie handelt, wie die Verbindung von eigentlich unvereinbaren Sinneswahrnehmungen genannt wird, oder, dass das Gehirn die sichtbare Erschütterung mit den fehlenden Informationen, also dem Geräusch, mit vorherigen Erfahrungen ergänzt.

Der Wissenschafts-Blog I Fucking Love Science verweist auf den McGurk-Effekt, eine Theorie aus den 70er-Jahren von dem Entwicklungspsychologen Harry McGurk. Dieser spielte Probanden damals ein Video vor, in dem jemand die Silbe "ga ga" sagt. Wird die Tonspur zu "ba ba" geändert, hören die Testpersonen plötzlich "da da", weil die Bewegungen des Mundes besser dazu passen. Die optischen Reize beeinflussen demnach unser Gehirn, es handelt sich um eine "opto-akustische Täuschung".