Leben
26.06.2018

Essen und Sozialverhalten: Frühstück macht Laune

Kohlenhydrate versus Proteine: Forscher haben untersucht, wie der Nahrungsmix das soziale Entscheidungsverhalten beeinflusst.

Sag mir, was du gefrühstückt hast – und ich sag dir, wie du drauf bist: Die Zusammenstellung von Makronährstoffen einer Mahlzeit beeinflusst, wie Menschen sich verhalten. Das haben Forscher der Universität zu Lübeck herausgefunden. Makronährstoffe sind jene Nährstoffe, aus denen der Körper Energie gewinnt, also unter anderem Kohlenhydrate, Proteine und Fette.

In der aktuellen Studie untersuchten die Forscher den Einfluss des Frühstücks auf soziales Entscheidungsverhalten. Teilnehmer, die zum Frühstück mehr Kohlenhydrate und weniger Proteine aßen, neigten dazu, Ungerechtigkeit abzulehnen. Sie reagierten auf "unfaire Angebote" sensibler als Probanden, die ein proteinreiches Frühstück konsumierten.

Bereits bekannt ist, dass Speisen je nach Makronährstoff-Zusammensetzung den Aminosäure-Haushalt im Körper steuern und dieser mitbestimmt, welche Botenstoffe im Gehirn zur Verfügung stehen. Die biochemischen Prozesse, die dadurch angestoßen werden, beeinflussen das Verhalten. Bislang gab es aber keine Erkenntnisse darüber, in welchem Maß die verursachten Veränderungen bei Botenstoffen im Gehirn auftreten und ob sie das Verhalten messbar verändern.

Doppelstudie

An der ersten Studie nahmen 87 Probanden teil. Bei dieser Onlinestudie gaben die Teilnehmer am späten Vormittag an, was sie an diesem Morgen zum Frühstück gegessen hatten. Dann sollten sie in einem Test auf ein "unfaires Angebot" eines virtuellen Gegenspielers reagieren. "Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass es einen Zusammenhang zwischen der Makronährstoffkomposition des Frühstücks und der Reaktion der Probanden auf unfaire Angebote gab", so Sebastian M. Schmid von der Universität zu Lübeck. Je höher der berichtete Anteil an Kohlenhydraten im Frühstück war, desto sensibler reagierten die Probanden auf "unfaire Angebote".

Unter Laborbedingungen wurde dann eine zweite Studie mit 24 Probanden durchgeführt, um auch die biochemischen Aspekte zu erfassen. Die Probanden erhielten an zwei verschiedenen Tagen dabei einmal ein Frühstück mit einem sehr hohen Kohlenhydratanteil von 80 Prozent und in der anderen Versuchsanordnung ein Frühstück mit gleichem Kaloriengehalt und einer Makronährstoffzusammensetzung gemäß den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: Kohlenhydrat 50 Prozent, Protein 25 Prozent und Fett 25 Prozent. Drei Stunden nach dem Verzehr des Frühstücks wurden verschiedene neurokognitive Tests durchgeführt. Durch Blutuntersuchungen ermittelten die Forscher dann relevante stoffwechselbedingte und hormonelle Parameter. "Die Laborstudie konnte die Ergebnisse der ersten Studie bestätigen: Abhängig vom Kohlenhydratanteil im Frühstück reagierten Probanden unterschiedlich auf unfaire Angebote."

Keine Rolle schien der nach dem Essen gemessene Blutzuckerspiegel zu spielen. Einzig das nach dem Essen veränderte Profil der zirkulierenden neutralen Aminosäuren konnte das veränderte Entscheidungsverhalten der Probanden erklären.

Anwendung in der Praxis

Für Matthias M. Weber, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), zeigen diese Ergebnisse Ansätze zur Anwendung in der Praxis und werfen alltagspraktische Fragen auf: "Wenn wir ableiten können, dass ein extrem unausgewogenes Verhältnis von Kohlenhydraten zu Proteinen in einer Mahlzeit direkt das Verhalten beeinflusst, dann sollte dem Thema Ausgewogenheit der Nahrungszusammensetzung mehr Gewicht beigemessen werden."