Eine Schülerin beschreibt einen fast normalen Tag
Die Deutschprofessorin von Gloria ist begeistert vom Aufsatz der Schülerin und findet, dass er auch den KURIER-Lesern nicht vorenthalten werden darf. Also hat Gloria Sannmann ihre Geschichte an den KURIER geschickt und auch die Redakteure mussten über die Reportage schmunzeln. Der Titel von Glorias Reportage: "Zerfetzter Tafelschwamm und rauchende Köpfe": Hier ihr Text.
"Wissensbegierige, ungeduldige Jugendliche warten auf das Klingeln der Schulglocke, die dann endlich den Start der ersten Schulstunde ankündigen würde. Stopp! In der 4A des Amerlinggymnasiums sieht die Wirklichkeit ganz anders aus.
Das Schulportal des Amerlinggymnasiums
Donneratag, 08:52 Uhr:
Und obwohl man sich freut, dass man eine Stunde länger in seinem Bett verbringen durfte, herrscht schläfrige Stimmung.
Als ich das Klassenzimmer betrete, sitzt man schon am Tisch oder unterhält sich mit seinen Freunden.
Als die Schulglocke ertönt, verändert sich erst nicht viel an dem Verhalten der 24 Schüler und Schülerinnen. Bis dann der Angewandte Informatik – Lehrer die Physik-Stunde vertritt und ein Video über Goolge&Co im Informatiksaal geschaut wird.
Hat man auf den Bildschirm (nach dem ersten Treppenaufgang im modernen hellen Haus der Schule) geschaut, weiß man, dass diese Stunde suppliert wird. Das System zeigt an, in welcher Klasse, in welcher Stunde welcher Lehrer welchen Lehrer vertritt.
Mir erklärte eine Schülerin, warum viele Kinder voll bepackt da stehen und regelrecht hypnotisiert nach oben auf den Bildschirm schauen.
Ich staunte. Praktisch.
Wie meistens bei Filmen, wie ich erfahre, weckt das Video bei nur einem Drittel der Klasse das Interesse. Das zweite Drittel surft im Internet und das letzte Drittel lernt Mathematik. (Heute wegen der Schularbeit in der nächsten Stunde.)
„War eh‘ gut vor der Schularbeit zu lernen“, meint eine Schülerin rückblickend auf die supplierte Stunde.
Stress und der Tafelschwamm
Als ich zurück in der Klasse bin, herrscht schon Hektik. Noch schnell in ein Mathematik-Buch schauen, Formeln wiederholen, unterhalten.
5 Minuten vor dem Unterrichtsbeginn werden „Pult-Teiler“ ausgeteilt. Sie dienen dem Abtrennen der Tischhälften bei Schularbeiten oder Tests.
Einige der Schüler und Schülerinnen füllen sich noch rasch die Wasserflaschen auf.
Es fehlen zwei Schüler. Die Klasse wird nervös. Der erste Schüler trifft ein; der letzte musste noch auf die Toilette.
Es läutet und nach ein paar Erklärungen der Mathe-Professorin fangen alle an zu arbeiten. Ich darf mich auf einen Stuhl vor die Tafel setzen und höre, dass nur noch geschrieben, gezeichnet oder etwas in den Taschenrechner eingetippt wird.
Währenddessen bemerke ich beim Waschbecken der Klasse einen gelben Tafelschwamm. Aber nicht wie gehabt. Es sieht aus, als hätte jemand hineingebissen. Ich werde mich wohl nach der Stunde erkundigen müssen, wie das passiert ist.
(Ausnahmsweise) Essen erlaubt
Kurz Darauf läutet es auch schon wieder und nach 5 Minuten Pause (in der keine Zeit zum Ausruhen war) nochmals zur nächsten Stunde. Englisch ist an der Reihe.
Ich muss schmunzeln, als man erlaubt bekommt, sich noch 5 Minuten eine Pause zu gönnen. Essen, trinken und Bücher, Hefte etc. herräumen.
Ich ergreife die Gelegenheit und frage schnell nach dem Tafelschwamm.
„Irgendeiner hat den Schwamm in die Parallelklasse getragen und ein Junge hat abgebissen.“
Am Ende erfahre ich aber, dass er doch abgerissen und nicht abgebissen wurde.
In Englisch wurde eine Prüfung nachgeholt (ein Junge, der bei der Schularbeit fehlte) und der Rest erarbeitete sich selber Nummern aus dem Buch.
Hormone und Rätselspaß
Und nach 10 Minuten Pause (die erste Pause, in der man sich unter anderem endlich über die Schularbeit austauschen kann) hetzen alle 114 Stufen hinunter in den Biologie-Saal, der sich im untersten Geschoss (den Keller der Schule, in dem sich ein Skelett, Einkaufswägen und Möbelstücke befinden, ausgeschlossen) befindet.
Nach selbstständigem Ausfüllen eines Arbeitsblattes werden die verschiedensten Hormondrüsen durchbesprochen.
Es klingelt und es geht wieder in die Klasse. Man packt, schreit herum und rüstet sich schon mit Schultasche und Jacke.
Im letzten Stock des Schulgebäudes angekommen, trifft man auch schon auf die Mathe-Professorin, die die Klasse die letzte Stunde in Chemie unterrichtet, im Chemie-Saal.
Als hätte man nicht schon genug Konzentrationsphasen heute gehabt, gibt es für die schnellsten Rätsel-Löser ein Plus.
Ich bestaune schon wieder die Klasse und es beschäftigt mich noch eine letzte Frage:
Wie sieht es mit der Klassengemeinschaft aus?
Nach einer Kurzbesprechung der Krankheit Malaria, bekomme ich eine Antwort:
„Nicht gut.“
Das letzte Klingeln der Schulglocke ertönt und die Jugendlichen, die ihre Sachen noch in der Klasse haben, holen diese und verlassen das Schulgebäude.
Am Ende dieses abwechslungsreichen Schulalltages kann man noch eine Putzkraft bei ihren täglichen Zügen mit dem Besen in der Klasse beobachten."
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