Leben
29.04.2018

Die schönsten Touren: Österreich auf dem Rad entdecken

Es gibt fast alles: steile und flache Touren, am Wasser und über das Land. Hier ein erster guter Überblick.

Der Bodensee-Radweg

Vorteil: Es ist immer flach, oder sagen wir: fast immer. Rund um den See und entlang von Flüssen gibt es selten Steigungen, was Radtouren am Wasser besonders familientauglich macht. Zum Beispiel der Bodensee: Der Weg plätschert so dahin, dass man Zeit für Stopps hat. Die bestehen erstens aus Kirchen und Schlössern in idyllischen Seestädtchen, zweitens aus Blumen-umrandeten Seepromenaden und drittens aus coolen Spielplätzen, Affenberg, Wild- und Freizeitpark, Pfahlbaumuseum und abenteuerlicher Lädinenfahrt  für die Kinder.

Dazwischen liegen gut ausgebaute Asphalt-Radwege zwischen Bahnschienen, Feldern und Obstplantagen. Manche der Highlights liegen im Hinterland, daher sind kurze Etappen klug, andere liegen am Weg: die Glashausalleen der Insel Reichenau etwa oder die faszinierende Blumeninsel Mainau. Nicht verpassen sollte man auch die Magie der Rheinmündung bei Bregenz, ein hübscher Umweg in die Natur.

Bodensee-Radweg: 270 Kilometer meist flach durch sechs Regionen in drei Ländern, auf der Schweizer Seite ruhiger, auf der deutschen viel Kinderprogramm. Info: www.bodensee.eu, www.bodenseetouren.eu.  Service von Leihrad bis Gepäcktransport und Packages bietet Veranstalter Radweg-Reisen: www.bodensee-radweg.com

Mittlerweile gibt es um fast jeden größeren See eine Radrunde, zu empfehlen sind etwa Wolfgangsee (24 km, wolfgangsee.salzkammergut.at) und Wörthersee (viele Wege, rund 40 km, www.woerthersee.com).

Ebenso beliebt sind Flusswege, der Donauradweg ist der bekannteste, obwohl vor und nach Österreich schöner. ( 320 km, www.donauregion.at) Weniger frequentiert sind Drau- (356 km, www.drauradweg.com) und Ennsradweg (263 km, www.ennsradweg.com)

Der Weinviertel-Radweg

Es gibt Landstriche, bei deren Namen ein Zauber mitschwingt, „ Toskana“ ist so, oder auch die „Provence“, oder sagen wir „Wachau“. Dort ist die Gegend der Star, Bauwerke, Essen und Menschen werden zu Nebendarstellern.

Viele solcher Gegenden scheinen für Radtouren erfunden und sind längst erschlossen, oft Teil des EuroVelo-Netzes, das auf 15 Langstreckenradwegen Europa durchzieht. So führt der EuroVelo 9 von der Ostsee zur Adria und dabei durch eine österreichische Landschaft dieses Formates, das Weinviertel. Wo die Weinstöcke gerade so hoch sind, dass sich Pedalritter verstecken oder den Kopf über das Blätterdach recken können, wo ständig ein Pausen-Achterl vor einem Weinkeller wartet. Hier führt der EuroVelo 9 von der tschechischen Grenze auf stillen Nebenstraßen nach Wien, was einer strammen Tagestour oder gemütlichen 2- bis 3-Tagestour entspricht.

Das angrenzende Waldviertel ist auch so eine markante Landschaft, zu entdecken etwa auf der Thayarunde: 111 Kilometer Thayaregion, großteils auf ehemaligen Bahntrassen und sanften Hügeln. www.thayarunde.eu

Ebenfalls eine starke Landschaft entdeckt man auf 345 Kilometern Salzkammergutradweg, aber Achtung: 1850 Höhenmeter bergauf verlangen Kondition. www.salzkammergut.at

Wesentlich flacher, nämlich ganz flach, ist die Fahrt durch die beeindruckende Schilf- und Steppenkulisse rund um den Neusiedlersee: 121 km, www.neusiedlersee.com

Breclav–Wien auf dem EuroVelo 9:knapp 90 km (entspricht rund 6 Stunden Fahrzeit), insgesamt 300 Meter bergauf und 300 Meter bergab. Breclav (Lundenburg) ist ab Wien mit der Bahn erreichbar. Info: www.eurovelo.com, www.weinviertel.at, www.eurovelo9.com

Weinlandtour in der Südsteiermark

Manchen Radlern ist nicht der Weg das Ziel, sondern das Ziel. Sie wollen immer neue Plätze erreichen, an denen gegessen und getrunken wird, an denen Tratschen vor Treten kommt. Oder es kulturelle Highlights zu sehen gibt.

