Dotcom könnte Vermögen zurückerhalten

Megaupload-Gründer Kim Dotcom könnte von Verfahrensfehler der neuseeländischen Behörden profitieren.

Kim Schmitz alias Kim Dotcom - die wohl schillerndste Person, mit der die Internetbranche derzeit aufwarten kann. Wenn sein Leben jemals verfilmt werden sollte, über Material müsste man sich keine Sorgen machen. Bereits seine spektakuläre Verhaftung, bei der er sich in seinen Panikraum verkroch und nicht kampflos aufgeben wollte, würde ausreichend Grundlage bieten. Die Einsatzkräfte mussten sich den Weg in den Panikraum freischneiden und fanden Schmitz in der Nähe einer Waffe wieder. Nun kommen nach und nach Details seines aufwändigen Lebensstils an das Tageslicht und bieten ein gefundenes Fressen für die Medien. Allen voran seine kostspielige Villa, das Dotcom Mansion, auf das der 38-jährige deutsche Internetunternehmer besonders stolz ist. Das 18-Millionen Euro Luxusanwesen in Auckland erwarb Schmitz als er mit seiner Familie nach Neuseeland übersiedelte. Giraffen bewachen das Anwesen vor unerbetenen Gästen. Das schien allerdings die Polizei vergangene Woche nicht davon abzuhalten die Geburtstagspläne von Schmitz zu durchkreuzen und dabei Autos im Gesamtwert von 3,7 Millionen Euro zu beschlagnahmen. Ansonsten bietet das Anwesen alles was das Herz begehrt. Auf über 2300 Quadratmetern finden sich neben Swimming Pool, Hubschrauberlandeplatz und Tennisplatz auch noch ein Labyrinth. Und natürlich Garagen... ...die ausreichend Platz für seine eindrucksvolle Autosammlung bieten. Neben einem Rolls Royce Phantom - passenderweise mit dem Nummernschild GOD versehen - fand sich auch ein pinker Cadillac, Baujahr 1959, in seiner Garage. Insgesamt haben die Fahrzeuge einen Gesamtwert von 3,7 Millionen Euro und dürften dem leidenschaftlichen Rennfahrer abgehen. Schmitz nahm unter anderem auch an Autorennen wie Gumball 3000 teil, bei dem eine Art Rally quer durch Europa veranstaltet wird. Dabei ließ er sich auch filmen, unter anderem dabei, wie er Polizisten bestoch, damit sie einen Konkurrenten aufhalten. Seine zweite große Leidenschaft neben Autorennen sind Computerspiele. So startete er kurz nach der Veröffentlichung von Call of Duty: Modern Warfare 3 eine Art Speedrun und spielte sich an die Spitze der Weltrangliste. Als Belohnung dafür ließ sich Megaracer - so nennt er sich in Modern Warfare 3 - mit Konfetti feiern und stellte anschließend das Video zu seinem Erfolg auf YouTube. Doch mittlerweile ist die Torte wohl nicht mehr aktuell, denn inzwischen musste er die Spitzenposition schon wieder räumen. Mit 9,09 Millionen Punkten hat ihn ein Konkurrent hauchdünn auf Platz Zwei verdrängt. "Ich gebe lieber Geld aus als es zu horten", sagte er einmal als Gast in der Harald-Schmidt-Show. Das stimmt definitiv. Allein um eine Aufenthaltsbewilligung für Neuseeland zu erhalten investierte er knapp zehn Millionen Neuseeland-Dollar in neuseeländische Staatsanleihen. Um in der Öffentlichkeit Eindruck zu schinden sponserte er ein spektakuläres, zehn Minuten andauerndes Neujahrsfeuerwerk, das er selbst gemeinsam mit seiner Frau von einem Helikopter aus beobachtete. Kostenpunkt: 500.000 US-Dollar. Aber auch in der Firmenzentrale von Megaupload in Hong Kong ließ sich Schmitz nicht lumpen und investierte einiges in ein professionelles Auftreten des Unternehmens, das ihm insgesamt 175 Millionen US-Dollar gebracht haben soll. Auch bei der Wahl seines Anwaltes setzte Schmitz auf einen bekannten Namen - Robert Bennett, der bereits den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton bei den Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs vertrat. Doch der sprang ihm jetzt ab, da es einen Interessenskonflikt mit einem anderen Klienten seiner Kanzlei gebe. Einen guten Verteidiger wird Schmitz definitiv brauchen, denn ihm und seinen Mitangeklagten werden Verstösse gegen das Gesetz zum Schutz von Urheberrechten, Geldwäsche und organisiertes Verbrechen vorgeworfen. Allein auf letzteres stehen 20 Jahre Haft.

Als die Polizei Kim Dotcom am 19. Jänner auf Bitten der US-Regierung in seiner Villa verhaftet wurde, beschlagnahmten Beamte sein Vermögen. Aus dem Anwesen wurden Bargeld, Autos, Jet Skis, Kunstgegenstände und andere Wertsachen konfisziert, der MegaUplopad-Gründer landete im Gefängnis.

Kim Dotcom ist mittlerweile nicht mehr im Gefängnis, sondern in Auckland unter Hausarrest. Jetzt könnte er auch sein Vermögen von rund 200 Millionen Dollar wiederbekommen. Bei einem Verfahrensfehler wurde ein falsches Dokument ausgefüllt. Dadurch ist die einstweilige Verfügung, mit der die Wertgegenstände beschlagnahmt wurden, "null und nichtig", erklärte ein neuseeländisches Gericht.

Dotcoms Anwaltteam verlangt nun die Rückgabe des Vermögens, da die Beschlagnahmung ungesetzlich war. Das neuseeländische Gesetz sieht aber die Möglichkeit von Fehlern bei einstweiligen Verfügungen vor. Dotcoms Anwälte müssen deshalb beweisen, dass die falsche Verfügung nicht im guten Glauben der Beamten beantragt wurde.

(futurezone) Erstellt am
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