Ein Prinz klärt auf

Im Film von Bertram Verhaag vertritt Charles, Prinz of Wales, eine Landwirtschaft ohne Gift und Gentechnik.
König Charles III. unterhält sich im Garten mit einer anderen Person.

Die Handschuhe und Jacken, die seine Großmutter, die "Queen Mum", bei der Gartenarbeit trug, hat ihr Enkel aufbewahrt. Mit ihr konnte er als Kind viel Zeit verbringen, daher stammt wohl auch seine Liebe zu Erde und Land. Als Charles, Prinz of Wales, 1980 das Anwesen Highgrove House im malerischen sanften Hügelland der Cotswolds in der Grafschaft Gloustershire zum Familiensitz erkor, begann er auch seine Vorstellungen von einer Bio-Landwirtschaft auf der angrenzenden Duchy Home Farm umzusetzen. Diese umfasst inzwischen rund 760 Hektar Land, liefert Gemüse, Kartoffeln, Obst, Fleisch von Weidetieren und Getreide, das mit alten Mühlsteinen gemahlen und zu eigenem Brot gebacken wird.

Alternativ-Nobelpreisträgerin Vandana Shiva sagt über den königlichen Landwirt: "Wenn er von draußen reinkommt, ist unter seinen Fingernägeln immer ein bisschen Erde, er ist kein manikürter Prinz." Dafür aber einer der bekanntesten Biofarmer der Welt und das Rückgrat der Öko-Bewegung bei den Briten.

Aus Bildbänden kennt man die Anlage der Gärten von Highgrove als einen wahr gewordenen englischen Gartentraum, der überdies mit dem Mehrwert punkten kann, ein ökologisches Vorzeigestück zu sein. Dem deutschen Dokumentarfilmer Bertram Verhaag, bekannt durch seine Filme zum Thema Gentechnik, ist es gelungen, eine exklusive Drehgenehmigung zu erhalten, um auch einmal die Duchy Home Farm in ihrer Bedeutung für die Wiederentdeckung einer biologischen Landwirtschaft ins rechte Licht zu rücken. Fünf Jahre hat Verhaag an "Der Bauer und sein Prinz" (womit der Farm-Manager David Wilson und Charles, Prince of Wales, gemeint sind) gearbeitet. Verhaag lässt sich darin Zeit, die Artenvielfalt auf dem Gelände vorzustellen, auf den Wildblumenwiesen, dem Weidegelände oder in der Apfelplantage mit den 1000 verschiedenen Sorten. Es werden Methoden der Biolandwirtschaft erläutert, beim Vieh und auf dem Acker. David Wilson erklärt, warum er sich seit Jahren im königlichen Auftrag engagiert: "Ich hatte Unbehagen gegenüber bestimmten Praktiken in meinem früheren Job. Das Land gehörte den Banken, die wollten den schnellen Profit bei wenig Betriebskosten".

Auf der Duchy Home Farm hingegen will man zeigen, dass man auch mit den Standards des Biolandbaus erfolgreich wirtschaften kann. So lassen sich beispielsweise, indem man den Ackerboden nur oberflächlich "ankratzt", statt ihn, wie im konventionellen Landbau üblich, deftig umzupflügen, bemerkenswerte 32 Liter Diesel pro Hektar Ackerland einsparen. Erklärtes Ziel ist es, Multiplikator dieser Ideen sein.

Die Duchy Home Farm soll "Verständnis für die Zusammenarbeit mit der Natur schaffen, anstatt sie weiterhin zu missbrauchen", nennt der Prinz sein Credo. Die Deutlichkeit, mit der der Thronfolger in den Filminterviews seine Sicht der Landwirtschaft vertritt, war für die Öffentlichkeit zum Teil geradezu atemberaubend. Er schaffte sich damit nicht nur Freunde. "Man hat ihn als 'verrückt' dargestellt", lautet die Meinung Vandana Shivas, "weil seine Ideen so vernünftig klingen in einer wahnsinnig gewordenen Welt."

In Großbritannien darf auf Veranlassung des königlichen Press Office der Film nicht gezeigt werden. "Das Pressebüro", erläutert Bertram Verhaag, "von dem wir die Drehgenehmigung erhalten hatten, ist berechtigt, auch ohne Begründung, eine solche Entscheidung zu treffen." Im Ausland hatte der Film einen guten Start und Lufthansa-Passagiere können sich bei Fernflügen damit auseinandersetzen.

- von Ingrid Greisenegger

"Das gesamte Subventionssystem auf der ganzen Welt unterstützt zurzeit die falsche Landwirtschaftsmethode. Das geförderte konventionelle System zeigt Nebenwirkungen, die einfach ignoriert und deren Kosten nicht miteinbezogen werden. Zum Beispiel die Kosten, beziehungsweise Schäden, durch Umweltbelastung. Aus den Augen, aus dem Sinn. Wenn man aber die Subventionssysteme umdrehen könnte, sodass Produkte aus biologischer und nachhaltiger Landwirtschaft billiger werden, was für den Konsumenten gut ist, dann wäre es teurer, Nahrung herzustellen, die der Umwelt und den Menschen schadet. Aber momentan sieht es genau anders aus." von Charles, Prinz of Wales, in dem Film "Der Bauer und sein Prinz"

"Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, als so vieles, was über Jahrtausende durch systematisches Ausprobieren liebevoll entwickelt, gezüchtet oder verbessert worden war, radikal und rücksichtslos abgeschafft wurde. Zum Glück gibt es in diesem Land Menschen mit Weitblick, die Organisationen gründeten und versuchten, manches vor diesem Zeitgeist-Vandalismus zu retten. Allmählich wird den Menschen bewusst, dass all diese Dinge ihren Wert besitzen und für unser langfristiges Überleben wichtig sind." von Charles, Prinz of Wales, im Vorwort zu " Highgrove. Ein Jahr im königlichen Garten."

"Der Bauer und sein Prinz" der Film von Bertram Verhaag auf DVD.
Dauer: 80 Minuten; Preis: 19,90 €

Link: www.derbauerundseinprinz.de
Bezug: www.denkmalfilm.com
Webshop: sales@denkmalfilm.com

Buchtipp " Highgrove. Ein Jahr im königlichen Garten." Charles, Prinz von Wales, Guinness, Bunny. Busse Seewald im frechverlag, Preis 41,10 €.

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