Prominente Frauen als Vorbilder
Hannah Arendt
Während meines Soziologie-Studiums war ich von Hannah Arendt besonders beeindruckt. Die politische Intellektuelle wird oft auf ihr philosophisches Wirken reduziert. Ihr Leben war bewegt: Als junge Frau war sie Teil einer zionistischen Organisation, sie wurde kurz von der Gestapo inhaftiert, floh 1933 von Karlsbad nach Paris. 1940 entkam sie im Internierungslager Gurs dem Tod. Als Journalistin in New York wurde sie nicht müde, das Nazi-Regime anzuprangern.
Aufsehen erregte Arendt mit dem Buch "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" und 1961 mit den Reportagen vom Eichmann-Prozess. Mit der Frauenbewegung konnte sie wenig anfangen. Doch sie kommentierte in einer Zeit, in der für Frauen das Politisieren verpönt war, kritisch, kompromisslos und provokativ das Zeitgeschehen. Das ist nicht zuletzt aus journalistischer Sicht bewundernswert.
Nicole Thurn, Ressort Karriere
Christine Nöstlinger
"Rosa Riedl, Schutzgespenst" war mein erstes. Mein erstes Buch von der Nöstlinger, die mich von da an die gesamte Kindheit hindurch begleitete. Ich verschlang jede Geschichte, die ich von ihr in die Finger bekam, liebte ihre Art zu erzählen, ihre Affinität zur österreichischen Sprache. Noch bevor ich die eigentliche Geschichte begann, las ich das Glossar mit Mundart-Ausdrücken. Weil mir die Erklärungen gut gefielen – und weil einige Ur-Wiener-Ausdrücke dabei waren, die ich als Oberösterreicherin nicht kannte.
Heute noch bin ich ihr verbunden, lese jedes Interview, verfolge ihre TV-Auftritte oder höre ihre Gedenkrede zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Mauthausen. Ich träume davon, selbst einmal ein Kinderbuch zu schreiben, darauf hoffend, auf diese Weise einem Kind die Liebe zum Lesen zu schenken, wie einst Christine Nöstlinger mir. Danke dafür.
Caroline Kaltenreiner, Ressort Reise
Laura Poitras
Ihr berührender Dokumentarfilm "Citizenfour" rund um den US-Whistleblower Edward Snowden hat die Welt verändert. Seither ist sich jeder Mensch ein Stückchen mehr bewusst, dass und wie wir alle überwacht werden. Um sich an diese Geschichte heranzuwagen, braucht es Mut. Und den Willen, sich von nichts und niemandem unterkriegen zu lassen – auch nicht vom mächtigsten Geheimdienst der Welt.
Neben Edward Snowden ist auch sie eine Heldin. Meine Heldin. Als Filmproduzentin, -regisseurin und Aktivistin zeigt Poitras politische und gesellschaftliche Missstände auf. Sie nutzt ihr Können und ihre Technik als Ventil, um Botschaften zu vermitteln, die ihr wichtig sind. Ihre Ambition ist es, die Welt ein bisschen besser zu machen. Das macht sie zu meinem großen Vorbild. Denn die Welt braucht starke Frauen, die sich für ihre Ideale einsetzen.
Barbara Wimmer, Futurezone
Mariane Pearl
"Sie haben meinen Ehemann getötet, nicht meine Hoffnung" – dieser Satz hat mich berührt, wie die Person, die ihn geschrieben hat. Mariane Pearl erzählt in ihrem Buch die Geschichte ihres Mannes Daniel, Reporter für das Wall Street Journal, der 2002 von El-Kaida entführt und geköpft wurde. Zu einem Zeitpunkt, an dem sie besonders glücklich und voll Vorfreude auf das gemeinsame Kind war.
Die Journalistin berichtet ungeschönt und ehrlich – von Liebe und Hoffnung, Trauer und Wut. Wie sie fünf Wochen auf der Suche nach Daniel ist, bis zur Gewissheit, dass er nicht mehr lebt. Ohne Hass, mit dem beharrlichen Bemühen, das Andere und Fremde zu verstehen. Dabei ist sie nie verbittert, hält ihren Lebensmut aufrecht und glaubt auch noch weiter an das Gute in den Menschen. Allerhöchsten Respekt vor dieser Frau, die den Dialog zwischen den Kulturen sucht – trotzdem.
Sandra Baierl, Ressort Karriere
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