Das waren die Aufgaben der ersten Englisch-Zentralmatura

Am Mittwoch fand die Englisch-Zentralmatura statt – das waren die Aufgabenstellungen.
Eine junge Frau sitzt an einem Tisch und denkt über einer Aufgabe nach.

Wie die Deutsch-Zentralmatura gingen auch gestern die Englisch-Klausuren ohne Zwischenfälle über die Bühne. Am Abend lud das Bifie Medienvertreter zur Englisch-Klausur – auch der KURIER nahm daran teil (siehe den unteren Abschnitt).

Anders als die Deutsch-Klausuren bestand die 270-minütige Englisch-Matura nicht aus einer einzigen gleich zu Beginn verteilten Angabe, die Maturaaufgaben wurden diesmal gestaffelt: Die Prüfung umfasste vier Teile (Leseverständnis, Hörverständnis, Sprachverwendung im Kontext, Schreiben). Für den Leseteil waren 60 Minuten reserviert, für das Hören (je nachdem, ob die Sprache vier, sechs oder acht Jahre gelernt wurde) maximal 40 oder maximal 45 Minuten, für die Sprachverwendung im Kontext 45 Minuten und für das Schreiben (je nach Lerndauer) 120 oder 125 Minuten.

Die Hörbeispiele für B1 und B2

Die Aufgaben waren allerdings nicht an allen Schulen exakt gleich: Je nachdem, ob die Sprache acht oder sechs Jahre gelernt wurde, wurden teils unterschiedliche Aufgaben vorgelegt. Für die Beurteilung werden die vier Teile zu zwei Kompetenzbereichen zusammengefasst - einen rezeptiven (Lesen und Hören) und einen produktiven (Sprachverwendung im Kontext und Schreiben). Beide Bereiche werden gleich gewichtet.

Download: Hier können Sie die Textbeispiele für den Teil Lesen und den Teil Sprachverwendung im Kontext (AHS, B2) herunterladen.

In beiden Kompetenzbereichen müssen mindestens 50 Prozent der Punkte für eine positive Note erreicht werden, insgesamt müssen 60 Prozent gelöst werden. Die Verwendung von Wörterbüchern war nicht erlaubt.

Die vollständigen Aufgaben wurden am Donnerstag auf der Homepage des Bundesinstituts für Bildungsforschung veröffentlicht.

Eine Englisch-Matura haben am Mittwoch nicht nur die AHS-Schüler geschrieben. Am Abend haben auch einige Journalisten die Möglichkeit genutzt, Teile der Reifeprüfung in den Räumen des Bifie zu machen. Für den KURIER ist auch die Schülerin Katharina Hann (6. Klasse des BRG Krems) angetreten – eine der Jugendlichen, die am "Teenager machen Zeitung"-Projekt teilgenommen haben.

Bevor Bifie-Direktor Jürgen Horschinegg die Prüfungsunterlagen öffnete und einige salbungsvolle Worte an die Kandidaten richtete, fühlten sich wohl einige an die Schulzeit zurückerinnert. Und als auch dann noch die Handys eingesammelt wurden, war klar: Hier wird maturiert.

Wie im echten Leben erläuterte die Professorin die Aufgaben. Im Saal war es entsprechend still: Jeder Regentropfen war zu hören, jedes "Hmmm" eines Kandidaten fiel auf und sorgte für Lacher bei den Journalistenkollegen.

Drei Aufgabenbereiche mussten die Redakteure und Jungjournalistin Katharina bewältigen: Lesen, Hören und Sprachverwendung im Kontext. Die Maturanten mussten auch noch schreiben. Für jeden Teil gab es eine fixe Zeitvorgabe. So richtig ins Schwitzen gekommen sind die meisten beim Hören eines Textes über die Sportlerin Aliann Pompey. Die Hintergrundgeräusche wie etwa Ball spielende Jugendliche waren da eine besondere Herausforderung. Und auch die Zeitvorgaben waren hier etwas knapp.

"Dennoch war es schaffbar", sagt Katharina, die sich aber mit Sprachen leicht tut und deshalb nicht als Maßstab gelten will. Mit ihren Englischkenntnissen könnte sie jedenfalls zur Matura antreten. Anders wird das wohl in Mathematik sein: "Vor dem Fach habe ich schon Respekt."

Im Prüfungsstress sind diese Woche nicht nur Maturanten, sondern auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Nach der holprigen Generalprobe im Vorjahr startet die Zentralmatura für alle AHS. Heute steht Deutsch auf dem Prüfungsplan, am Mittwoch folgt Englisch und kommenden Montag Mathematik. So läuft die "standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung an AHS" ab.

Wer darf zur Matura antreten?

Jeder AHS-Schüler, der die 8. Klasse in allen Fächern positiv abgeschlossen hat, darf zur Prüfung. "Nicht genügend" mit einer Jahresprüfung bei der Matura ausbessern – das geht nicht mehr. Jetzt können Kandidaten vor der Matura eine Wiederholungsprüfung ablegen. Zugelassen ist auch, wer seine vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) nicht abgegeben oder bestanden hat. Denn die VWA ist neben der schriftlichen und der mündlichen Prüfung eine von drei Säulen der Zentralmatura. Die drei Blöcke können auf Termine im Sommer, Herbst oder Frühjahr 2016 aufgeteilt werden.

