Leben
09.06.2018

Ein Hoch auf die Väter!

Mit dem Wandel der Vaterrolle wuchs auch die Bedeutung des Vatertags. Vier KURIER-Redakteure über den Wert ihrer Väter.

An die Popularität des Muttertags kommt der Vatertag noch immer nicht ganz heran. Woran das liegt?

Zum einen daran, dass es, im Gegensatz zum Tag der Mütter, kein einheitliches Datum gibt: In den USA wird traditionell am dritten Sonntag im Juni gefeiert, die Deutschen ließen ihre Papas bereits zu Christi Himmelfahrt hochleben. Der Muttertag hat zudem historisch eine ganz andere Bedeutung, erklärt die Soziologin Eva-Maria Schmidt vom Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF): „Während der Nazi-Herrschaft kam es zu einer Glorifizierung der Mutterrolle. Die traditionelle Familie sollte durch einen Feiertag in ihrem Überleben gestärkt werden.“

Heute jubelt am Muttertag vor allem die Wirtschaft: 185 Millionen Euro brachte er dem heimischen Handel heuer, knapp 80 Millionen mehr als der Vatertag.

Die Idee, Väter zu feiern, kam der Amerikanerin Sonora Smart Dodd im Jahr 1909: Auf diesem Weg wollte sie ihrem Vater danken, der seine sechs Kinder alleine großgezogen hatte. Vor allem in Deutschland entwickelte sich daraus im 20. Jahrhundert eine „Feier der Männlichkeit“, bei der Männer, Väter oder nicht, gemeinsam um die Häuser zogen und sich betranken.

Kluger Werbeplan

Dem österreichischen Werbefachmann Helmut Herz gefiel das nicht. Er wollte den „Herrentag“ wieder zu einem Familienfest machen – und zudem das im Sommer strauchelnde Textilgeschäft, in dem er tätig war, ankurbeln. Der zweite Sonntag im Juni, genau einen Monat nach dem Muttertag, erschien ihm als geeignetes Datum. Rasch berichteten die Medien von seiner Idee. Der Plan ging auf: Seit 1955 ist der zweite Sonntag im Juni in Österreich ein gesetzlicher Familien-Feiertag.

Mit dem Wandel der Vaterrolle seit den 70ern gewann er an Bedeutung, sagt Schmidt. Auch prominente Jungväter in den (sozialen) Medien sowie Diskurse über Karenz und Geschlechterrollen tragen dazu bei. „Der Vater wird nicht mehr auf die Rolle des Familienernährers reduziert. Der Vatertag wird zunehmend von der Familie als ein Tag begangen, an dem die Vater-Kind-Beziehung gefeiert wird.“

Anlässlich des Vatertags erzählen vier KURIER-Redakteure vom Wert ihrer Väter. Persönliche Gedanken über Mädchenpapas, Idole und schwierige Anfänge.

Der beste Mädchenpapa von allen

Mädchenväter werden bedingungslos angehimmelt, müssen dafür aber einiges mitmachen. Auch meiner. Eine beliebige Auswahl in chronologischer Reihenfolge: Barbie-Modeschauen, Hundewelpenwünsche, Physik-Nachhilfestunden,  Prä-Matura-Heulkrämpfe, Liebeskummer. Die Papa-Notfälle endeten freilich nicht mit dem Auszug der Töchter. Dann ging es erst los, das Vorhangstangen-Montieren, Ikea-Fahren und Waschmaschinen-Anschließen. (Das alles, bitte, mal zwei, weil Schwester.)

Vor allem war er da, wenn die anderen Männer ausließen. Sparte sich Vorwürfe, trocknete Tränen, fegte Selbstzweifel fort und eilte am Ende einer 50-Stunden-Woche nach Wien, um in einer Nacht- und Nebelaktion jene Wohnung auszuräumen, die er drei Jahre zuvor eingerichtet hatte (Vorhangstangen!). Kurz darauf irrten wir wieder einmal zu zweit durch den Möbelschweden. Im größten Samstagstrubel überlegte ich  20 Minuten, welche Seifenschale am besten zu den neuen Handtüchern passt – andere hätten mich angebrüllt, er aber bewachte seelenruhig meinen Einkaufswagen und meinte nur: Julchen, lass dir Zeit. Wir haben keinen Stress. 

So ist das nämlich: Für Papa zählen die kleinen Probleme genauso wie die großen. Wenn seine „Mendscha“ straucheln,  stützt er sie – subtil, sodass sie denken, sie schaffen es alleine – und  findet  eine Lösung.  Oder die perfekte Seifenschale.

