Wie Apps und Laptops das Lernen verändern

So wie einst der Buchdruck wird bald das Internet die Bildung revolutionieren, lautet eine These. Ein Blick in die Zukunft.
Ein junger Mann mit Fliege arbeitet konzentriert am Laptop vor einer Wand mit Skizzen.

Die digitalen Medien werden das Lernen revolutionieren, lautet die These von Jörg Dräger ( Bertelsmann-Stiftung). Ein Beispiel: Das Lernen werde mithilfe einer auf jeden Schüler speziell zugeschnitten Lernsoftware immer individualisierter. Viel Erfahrung in diesem Bereich hat die Khan-Academy, die durch Lernvideos im Internet weltweit bekannt wurde. Die Academy hat die Daten vieler User ausgewertet und nutzt diese, um Lernwege und Übungen auszuarbeiten, die auf jeden Schüler speziell abgestimmt sind. Heikel: Die Daten des Lernenden bleiben im Netz – meist für immer.

Eine weitere Entwicklung sind "Flipped Classrooms": Schüler eignen sich per Video Kenntnisse z. B. über das Bruchrechnen an. Im Unterricht diskutiert der Lehrer dann nur noch mit den Schülern über das Gelernte. Damit ändert sich die Rolle des Lehrers – vom Vortragenden zum Coach.

Eine Vorlesung - Millionen Zuhörer

In Europa sind sie noch die Ausnahme, in den USA schon ein Trend: MOOCs (Massive Open Online Course) – offene Onlinekurse, die Stoff per Video erklären und begleitende Übungen anbieten. Das begrüßen einige als Demokratisierung der Bildung, wie es sie seit der Erfindung des Buchdrucks nicht mehr gegeben hat, weil so Wissen gratis oder sehr billig allen überall zur Verfügung steht.

Dass die MOOCs besonders in den Staaten im Kommen sind, wundert wenig: Ein reguläres Studium ist dort mittlerweile zum Verschuldungsfaktor Nummer 1 avanciert. Zudem verstehen es Elite-Unis wie Harvard oder Stanford, ihre starken Marken zu nutzen, um als Bildungsinstitution weltweit Studenten zu rekrutieren. Eine Gefahr für die europäischen Hochschulen, aber auch für die westlichen Eliten: Etwa dann,wenn bei einem Online-Seminar eines Professors aus Stanford kein Student der Elite-Uni zu den Besten gehört, sondern ein 14-jähriges Mädchen aus Pakistan.

Algorithmen bestimmen Jobs und Studienplatz

Für junge Menschen ist es heute meist eine schwierige Entscheidung: Was soll ich studieren oder lernen? Das Angebot an Ausbildungen und Studienzweigen ist riesig, weil sich die Berufe immer mehr diversifizieren. Eine kleine Universität in Tennessee (USA) geht bei der Studienberatung neue Wege: Algorithmen prognostizieren, welcher Kurs und welches Studium für einen Studenten am geeignetsten ist. Er sagt sogar mit großer Treffsicherheit voraus, wie gut er abschneiden wird.

Einen anderen Weg geht ein US-Start-up. Sie verwenden Algorithmen, um aus Zigtausenden Arbeitsuchenden, die sich weltweit um eine Stelle bewerben, den Besten herauszufinden. Dabei setzen sie nicht auf Dokumente wie Lebenslauf und Zeugnisse. Sie haben ein 20-minütiges Computerspiel entwickelt, das ein Kompetenzraster erstellt. Dies zeigt, ob jemand zu einem Jobprofil passt. Bildungsexperten wie Jörg Dräger sehen darin einen Angriff auf traditionelle Bildungsabschlüsse.

Buchtipp:Jörg Dräger/Ralph Müller: Die digitale Bildungsrevolution. DVA, 18,50 €.

Lesen Sie morgen auf www.kurier.at/leben: Wie der Philosoph Konrad Paul Liessmann die "schöne neue Welt des Lernens" bewertet.

Kommentare