Leben 10.02.2017

Frau und ihr Vergewaltiger erzählen ihre Geschichte

© Bild: Ted

Über 20 Jahre nachdem Thordis Elva von ihrem damaligen Freund Tom Stranger vergewaltigt wurde, veröffentlichen die beiden ein Buch und stehen als Team auf der Bühne.

Im Oktober vergangenen Jahres standen Thordis Elva und Tom Stranger für einen Ted Talk in San Francisco auf der Bühne, um von dem "dunkelsten Moment ihres Lebens" zu erzählen. Thordis Elva war gerade16 Jahre alt sie den 18-jährigen Tom Stranger kennenlernte. Dieser war für einen Schüleraustausch von Australien nach Island gekommen, der Heimat von Thordis Elva. Elva und Stranger verliebten sich ineinander und wurden ein Paar. Nach einer Party vergewaltigte Stranger seine damalige Freundin Elva, die zu betrunken war, um sich zu wehren. Nach dem Vorfall, der sich im Jahr 1996 ereignet hatte, folgten Jahre des Schweigens, bis Elva, die sich nach Vergebung und Frieden sehnte, Jahre später Kontakt mit Stranger aufnahm. Nach einem mehrjährigen Briefwechsel, in dem Stranger ein Geständnis ablegte, folgte ein persönliches Treffen zwischen den beiden.

Gemeinsame Aufarbeitung

Elva und Stranger entschieden sich schließlich dazu, gemeinsam ein Buch mit dem Titel "South of Forgiveness" (auf Deutsch: "Ich will dir in die Augen sehen. Eine Frau trifft den Mann, der sie vergewaltigt hat") zu schreiben, das dieses Jahr erscheint.

Bei dem Ted Talk, bei dem Elva und Stranger gemeinsam auf der Bühne standen, erzählte Stranger, dass er sich jahrelang eingeredet habe, seine damalige Freundin nicht vergewaltigt zu haben. Die heute 36-jährige Elva hingegen sprach davon, wie sehr sie sich selbst für das Geschehene verantwortlich machte. Sie habe Jahre dafür gebraucht zu realisieren, dass diese eine Sache, die die Vergewaltigung verhindern hätte können "nicht mein Rock, mein Lächeln oder mein kindliches Vertrauen war. Die einzige Sache, die verhindern können hatte, dass ich vergewaltigt werde, war der Mann, der mich vergewaltigt hat – hätte er sich selbst gestoppt."

Der ganze Vortrag:

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Kritische Stimmen zum Ted Talk

Auf die Kritik, dass der Täter durch die Vorträge und das Buch eine Stimme erhält, antwortet Elva auf der Website von Ted: "Ich verstehe diejenigen, die darüber erzürnt sind und mich dafür kritisieren, dass ich dem Täter in der Diskussion eine Stimme ermögliche. Aber ich glaube, dass man eine Menge davon lernen kann, wenn man jenen zuhört, die ein Teil des Problems sind – wenn sie dazu bereit sind, ein Teil der Lösung zu werden – nämlich darüber, welche Ideen und Einstellungen zu ihrem gewalttätigen Verhalten geführt haben, damit man daran arbeiten kann, diese effektiv zu entwurzeln."

( kurier.at , elmo ) Erstellt am 10.02.2017