Julia Pfligl

Poker-Queen statt Prinzessin

Ich war nie seine Prinzessin – von klein auf hat er mich dazu ermutigt, eigenständig Entscheidungen zu treffen. Und jedes Mal, wenn ich nicht weiter weiß, fällt mir sein Mantra  ein: Du bist nur ein Mal fünfzehn (oder XY) Jahre, drei Monate, zwei Wochen und vier Tage alt – das kommt nie, nie wieder zurück! Also mach das Beste daraus. 

Mein Papi ist Mitte der 60er Jahre  aus dem Iran nach Österreich gekommen und hat die Blüte der Studentenbewegung miterlebt. Abends haben wir oft Stunden damit verbracht, zu philosophieren – besser gesagt, er hat über die Welt geredet und mir sind die Augen zugefallen. Meistens ging es darum, wie schlecht Religionen sind und wie sie instrumentalisiert werden. Dazu gab es ein weiteres Mantra: Das Einzige, was du über Religion wissen musst, sind die drei Grundsätze der Zarathustrer: Denke gut, sprich gut, handle gut.

Auch darüber, was „gut“ eigentlich bedeutet und wie es ausgelegt werden kann, haben wir viel gesprochen.
Von meinem Papi habe ich nicht nur gelernt, mich selbst nicht zu ernst oder zu wichtig zu nehmen, sondern auch, wie man richtig pokert – wenn wir Sonntagnachmittags mit einem Bud-Spencer-Film im Hintergrund um Groschen gezockt haben, hielt sich die Begeisterung meiner Mama in Grenzen – aber das ist eine andere Geschichte...

Laila Daneshmandi

Sohn wird Vater, Vater wird Opa

Sobald man selbst Kinder hat, definiert sich das Verhältnis zu den eigenen Eltern neu.

Ich hatte mit meinem Papa, den ich nur Vater nenne, wenn es besonders ernst oder  lustig ist, keinen guten Start. Meine Eltern trennten sich zur Volksschulzeit, meine Erinnerung beginnt mit der klassischen Jedes-Zweite-Wochenende-Beziehung. Ein dämliches Konstrukt, ein Vater will dann geballt lieben und erziehen, lustig und streng sein, es geht nie auf, kommt mir vor. So wurde aus uns erst was, als ich quasi auf eigenen Beinen stand, nach den turbo-pubertären Jahren, mit 17 oder so.

Was dann folgte, entschädigte uns aber beide, glaube ich, Papa wurde verlässlicher Partner bei vielen Projekten, Sponsor und immer stolzer auf seinen Sohn. Es gipfelte, und da wurde mir das alles bewusst, in meiner einjährigen Weltreise: Die unfassbare Erdkarten-Torte, die er zum Abschied gestaltete. Der finanzielle Beistand. Und das Mitreisen: Papa  wusste über jedes Land alles, bevor ich es betrat. Er lebte meine Reise wie kein anderer.

Aber seit ich Kinder habe, seit er jener Opa ist, der in den Vulkan springen würde, um das Lieblingsspielzeug seines Valentins und seiner Rosemarie rauszuholen, seit er sie so verehrt, dass ihre Wünsche nie ins Leere gehen und alle Strenge aus seinem Handeln gewichen ist ... seitdem verehre ich ihn. Das hat er sich verdient.

Axel N. Halbhuber

Die Geborgenheit ist geblieben

Beim Paralleleinparken in die kleinste Wiener Parklücke zum Beispiel. Ich profitiere noch heute von den, sagen wir: intensiven Fahrstunden mit meinem Vater. Oder wenn es mich in die Ferne zieht, so wie ihn oft. Dann ertappe ich mich dabei, mit ihm zu reden. Das klingt durchaus komisch, denn Papa ist zu Weihnachten 1999 gestorben, mit 59 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Ich denke mir dann: Dieser Mensch hat mich so geprägt,  dass er eben nie ganz weg sein wird. Ich bin überaus dankbar für unsere  starke Vater-Tochter-Beziehung. Seine große Liebe, sein Wohlwollen mir gegenüber habe ich immer gespürt. Trotz  seiner Anleitungen und Empfehlungen hat er mich „Ich“ sein lassen. Auch wenn wir, je älter ich wurde, immer öfter nicht  einer Meinung waren.

Dieser durchaus traditionelle und rationale Mann war sich Anfang der 1970er-Jahre am Land nicht zu gut, sein Kind zu wickeln und nächtens zu füttern. Das versichert meine Mutter glaubhaft.  Er hat ein Haus gebaut, half aber auch im Haushalt mit. Das hat sicher mein Männerbild mitgeprägt. Selbst nach einem langen Arbeitstag nahm er sich Zeit für mich, ob für Vorlesen oder  Vokabeln abfragen.  Und  das Gefühl des Aufgehobenseins, wenn ich während der ZiB auf Papas Schoß saß, das ist geblieben.  

Ingrid Teufl