Auf einem gedeckten Tisch stehen Schnitzel auf einem Serviertablett, dazu Salat, Kartoffeln, Kaviar und Getränke.

Luxus pur: Wiener Schnitzel mit Blattgold und Caviar für 395 Euro

Das Wiener Restaurant „Spelunke“ polarisiert mit neuem Angebot. Was der Speisenklassiker anderswo kostet.

Man sollte meinen, an einem kulinarischen Klassiker wie dem Wiener Schnitzel gibt es nichts, was verändert werden muss. Vor allem in Wien haben einige Restaurants das „Wiener“ zur Perfektion gebracht und damit zu ihrem Herzstück gemacht. Und dann das: Ein Restaurant in der Hauptstadt serviert das Schnitzel jetzt um sagenhafte 395 Euro. Dass das für Aufsehen sorgt, überrascht nicht und soll sogar ein bewusstes Statement sein.

Luxus-Schnitzel kommt mit Gold und Caviar

Es versteht sich, dass es sich beim Gericht namens „Kaiser Franz“, das das Restaurant „Spelunke“ (2. Bezirk, 1 Haube) anbietet, nicht um irgendein Schnitzel handeln kann. Das Filet vom fein marmorierten, hochpreisigen japanischen Wagyu-Rind wird außer mit der klassischen Panade noch mit 23-karätigem Blattgold veredelt. Dazu gibt es neben Petersilerdäpfeln, grünen Salatherzen und Preiselbeeren noch 125 Gramm Royal Caviar Imperial Auslese als Beilage.

Dekadent finden das die einen. Einen gelungenen Coup die anderen. Man wolle zeigen, „wie weit man ein vertrautes österreichisches Thema denken kann, ohne es zu verfremden“, so Spelunke-Inhaber Michael Dvoracek in einer Aussendung. Küchenchef Alexander Knelle ging es ums Handwerk. „Uns ging es nie darum, ein teures Schnitzel zu machen, sondern ein außergewöhnlich gutes.“ Eine bewusste, moderne Interpretation soll es sein.

Zielgruppe sind Touristen

Und wer soll sich das gönnen? In der Spelunke setzt man auf KURIER-Nachfrage vor allem auf „internationale, zahlungskräftige Touristen, die ihr Geld bewusst in Österreich ausgeben sollen“. Wer moderate Preise möchte, bekomme auch „eine preiswerte Alternative“. Das Schnitzel sei ein präzises Statement. „Wer sich etwas leisten will, soll das auch können. Solche Angebote schaffen Wertschöpfung und Steuereinnahmen“, betont Elena Vacano von der Geschäftsführung gegenüber dem KURIER. Serviert werde das „Kaiser Franz“ für zwei Personen „als Erlebnis, nicht als beiläufige Mahlzeit“.

In den einschlägigen Restaurants der Stadt kostet ein Kalbs- oder Schweinsschnitzel einen Bruchteil, wie ein Blick in die Speisekarten zeigt: Etwa bei Figlmüller (von der Schweinskarreerose) 21,90 €, bei Meissl &Schadn kommt das Wiener Schnitzel auf 30,90 € (vom Kalb, ohne Beilagen). 

Bei Plachutta steht das Schnitzel (vom besten Teil des Kalbs) mit 28,90 € auf der Karte. Chef Mario Plachutta ließ dem KURIER ausrichten: „Man könnte fragen, ob es für ein gutes Wiener Schnitzel wirklich Gold und Kaviar braucht. Bei uns steht die Qualität der Produkte im Vordergrund.“

Ähnlich äußert sich Sonja Bohrer-Weilguny, General Manager des Hotel Grand Ferdinand, zu dem das Restaurant gehört. "Wir finden es grundsätzlich spannend, wenn Neues zum Thema Schnitzel aufkommt – das belebt die Küche und macht das Gericht noch sichtbarer." Im Meissl & Schadn stehe man aber "ganz bewusst für die gewachsene Tradition des Wiener Schnitzels – und natürlich für die Fortführung der Geschichte des legendären Meissl & Schadn, das um 1900 schon als die Institution für die Wiener Küche galt".

Der Preis unseres Wiener Schnitzels entspreche dem Markt, der Produktqualität und der handwerklichen Arbeit." Uns ist es wichtig, Menschen zu ermöglichen, dieses Stück Wiener Esskultur zu genießen."

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