So haben sich, international wie national,  einige Radwege etabliert, die Kultur oder Kulinarik in den Vordergrund stellen. Auf der Weinland Steiermark Radtour sieht man das schon auf der Strecke, ist man doch oft von Wein- und Apfelgärten umrahmt. In der Süd- und Oststeiermark geht es natürlich oft um das Kernöl – etwa in einer der Schau-Ölmühlen entlang des Weges –, natürlich oft um den Kürbis und den Apfel. Und natürlich stolpert man ständig in Vinotheken und Buschenschenken.

Der Einstieg ist bei diesem Rundkurs überall möglich. Da die gesamte Strecke recht lang und oft sehr hügelig ist, empfiehlt sich für Genießer zuerst der Teil ab Bad Radkersburg, der entlang der bekannten Südsteirischen Weinstraße führt.

Hier zeigt sich auch der kulturelle Anspruch des Weges, schließlich gehört Bad Radkersburg  zu den „Kleinen Historischen Städten“ und obliegt dadurch speziellen Kriterien, alles zu sehen in einer Stadterkundung. Auch nach Deutschlandsberg schlägt die Kultur einem um die Ohren, hier vor allem in Form von Burgen, Schlössern und Wallfahrtskirchen.

Weinland Steiermark Radtour (Teil):Die gesamte Runde beträgt 405 km, der gezeigte Ausschnitt rund 170 km. Die hügelige Strecke braucht einige Kondition, es empfiehlt sich evtl. ein E-Bike (dazu alles auf den Seiten 4 und 5). Info: www.steiermark.com/weinlandradtour

Die Steiermark hat sich generell einen guten Ruf als Radler-Destination erarbeitet, ein weiterer besonderer Kulinarik-Weg mit vielen Wirten ist der Raabtalradweg durch Oststeiermark und Südburgenland (112 km, teilweise Steigungen, www.raabtal-radweg.at). Auch der Murradweg gilt als kulinarisches Highlight. (458 km bis Kroatien www.murradweg.com)

Auf dem Römerradweg, der vom Donauradweg abzweigt und wieder in ihn mündet, gibt es viel aus der Römerzeit zu entdecken (242 km www.roemerradweg.at). Kulinarische und kulturelle Aspekte verbindet der Donauradweg-Abschnitt durch die  Wachau.

Der Tauernradweg

Natürlich wohnt der Vorstellung eine gewisse Faszination inne, über einen Berg zu fahren. Oder gar, ein ganzes Gebirge zu überqueren. Andererseits ist es, wie es klingt: verdammt anstrengend. Weil es aber viele fasziniert, haben sich mittlerweile einige Radwege auf und über Berge etabliert, die auch der nur mittelmäßig trainierte Biker schaffen kann. Zum Beispiel der Tauernradweg. Die imposanten Hohen Tauern, Österreichs Gebiet mit den meisten Dreitausendern, sind nämlich vor allem namensgebend – und immer im Blick. Die Strecke führt vor allem im Tal entlang der Salzach, Saalach und Inn.

Wobei sie natürlich ständig zu Ausflügen in die Berge einlädt, wahlweise mit oder ohne Rad. Schon beim Start sind die Krimmler Wasserfälle ein würdiger Auftakt, Urgewalt trifft Gewalttour – in den größten Wasserfällen Europas und fünfthöchsten der Welt stürzen pro Sekunde bis zu 40.000 Liter Wasser 380 Meter hinunter. Nur kurz danach kann man in Neukirchen per Gondel den Wildkogel  entdecken, später die Kapruner Stauseen auf 2000 Meter oder die Berge des Steinernen Meeres. Es gibt die Burg Hohenwerfen und Rieseneishöhlen zu erforschen. Und der Nationalpark  lädt gleich mehrfach zum Besuch.

Ab Golling oder Bad Reichenhall wird der Radweg nach Norden flach und wechselt seinen Flair. Statt gewaltiger Berge steht üppige Kulturgut im Vordergrund.

Tauernradweg: Auf 310 km entlang der Hauptroute trifft man auf weniger Steigungen als erwartet. Dennoch laden die Berge rundum zu Höhenerfahrungen, auch auf Alternativwegen mit dem Rad. Info: www.tauernradweg.com

Ein echter Alpenübergang, angeblich der leichteste für Radler, ist die Via Claudia Augusta (717 km, www.viaclaudia.org). Die lange Strecke führt zwar auch über 1513 Meter Seehöhe (Reschenpass), ist insgesamt von der Donau bis zur Adria aber so angelegt, dass sie vor allem durch große Talböden führt. Dennoch unbedingt nur mit Kondition zu schaffen.

Ebenfalls über die Alpen führt der Alpe Adria Weg. (418 km, www.alpe-adria-radweg.com) Diese Strecke beginnt in Salzburg und führt nicht über Tirol, sondern Kärnten weiter, dabei nutzt sie die Bahnverbindung der „Tauernschleuse“ durch den Berg (Böckstein-Mallnitz).

Mit der Route München-Venedig (560 km,  www.muenchen-venezia.info) gibt es seit kurzem auch einen direkten Weg über die Alpen (Brennerpass). Die Strecke führt entlang schöner Seen und Berglandschaften, weist aber 3000 Höhenmeter auf.