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12/05/2011

HP Chef steht vor dem Rauswurf

Nachdem der Technologiekonzern massive Aktienverluste verzeichnen musste, soll nun HP-Chef Leo Apotheker gehen.

Die Hängepartie um Hewlett-Packard-Chef Leo Apotheker steuert auf eine Entscheidung zu. Der Verwaltungsrat des weltgrößten Computerherstellers wollte am Donnerstag in voller Besetzung zusammentreten, um über einen Rauswurf des umstrittenen Konzernlenkers zu beraten, berichteten die Finanznachrichtenagentur Bloomberg und das IT-Blog "All Things Digital" unter Berufung auf informierte Personen. Als mögliche Nachfolgerin - zumindest auf Zeit - wurde weiterhin die frühere Chefin der Online-Handelsplattform Ebay, Meg Whitman, gehandelt.

Kostspielige Entlassung

Am Mittwochabend sickerte durch, dass es zumindest eine starke Fraktion in dem Aufsichtsgremium gibt, die den früheren SAP-Chef Apotheker schassen will. Mitglieder des Verwaltungsrates hätten am Mittwoch bereits in diversen Gremien beraten, hieß es jetzt. Sie seien über den sinkenden Aktienpreis und fehlende Verbesserungen im Geschäftsverlauf besorgt. Muss Apotheker gehen, dürfte ihm der Abgang auf jeden Fall mit mehreren Millionen Dollar aus seinem mehrjährigen Vertrag versüßt werden. Die Berechnungen in US-Medien reichen von rund 9 bis 35 Mio. Dollar (6,69 bis 26,0 Mio. Euro), die dem Manager noch zustehen könnten.

Umstrittene Entscheidungen

Apotheker hatte vor einigen Wochen - mit Rückendeckung des Verwaltungsrates - einen drastischen Strategieschwenk angekündigt. Er will die PC-Sparte abstoßen und auf das Geschäft mit Software setzen. Dafür kauft HP den britischen Software-Spezialisten Autonomy. Die Ankündigung löste einen massiven Kurseinbruch aus. Zum einen ist die Computer-Sparte von Hewlett-Packard die größte der Welt und arbeitet trotz relativ niedriger Rendite mit Gewinn. Zum anderen wurde der Preis von gut zehn Mrd. Dollar für Autonomy als zu hoch kritisiert.
Apotheker hatte am 1. November vergangenen Jahres das Ruder bei HP übernommen, nachdem sein populärer Vorgänger Mark Hurd wegen einer undurchsichtigen Affäre mit einer externen Mitarbeiterin gehen musste. Er arbeitet jetzt für den Software-Konzern Oracle.

Massive Aktienverluste

Die Aktionäre sind unzufrieden: Seit Apotheker an der Spitze steht, verlor die Aktie fast die Hälfte ihres Werts. Die Nachricht, dass er vielleicht gehen muss, ließ den Kurs am Mittwoch um fast sieben Prozent steigen. Nach der nächtlichen Hängepartie büßte das Papier zum Start am Donnerstag allerdings wieder vier Prozent ein.
Es ist unklar, inwieweit HP die jüngsten Entscheidungen zum Strategiewechsel überhaupt noch zurückdrehen könnte. Die Übernahme von Autonomy dürfte kaum noch zu stoppen sein. Beim der Trennung von der PC-Sparte betonte HP selbst immer wieder, dass noch nichts endgültig entschieden sei.

Kritik an Whitman

Sollte Apotheker tatsächlich gehen müssen, wäre das für ihn schon der zweite Tiefschlag in Folge. Bei SAP hatte er den Spitzenposten nach Differenzen mit Gründer Hasso Plattner ebenfalls nach weniger als einem Jahr als alleiniger Firmenchef räumen müssen. Mitarbeiter des Unternehmenssoftware-Spezialisten aus Walldorf sagen Apotheker einen schroffen Führungsstil nach.
Meg Whitman wurde in der Branche allerdings auch nicht als geeignete Kandidatin empfunden. Analysten verwiesen darauf, dass sie als Chefin eines Internet-Unternehmens kaum Erfahrung mit den Geschäftsbereichen von HP habe und auch noch nie einen kriselnden Großkonzern reformieren musste.

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