Wie kommen die Aufgaben an die Schule?

Ab 20. April wurden die gedruckten Maturaaufgaben mit der Post versendet. Diese liegen mittlerweile in den Safes der Schulen. Um Pannen wie im Vorjahr zu vermeiden, erhalten alle Schulleiter am Prüfungstag um 6.30 Uhr einen Code per SMS, mit dem sie die Fragen aus dem Internet laden und bei Bedarf ausdrucken können.

Zu welcher Uhrzeit beginnen die Prüfungen?

Das kann jede Schule selbst festlegen. Denn organisatorisch ist ein einheitlicher Beginn kaum möglich, da die öffentlichen Verkehrsmittel häufig den Terminplan vorgeben. Zudem braucht die Schule einen Spielraum. Sollte es zu einem Stau, einer Panne bei der U-Bahn oder anderen Zwischenfällen kommen, kann der Direktor reagieren.

In welchen Fächern treten alle Maturanten an?

Alle treten in Deutsch, Mathematik und einer lebenden Fremdsprache zur schriftlichen Prüfung an. Wählen Maturanten ein viertes Fach, müssen sie nur zwei anstatt drei mündlicher Prüfungen ablegen.

Welche Hilfsmittel sind erlaubt?

Es dürfen jene Hilfsmitteln benutzt werden, die zuvor in der Schule erlaubt waren: In Mathematik sind das Taschenrechner oder Laptop, in Deutsch ist es das Wörterbuch in Papier- oder elektronischer Form. Die Autokorrektur muss ausgeschaltet sein. Das ist schwierig zu kontrollieren und führt zur nächsten Frage:

Wie soll das Schummeln verhindert werden?

Direktoren haben dafür zu sorgen, dass die Schüler keine "unerlaubten Hilfsmittel" verwenden. In der Praxis sind das heute kaum noch Schummelzettel, sondern elektronische Helfer wie Smartphone, iPod oder USB-Stick. Sie müssen deshalb vor dem Test abgegeben werden. Wer Geräte behält und beim Mogeln erwischt wird, der wird in diesem Fach nicht benotet und darf erst im Herbst zur Prüfung antreten.Wer schummelt und erwischt wird, ist jedenfalls schlechter dran als der, der einen Fleck auf eine Klausur hat.

Wie wird benotet? Wann weiß der Maturant, ob er die Prüfungen bestanden hat?

Für alle Fächer gibt es ein Bewertungsschema, an das sich die Korrektoren zu halten haben. Welche Noten in einem Fach der Schüler hat, wird bei der Beurteilungskommission festgelegt, die z. B. in Wien am 21. Mai tagt. Sollte ein Schüler in einem Fach durchfallen, so muss das "Nicht genügend" im Sinne der Leistungsbeurteilungsverordnung (LBVO) begründet werden. Wer einen "Fleck" bekommt, hat bis 27. Mai Zeit, sich zu entscheiden, ob er eine Kompensationsprüfung macht. Damit erreicht er bestenfalls einen Dreier im Maturazeugnis. Er kann im Herbst zur 1. Wiederholung antreten und wahrt so die Chance auf einen Einser.

Wie läuft die mündliche Matura ab?

Die meisten Schulen werden erst nach Fronleichnam, am 8. Juni, mit der "Mündlichen" beginnen – auch wenn der erstmögliche Termin der 3. Juni ist. Für jedes Fach gibt es einen Pool von 12 bis 24 Aufgaben mit je 2 Fragestellungen – abhängig von der Wochenstundenzahl des Prüfungsfachs. Daraus werden zwei Aufgabenbereiche gezogen, einen davon sucht sich der Schüler aus. Der Lehrer teilt aus diesem Bereich eine Aufgabe zu, die den Schülern zuvor nicht bekannt sein darf. Über das Ergebnis der mündlichen Prüfung entscheiden Direktor und Klassenvorstand mit je einer Stimme sowie Prüfer und fachkundlicher Beisitzer, die gemeinsam eine Stimme haben.

Wie kann man gegen einen Fünfer berufen?

Erst wenn alle drei Teile – VWA, mündliche und schriftliche Prüfung – absolviert wurden, kann ein Widerspruch eingelegt werden: in erster Instanz beim zuständigen Landesschulrat, in zweiter beim Bundesverwaltungsgericht.

Was passiert, wenn ein Schüler verhindert ist?

Ist ein Maturant krank, so kann er zu den Ersatzterminen im Herbst (ab 17. September) oder Winter (ab 11. Jänner 2016) antreten. Sollte ein Schüler noch während des Haupttermins gesund werden, ist ein Einstieg in die laufenden Prüfungen jederzeit möglich. Kein Grund, die Nerven wegzuwerfen.

Zeitpläne für den Haupttermin und die beiden Nebentermine im Schuljahr 2014/2015 siehe hier.

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