Sick man sleeping in bed

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Leben Gesellschaft
07/04/2022

Über Menschen, die keinen Sex wollen - neue TV-Doku

Wie gestaltet sich das Leben, wenn eines der angeblichen menschlichen Grundbedürfnisse unbefriedigt bleibt?

Die Französin Chantal (60) kommt vom Land. „Sexualität gab es bei mir nur bei Tieren. Das machten Katzen und Hunde. Aber mit Menschen hatte das nichts zu tun“, sagt sie in die Fernsehkamera. Aufgeklärt wurde sie nie, genauso wenig wie ihre Mutter und ihre Großmutter und deren Vorfahren. „Ich bin die erste in der Familie, die ihrem Kind erklärt hat, was Sexualität ist. Darüber wurde nicht geredet.“

Dennoch habe man gespürt, dass Sex etwas Schmutziges, Verwerfliches und Gefährliches sei, vor allem für Frauen. Sie habe nie erfüllende Sexualität erlebt, schildert die gut aussehende Best-Agerin in der Doku „No Sex“, die am Mittwoch ab 21.55 Uhr auf Arte ausgestrahlt wird.

Völlig der Sexualität verweigert

Chantal sagt, sie sei mit Männern ins Bett gegangen, um zum Beispiel Zuwendung zu erhalten. Der erste Sex nach der Geburt ihrer Tochter habe dann alles geändert. Ab dem Punkt habe sich ihr Körper völlig der Sexualität verweigert.

Kann man so leben? Sex ist doch überall. Nie zuvor in der Geschichte der westlichen Welt ging man so ungezwungen mit dem Thema um wie heute. Ein Tabu aber ist geblieben: Was ist mit den Menschen, die keinen Sex haben oder ihn nicht mehr haben? Wie gestaltet sich das Leben, wenn man freiwillig oder unfreiwillig auf die Befriedigung dieses angeblich so wichtigen menschlichen Bedürfnisses verzichtet?

So viele verschiedene Motive

Regisseur Didier Cros lässt kammerspielartig einen Menschen nach dem anderen zu Wort kommen und skizziert so viele verschiedene Motive, warum man nicht mit anderen ins Bett gehen will.

Francois (47) etwa: „Als Jugendlicher war ich viel unterwegs. Und mir ist aufgefallen, dass ich angesichts der vielen Gelegenheiten, die sich mir boten, nur sehr wenige Erfolge aufweisen konnte. Aber das lag vielleicht auch an meinem ganz persönlichen Problem. Ich war einfach zu idealistisch. Von Anfang an war ich immer auf der Suche nach Liebe.“ Sein „erstes Mal“ sei dann eine Riesen-Enttäuschung gewesen. Eine von vielen.

Beim Sender Arte sagt man über die Doku: „Im Austausch mit enthaltsam lebenden Menschen begreift man viel über die Relevanz von Sex für das Selbstverständnis und gewinnt einen neuen Blick auf die moderne Gesellschaft. Das Dauerthema wird von vielen als Zwang empfunden. Leistungsdruck macht selbst vor der Lust nicht Halt. Der angeblich befreite Körper wird in Wirklichkeit neuen Diktaten unterworfen.“

 

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