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12/05/2011

Anonymous: Zwei "Leaks" in zwei Tagen

Hunderttausende erbeutete Daten bei Tiroler Krankenkasse und Polizei werfen Fragen zu Datensicherheit auf.

Mit der geballten Ladung zweier massiver Datenlecks hat sich die Hackertruppe Anonymous wieder in die Schlagzeilen gespielt. Am Mittwoch wurde bekannt, dass AnonAustria, die Österreich-Fraktion der Cyber-Rebellen, an die Daten von über 600.000 Versicherten der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) gelangt ist. Am Montag veröffentlichte Anonymous knapp 25.000 Datensätze, die aus einer Polizeidatenbank stammen. In beiden Fällen fand kein Hackerangriff statt. Vielmehr sei man über die Daten "gestolpert", so AnonAustria via Twitter. Beide Datenleck-Fälle sorgen nun für Kritik an mangelhafter Datensicherung bei öffentlichen Institutionen.

"Wahnsinn" und "Schindluder"

An dem jüngsten Datenleck, welches Informationen über 600.475 Personen umfasst, sei jedenfalls nicht die Tiroler Gebietskrankenkasse schuld, betont deren Obmann Michael Huber. Aus seiner Sicht liegt die Quelle bei einem Vertragspartner. Dazu zählen Rettungsdienste und Krankenanstalten in Tirol. Diese Vertragspartner besitzen fertig gelieferte Datenpakete mit Namen, Versicherungsnummern, Adressen und Mitversicherten-Angaben.

Krankendaten sind durch das Leck nicht betroffen. Anonymous hätte laut TGKK auch keine Möglichkeit, mit den erbeuteten Daten Rückschlüsse auf die Krankengeschichte der Versicherten zu erhalten. Dennoch wird intensiv nach dem Datenleck gesucht. Die Versicherten, darunter Prominente wie Skifahrerin Nicole Hosp, Schauspieler Tobias Moretti oder Schlagersänger Hansi Hinterseer, wolle man schnellstmöglich über die Folgen des Vorfalls informieren.

Der Vater und Manager der Tiroler Skirennläuferin Nicole Hosp, Hans Hosp spricht empört von "Wahnsinn". Entweder seien die Informationen schlecht gesichert gewesen oder es werde "Schindluder" getrieben. Das Veröffentlichen derartiger Daten "ist nicht lustig, ich verstehe nicht, dass das passieren kann."

Noch glimpflich ausgegangen

Dabei kann man sagen, dass der aktuelle Fall noch glimpflich ausgegangen ist - vor allem im Vergleich mit dem Vorfall von Montag. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde in vier Teilen eine Liste von 24.938 Personen, inklusive Name und Anschrift, von Anonymous im Internet veröffentlicht. Bei den betroffenen Personen handelte es angeblich um Polizisten. Auch in diesem Fall fand kein Hackerangriff statt. Eine "undichte Stelle" sorgte für Spott und Hohn seitens Anonymous gegenüber der Polizei.

Wenn die Polizei es schon nicht schaffe, eigene Personaldaten zu sichern, wie soll es dann zukünftig den Aufzeichnungen der Vorratsdatenspeicherung, welche im April nächsten Jahres in Kraft tritt, ergehen, so der Tenor zahlreicher zynischer Twitter-Botschaften. Die unbeteiligte Öffentlichkeit kritisierte das Vorgehen der Hackertruppe jedoch scharf. Womöglich ist es diesem Umstand zu verdanken, dass im Falle der TGKK nun keine Bürger zum Handkuss kommen und ihre persönlichen Daten für jedermann frei einsichtbar im Internet vorfinden.

Anonymous als Bote

In beiden "Leak"-Fällen wird nun gegen Anonymous ermittelt. Die rechtlichen Vorraussetzungen dafür sind schwierig. So könnten - erstmal aufzugreifende - Anonymous-Mitglieder vorbringen, "in guter Absicht" gehandelt zu haben, um Missstände bei der Sicherung sensibler Daten aufzuzeigen. In diesem Fall kämen die Hacker mit einer Verwaltungsübertretungs-Strafe davon.

Hans Zeger von der ARGE Daten sieht die Hacker als "Überbringer schlechter Nachrichten", die nun gejagt werden, obwohl die fehlende Datensicherheit bei Behörden das wesentlich dringlichere Problem darstelle. Man müsse die Datenlücken schnellstmöglich finden, denn Bürger können sich nunmal nicht aussuchen, ob sie Behörden ihre Daten zukommen lassen. Das Vertrauen in die Datensicherungs-Kompetenz öffentlicher Institutionen ist vorerst schwer beschädigt.

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