Border Collie als Versuchskaninchen.

© S.Zamisch

Mensch-Tier-Kommunikation
06/12/2015

Schau nach meinen Augen, Hündchen!

Wiener Forscher zeigen, dass die Vierbeiner dem menschlichen Blick folgen.

Zwei- und Vierbeiner verstehen einander. Hunde können die Körpersprache der Menschen gut lesen. Dass sie auch den menschlichen Blicken in die Weite folgen können, wurde nun erstmals wissenschaftlich bewiesen.

Verhaltensforscher vom Messerli-Institut testeten 145 Border Collies im Clever Dog Lab an der Vetmeduni Vienna. Sie zeigten, dass Hunde - unabhängig von ihrem Alter - dem menschlichen Blick zu einer Tür folgten. Nur jene Hunde, die zuvor darauf trainiert wurden, direkten Blickkontakt mit Menschen herzustellen, schnitten im Test schlechter ab.

Kommunikation

Dem Blick einer Person in die Ferne zu folgen, ist Teil menschlicher Kommunikation und ein wichtiger Aspekt des sozialen Lebens, denn es erleichtert den Informationsaustausch und das Verhalten des Anderen vorherzusagen. Im Tierreich hat man diese Fähigkeit bisher bei Primaten, domestizierten Ziegen, einigen Vogelarten, Delfinen, Pelzrobben, Köhlerschildkröten und Wölfen nachgewiesen. Bei Hunden schien diese Fähigkeit bis vor kurzem jedoch ein Spezialfall zu sein. Hunde können zwar aufgrund menschlicher Blicke verstecktes Futter oder Spielzeug finden. Dass sie Blicken auch in die Ferne folgen können, wurde bisher nicht nachgewiesen.

Lisa Wallis und ihre Kollegen vom Messerli Forschungsinstitut an der Vetmeduni Vienna haben nun untersucht, ob Hunde diese Fähigkeit besitzen oder ob andere Faktoren diese Fähigkeit beeinflussen.

Alter

Die Kognitionsforscher testeten 145 Border Collies im Alter zwischen 6 Monaten und 14 Jahren. Eine Hypothese der Forschenden lautete: "Die Hunde lernen möglicherweise im Laufe ihres Lebens menschliche Blicke zu ignorieren, weil die meisten dieser Blicke für die Hunde gar keine Bedeutung haben." Eine zweite Hypothese lautete: "Hunde werden häufig darauf trainiert, ihren Halterinnen oder Haltern ins Gesicht zu schauen und auf ein Kommando zu warten. Diese Art des Trainings könnte verhindern, den Blicken in die Ferne zu folgen."

Wallis testete alle Hunde separat in einem Testraum. Mit einem aufgeweckten Gesichtsausdruck lud die Studienleiterin die Hunde ein, ihrem Blick zur Tür zu folgen. Tatsächlich folgten etwa die Hälfte der Hunde egal welchen Alters Wallis‘ Blick zur Tür im Gegensatz zu der Kontrollsituation, in der Lisa Wallis auf den Boden vor sich geschaut hat. Während Alter keinen Einfluss darauf hatte, ob Hunde dem Blick folgen oder nicht, spielte die Ausbildung der Hunde jedoch eine große Rolle. Hunde, die länger und intensiver trainiert wurden, folgten dem Blick weniger.

Training

Um den Einfluss von Training auf diese Fähigkeit weiter zu testen, teilte Wallis die Hunde in zwei Gruppen ein. Eine Gruppe erhielt ein intensives Training, bei dem sie fünf Minuten lang übten, Blickkontakt mit einer Person herzustellen. Im Gegensatz dazu wurde eine zweite Gruppe darauf trainiert, einen Tennisball mit der Pfote zu berühren. Dabei handelte es sich also um ein ganz anderes Setting, dass zwar Training und Interaktion mit einer Person beinhaltete, jedoch kein Blickkontakt-Training.

Wallis führte nun denselben Test, den sie zuvor mit den Hunden gemacht hatte, nochmals durch. Es zeigte sich, dass jene Hunde, die auf Blickkontakt trainiert waren, seltener dem Blick auf die Tür folgten. Sie verweilten mit ihrem Blick im Gesicht der Studienleiterin und warteten auf eine Belohnung. Hunde aus der "Tennisball-Gruppe" folgten dem Blick zur Tür viel häufiger.

"In dem Blickkontakt-Training haben die Hunde gelernt, Blickkontakt zur Studienleiterin zu halten. Genau das haben sie dann auch im Test getan. Sie blickten ins Gesicht und seltener zur Tür. Deshalb schnitten diese Hunde auch schlechter ab, als andere Hunde. Wir gehen also davon aus, dass Blickkontakt-Training die Fähigkeit Blicken in die Ferne zu folgen verschlechtert", erklärt Wallis. "Wahrscheinlich war diese Art des Trainings auch der Grund dafür, dass Hunde in früheren Studien schlechter abschnitten als andere Tierarten", meint die Erstautorin.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Animal Behaviour veröffentlicht.

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