Steirischer Erzberg wird Tunnel-Forschungszentrum

Spatenstich ist noch für diesen Herbst vorgesehen.
Ein großer Tagebau erstreckt sich vor einer Bergkette mit schneebedeckten Gipfeln.

Ein weltweit einzigartiges Zentrum für Tunnelforschung und -sicherheit soll in den kommenden drei Jahren im steirischen Erzberg entstehen. Als Basis für das "Zentrum am Berg" (ZaB) dienen mehrere stillgelegte Stollen im Erzberg, die ausgeweitet und verlängert werden. Der Spatenstich sei noch für kommenden Herbst vorgesehen, hieß es im Pressegespräch an der Montanuniversität Leoben.

Im Bereich des Tunnelbaus sind für die Weiterentwicklung der Baumethoden, aber auch der Materialien und der Ausstattung bis hin zur Sicherheitstechnik Tests unter realen Bedingungen bisher nur schwer möglich: Tests im Labormaßstab seien eingeschränkt aussagekräftig, Versuche in bestehenden Tunnels wiederum teuer, da die Tunnels für die Versuche gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden muss, schilderte der Projektleiter der Montanuniversität Leoben, Robert Galler, vom Institut für Subsurface Engineering. Die projektierte unterirdische Tunnelforschungsanlage auf rund 1.000 Metern Seehöhe im steirischen Erzberg soll - nach einer Investition von rund 30 Millionen Euro - in spätestens drei Jahren Abhilfe schaffen.

Ausbau von fünf früheren Stollen

Insgesamt ist bis Ende 2018 der Ausbau von fünf ehemaligen Stollen vorgesehen, die dann Forschern, der Tunnelbauindustrie und verschiedensten Einsatzorganisationen beste Forschungs- und Trainingsbedingungen bieten sollen. Das Land Steiermark, Wissenschafts- und Infrastrukturministerium sowie die Montanuniversität Leoben haben sich bereits im Vorjahr auf die jeweilige Finanzierung geeinigt, wie Vizerektorin Martha Mühlburger ausführte.

Nach dem Abschluss der montanbehördlichen Verfahren und der Verhandlung mit der Bezirkshauptmannschaft Leoben sei der Spatenstich noch für den Herbst vorgesehen. Dann soll das Forschungszentrum in einer Reihe von Teilprojekten in Betrieb genommen werden.

Das Interesse sowohl von der internationalen Forschung als auch von Unternehmen sei enorm, schilderte Galler: Es gehe u.a. um die Entwicklung neuer Lüftungskonzepte, Geothermische Fragestellungen bis hin zur Entwicklung von Steinschlagschutzsystemen. Rund 50 Unternehmen hätten sich schon gemeldet, in der Anlage forschen zu wollen. Die bisherigen Absichtserklärungen würden Mittel von rund drei Millionen Euro jährlich umfassen. Damit sei die Deckung der laufenden Kosten sichergestellt.

Zuschlag für Koordination eines EU-Projekts

Erst vor wenigen Tagen habe man den Zuschlag für die Koordination eines mit drei Millionen Euro dotierten EU-Forschungsprojekts erhalten, das in Richtung unterirdischer Speicherung der Energie aus Solaranlagen gehe, sagte Galler. Wesentlicher Teil des ZaB werde zudem ein Schulungszentrum sein, in dem von Einsatzorganisationen Krisenszenarien wie Tunnelbrände unter realen Bedingungen trainiert werden können.

Das Land Steiermark beteiligt sich mit zwölf Millionen Euro. LH Franz Voves (SPÖ) sprach am Montag in Leoben von einer "Riesenchance, nicht nur für die Montanuni, sondern für die Entwicklung der gesamten Region". Der "eiserne Brotlaib" der Steiermark habe Jahrhunderte lang für die Entwicklung der Steiermark gesorgt, "jetzt ist es Zeit, dass wir der Region etwas zurückgeben", sagte der Landeshauptmann.

Das ZaB biete die Chance, neue Technologien zu etablieren und dadurch neue Arbeitsplätze zu schaffen, betonte auch Rektor Wilfried Eichlseder. Er wies gesondert auf das 175-jährige Bestehen der Montanuni, die ohne den Bergbau nicht denkbar wäre, hin. Die entsprechenden Feierlichkeiten werden vom 1. bis 3. Oktober an der Montanuni vor sich gehen, so der Rektor.

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