Vollbesetztes Forum im Zoom Kindermuseum bei Aleida Assmanns Kindervorlesung über Regeln des Umgangs miteinander

© Heinz Wagner

Kindervorlesung
02/19/2017

Wenn dem Teddy ein Arm fehlt

Kindervorlesung: Kulturwissenschafterin sprach mit Kindern über den Umgang von Menschen miteinander.

von Heinz Wagner

Was könnte es brauchen, um halbwegs friedlich miteinander auszukommen – gleich zu Beginn ihrer Kindervorlesung stellte die Kulturwissenschafterin Aleida Assmann den Jüngststudierenden im vollbesetzten Forum des Wiener ZOOM Kindermuseums diese Frage. „Dass nicht nur einer bestimmt“, „dass Kinder selber sagen, wie sie teilen wollen“, „dass einmal der eine, dann wieder wer anderer bestimmt...“, lauteten die ersten Antworten.

Jederzeit und überall

Als Beispiele für international ziemlich einheitliche Regeln zeigte die Vortragende Bilder aus drei verschiedenen Bereichen: Straßenverkehr, Sport und Musik. Gerechtigkeit, Fairness und auf die/den anderen hören, um gemeinsam in einem Chor oder Orchester singen oder spielen zu können.

Solche Regeln sind, so Assmann, nichts wirklich Neues – und sie zeigte Hieroglyphen sowie die Übertragung in unsere Schrift und Sprache von Regeln im alten Ägypten. Darunter finden sich etwa „wer gern streitet, findet keine Ruhe“, „ein Ellbogen-Mensch ist kein guter Freund“, ... „ein unbedeutender Mensch, der protzig auftritt, wird sehr verachtet. Ein unbedeutender Mensch, der bescheiden auftritt, erntet großes Lob“, „Nimm kein Geschenk von einem Mächtigen an, und sei nicht um seinetwillen ungerecht gegen einen Schwachen“, „hüte dich vor der Sünde des Betrugs, vor Worten, die nicht wahr sind, bekämpfe das Falsche in dir“, „hab keine Angst, eine Sache durchzuführen, in der du im Recht bist“... aber ebenso Regeln wie Arme, Schwache, Kranke usw. zu unterstützen...

Zeitensprung um ein paar Jahrtausend und nun zeigte Assmann bildliche Darstellungen mittelalterlicher Regeln christlichen Erbarmens: Törichte belehren, Brot und Wein an Hungernde und Dürstende verabreichen, Fremde ohne Unterkunft aufnehmen ...

Märchenhafte Beispiele

Anhand zweier Märchen – „Das Waldhaus“ sowie „Das singende, klingende Bäumchen“ von den bzw. nach Motiven der Gebrüder Grimm – machte Assmann noch einmal deutlich, dass hier nicht die gewinnen, die stärker sind und nur auf sich achten (Egoismus), sondern jene, die (Mit-)Gefühl für andere aufbringen können und wollen - ein Gefühl, das in der Fachsprache Empathie genannt wird..

Wenn dem Teddy ein Arm fehlt

Von hier leitete sie zu relativ jungen wissenschaftlichen Erkenntnissen über und berichtete von Forschungen der Münchner Psychologie-Universitätsprofessorin Doris Bischof-Köhler. In Kindergärten hatte sie Kinder beobachtet, wie sie reagieren, wenn die Pädagogin einen Teddybären in Händen hält, der einen Arm verloren hat. Kindern unter 18 Monaten (eineinhalb Jahre) war es egal. Ab diesem Alter aber kamen Kinder um die Pädagogin zu trösten. Obwohl sie schon wissen/spüren, dass es nicht ihr eigener Schmerz ist, können sie – dank der Spiegelneuronen im Hirn – sich in die Lage der anderen Person hinein versetzen, mit ihr mitfühlen und beginnen, diesen Menschen zu unterstützen...

... von dieser Kindervorlesung

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