Rotmilan fliegt wieder östlich von Wien.

© /Kreinz

Greifvogel
07/17/2015

Die Rückkehr der Rotmilane

Der vom Aussterben bedrohte Habichtartige brütet wieder in den Donau-Auen.

Bereits im Vorjahr gab es Hinweise, nun ist es belegt: Der Rotmilan, der seit vielen Jahrzehnten als regelmäßiger Brutvogel in den Donau-Auen östlich von Wien verschollen war, brütet wieder hier. Dieser Tage ist im Auwald des Nationalparks ein Jungtier des heurigen Jahres im Flug beobachtet worden.

In Österreich gilt der Rotmilan als vom Aussterben bedroht. Der Greifvogel brütet gerne in ungestörten Waldgebieten in Gewässernähe. Für die Nahrungssuche braucht er halboffene Landschaften, Wiesen und brachenreiche Ackerlandschaften. Seine Nahrung ist vielfältig, neben Kleinsäugern wie Mäusen frisst er auch Aas, Kleintiere wie Regenwürmer und Abfälle. Der Rotmilan ist horsttreu, hat er einmal seine Jungen erfolgreich groß gezogen, kehrt er oft viele Jahre lang zu seinem Brutplatz zurück.

Aus diesem Grund sind Großschutzgebiete wie der Nationalpark Donau-Auen wichtig: Sie bieten langfristig günstige Brutmöglichkeiten. "Daher können wir auch in den kommenden Jahren auf weitere Bruten hoffen", erklärt Georg Frank, Nationalpark-Mitarbeiter und Vogel-Experte.

Gesellschaft

Der Rotmilan befindet sich in bester Gesellschaft: Zahlreiche seltene Vögel nutzten das Nationalpark-Gebiet bislang schon als Brutrevier, darunter große Vertreter wie Seeadler, Kaiseradler, Schwarzstorch und Uhu, aber auch seine Schwesternart, der Schwarzmilan. Ebenso finden sich viele kleinwüchsigere Arten, die an Flusslandschaften gebunden sind, wie Eisvogel, Flussregenpfeifer und die ebenfalls kürzlich zurückgekehrte, koloniebrütende Uferschwalbe.

Die Renaturierungs-Maßnahmen im Nationalpark Donau-Auen wie Uferrückbau und Wiederanbindung schaffen willkommene Lebensräume. Schotterbänke, Flachwasserzonen, aber auch steile Uferkanten bieten spezialisierten Vogelarten der Flusslandschaft Möglichkeiten zu Nahrungserwerb und Nestbau. Auch sind durch die Aufgabe wirtschaftlicher Nutzung der Waldflächen und die Einrichtung von störungsarmen Kernzonen Bereiche entstanden, die sensiblen Arten des Auwaldes als Rückzugsort bei der Brut dienen.

"Wichtig für den Rotmilan sind auch die Vorlandflächen", sagt Gabor Wichmann, Greifvogel-Experte bei BirdLife Österreich: "Die gefährdeten Greife brüten zwar im Auwald, für die Beutejagd benötigen sie jedoch weitläufige und strukturreichen Agrarlandschaften, Wiesenflächen und Brachen. Auf das Nationalpark-Umland muss daher auch verstärkt geachtet werden." In Österreich brüten gegenwärtig etwa nur 28 bis 35 Rotmilan-Brutpaare – verteilt auf den äußersten Osten und äußersten Westen des Bundesgebietes, vor allem in den NÖ March-Thaya-Auen und dem Vorarlberger Rheintal.

Naturschutz

Der Rotmilan findet sich sowohl auf der weltweiten wie auch auf der europäischen Roten Listen gefährdeter Arten. Über 90 Prozent des weltweiten rückläufigen Rotmilan-Bestandes konzentriert sich dabei auf europäische Länder. Europa trägt insbesondere für diese seltenen Greifvögel eine hohe Verantwortung. "Mit der Rückkehr des Rotmilans in den Nationalpark Donau-Auen zeigt sich auch, dass die bestehenden europäischen Naturschutzgesetze, wie die Vogelschutzrichtlinie oder auch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie für viele Arten überlebenswichtig sind und keinesfalls geschwächt werden dürfen", betont Gabor Wichmann die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Erhaltung von wichtigem Lebensraum.

Georg Frank wünscht sich weitere Heimkehrer für die Au: "Die Donau-Auen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Lässt man die Natur sich frei entwickeln, finden viele Arten geeignete Lebensbedingungen. Dass der Rotmilan wieder im Nationalpark Donau-Auen brütet, ist ein schöner Erfolg."

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