Leben
24.11.2018

Mir egal, wie alt ich bin... ich will einen Adventkalender!

Craftbeer, Socken, Sex-Spielzeug: Man beschenkt einander nicht mehr nur am Heiligen Abend, sondern in der ganzen Vorweihnachtszeit.

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Der Countdown zum Countdown läuft: Heute in einer Woche öffnen wir das erste von 24 Türchen des Adventkalenders. Längst befinden sich hinter diesen nicht mehr nur Schokolade oder Bildchen.

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Die kleinen Geschenke erfreuen sich bei Erwachsenen großer Beliebtheit: Laut Süßwarenverband Sweets Global Network werden mittlerweile mehr Kalender für Erwachsene als für Kinder verkauft.

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Kein Wunder also, dass der Satz „Mir egal, wie alt ich bin, ich will einen Adventkalender“ aktuell wieder durchs Netz geistert. Und es natürlich selbst auf einen Kalender geschafft hat (erhältlich bei Amazon).

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Woher aber kommt die Tradition? Im 19. Jahrhundert begannen Eltern, ihren Kindern die verbleibende Zeit bis zum Heiligen Abend anschaulich darzustellen, um deren Vorfreude zu steigern.

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Manche malten mit Kreide 24 Striche auf den Türstock, von denen die Kinder jeden Tag einen wegwischen durften. Andere Familien hängten 24 Bilder mit weihnachtlichen Motiven ins Fenster.

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200 Jahre später ist aus der Tradition ein lukrativer Geschäftszweig geworden – kaum eine Branche, die ab Oktober nicht ihre eigene Version des Adventkalenders zum Verkauf anbietet.

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Den wohl besten Überblick im Adventkalender-Dschungel hat Markus Land. Der Deutsche betreibt die Website www.mein-adventskalender.de, wo er jedes Jahr die beliebtesten Kalender auflistet.

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Für Firmen seien die Kalender eine gute Gelegenheit, neue Produkte auf den Markt zu bringen oder Ladenhüter loszuwerden. „Adventkalender sind wie eine Art Marktforschung“, sagt Markus Land.

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Das gilt vor allem für den Schönheits- und Kosmetikbereich, beobachtet Land. „Beauty-Kalender boomen, viele sind bereits ausverkauft. Heuer sind  MAC, Rituals und Weleda unter den beliebtesten.“

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Der Trend zu „Non-Food-Kalendern“ zeigt sich auch bei dm. „Die Anzahl der Adventkalender im Beauty-Bereich hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht“, sagt Geschäftsführerin Petra Gruber.

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Als heißer Klassiker hat sich der Adventkalender des Erotik-Online-Shops Amorelie etabliert: Für 129,90 € warten 24 Sexspielzeuge. Sogar Drogerien haben ihn bereits in ihr Sortiment aufgenommen. 

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Feinschmecker in Weihnachtsstimmung werden bei Meinl am Graben fündig: Mehr als 100 (!) Adventkalender bietet das Delikatessengeschäft an, besonders gefragt sind nostalgische Exemplare. 

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Ansonsten gilt: Je ausgefallener, desto besser. So wie der Honig-Adventkalender, der Honig aus allen 23 Wiener Bezirken birgt. Noch süßer: Vanillezucker-Adventkalender. (Graben 19, 1010 Wien)

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Auch Hochprozentiges soll immer öfter die Wartezeit auf Weihnachten verkürzen. Im Craft Beer Adventkalender von Foodist finden sich 24 Biere von kleinen Manufaktur-Brauereien.

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Noch begehrter ist der Gin-Kalender. Wer noch keinen hat, hat Pech: Das Wacholder-Ensemble um 109,90 € ist bei Foodist bereits vergriffen. Noch erhältlich ist hingegen der vegane Adventkalender.

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Eher wenig Überraschungspotenzial birgt ein Adventkalender Kaufhauskette Kastner & Öhler: Hinter den 24 Türchen verstecken sich Socken – allesamt mit weihnachtlichem Design.

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Auch in der digitalen Welt werden Adventkalender präsenter. Für reichweitenstarke Lifestyle-Blogger hat sich der Weihnachts-Countdown zu einem populären Marketing-Instrument  entwickelt.

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Sie kooperieren mit verschiedenen Unternehmen und verlosen unter ihren Followern jeden Tag ein Produkt. Das schafft Aufmerksamkeit  für die Marke und steigert die Reichweite des Bloggers.

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Adventkalender bedienen das Kind in uns“, erklärt die Linzer Psychologin Christa Schirl. „Die Lust, Neues zu entdecken, verschlossene Türen zu öffnen, liegt in der Natur des Menschen.“

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Zudem bringen sie den Zauber der Weihnacht zurück in den Alltag. „Der Stress wird mehr. Ein Adventkalender erinnert uns einmal am Tag daran, dass wir uns besinnen und auf  die Ankunft vorbereiten.“

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Es sei falsch, den Trend als Konsumwahnsinn zu verteufeln, sagt die Psychologin – Adventkalender seien auch eine Sprache der Liebe: „Ich habe viele Klienten, die für ihren Partner Kalender basteln.“

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Tatsächlich: Laut einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr bastelt und befüllt jede dritte österreichische Frau und jeder fünfte Mann selbst einen Adventkalender. Und noch ist es dafür keineswegs zu spät...

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Kleine Inspiration für Frauen und/oder Männer: gebrannte Mandeln, Massageöl, Nagellack, Duftkerzen, Taschenwärmer, Handcreme, Kuschelsocken, Handy-Ladekabel, Massage-Gutscheine.

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Eine Alternative für Liebende ist das Büchlein „Was ich an dir liebe“ (riva, 6,99 €) mit 24 Liebesbotschaften zum Vervollständigen. Also etwa: „Warum du mein Weihnachten so besonders machst...“  Hach!