Anheben der ISS endlich geglückt

Das Manöver dauerte etwa 32 Sekunden.
Die Internationale Raumstation ISS über der Erde.

Zwei Tage nach einem gescheiterten Versuch haben russische Spezialisten die Internationale Raumstation ISS in einem neuen Anlauf um 2,8 Kilometer angehoben. Die Triebwerke des an der ISS angedockten Raumtransporters "Progress M-26" reagierten diesmal auf Signale und brauchten etwa 32 Sekunden für das Manöver, wie die Raumfahrtbehörde Roskosmos am Montag mitteilte.

Die ISS bewegt sich nach dem nächtlichen Anheben jetzt rund 405 Kilometer über der Erde. Die Routinemission war in der Nacht auf Samstag gescheitert, weil das Triebwerk des Raumtransporters aus unbekannten Gründen keine Bereitschaft angezeigt hatte. Die Lage der ISS wird regelmäßig mit Hilfe von Motoren korrigiert, wenn die Station an Höhe verliert. Die sechs Raumfahrer an Bord der ISS waren nicht beteiligt an der Operation.

Die pannengeplagte russische Raumfahrt steckt nach Einschätzung von Experten in einer schweren Krise. Am vergangenen Samstag stürzte kurz nach dem Start eine "Proton M"-Trägerrakete mit einem mexikanischen Satelliten an Bord ab (siehe unten). Der Schaden lag Medien zufolge bei 390 Millionen Dollar (341 Millionen Euro).

Ende April scheiterte nach der Fehlzündung einer Raketenstufe der Transport eines unbemannten Raumschiffes zur Versorgung der ISS. Der Progress-Frachter verglühte am 8. Mai beim Eintritt in die Erdatmosphäre.

Der für die Raumfahrt zuständige Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin sprach mit Blick auf die Probleme mit den Proton-Raketen von einer "Systemkrise". Nach Katastrophen 1988 und 2014 seien zwar jeweils Untersuchungskommissionen gegründet und Konsequenzen gezogen worden, dennoch gebe es immer neue Havarien, schimpfte er. Der Politiker forderte die Roskosmos-Führung auf, Missstände umgehend zu beseitigen.

Systemkrise

"Die Havarien sind Folgen einer Systemkrise in der Raumfahrt, aus der Roskosmos noch nicht herausgefunden hat", sagte Rogosin. Er kündigte einschneidende Reformen an. Geplant sei ein neuer großer Staatskonzern mit technischen Neuausstattungen und besserer Bezahlung für Spezialisten.

Experten warnten, dass die Pannen Russlands führende Marktposition für Raumfahrtdienstleistungen gefährden könnten. Die Branche sei wegen oft veralteter Technik, zu wenig qualifiziertem und oft unterbezahltem Personal nicht konkurrenzfähig. Dabei will Roskosmos in diesem Jahr Dutzende Satelliten ins All schicken und so auf diesem umkämpften Markt Millionen einnehmen.

"In der Raumfahrtindustrie ist die Kultur der Produktion verloren gegangen", kommentierte die Boulevardzeitung "Moskowski Komsomolez" am Montag. Der frühere Roskosmos-Chef Oleg Ostapenko hatte die Havarien mit fehlenden Kontrollen bei der Produktion von Trägerraketen begründet.

Probleme gibt es auch beim Bau des neuen Weltraumbahnhofs Wostotschny. Dort hatten Arbeiter im April zeitweilig mit einem Hungerstreik wegen ausstehender Löhne protestiert. Wostotschny gilt als eines der wichtigsten strategischen Projekte Russlands. Die 2010 begonnenen Bauarbeiten werden allerdings von Berichten über Schlamperei und Finanzskandalen überschattet.

Roskosmos-Chef Igor Komarow hatte angekündigt, er wolle die Raumfahrt mit 36 Milliarden Euro an Staatsmitteln in den nächsten zehn Jahren für die Zukunft fit machen. Noch in diesem Jahr soll die erste Trägerrakete testweise vom Kosmodrom Wostotschny abheben. Und im nächsten Jahr will Roskosmos das international mit Spannung erwartete Nachfolgemodell für die Sojus-Raumkapseln vorstellen, mit sechs statt drei Plätzen.

Bei einer neuen schweren Panne in der russischen Raumfahrt ist eine "Proton-M"-Trägerrakete mit einem mexikanischen Satelliten an Bord in Sibirien abgestürzt. Kurz zuvor war auch ein Manöver zum Anheben der Internationalen Raumstation ISS gescheitert, weil ein Motor nicht bereit gewesen war. Die Agentur Interfax meldete am 16. Mai, es habe kurz nach dem Start der "Proton-M"-Rakete eine Havarie gegeben, die Mission sei missglückt. Ob es in der dünn besiedelten Region Transbaikalien im Süden Sibiriens Schäden durch den Absturz gab, war zunächst unklar. Die Rakete mit dem Satelliten war vom Weltraumbahnhof Baikonur in der zentralasiatischen Republik Kasachstan gestartet.

Bei der abgestürzten "Proton-M" gab es nach ersten Erkenntnissen Probleme mit einem Motor - und zwar an der dritten Raketenstufe. Eine Kommission soll die genaue Ursache ermitteln. Bis Klarheit herrsche, seien alle weiteren Starts abgesagt, hieß es. Betroffen ist der für Anfang Juni geplante Transport eines britischen Kommunikationssatelliten. Der bei der Havarie zerstörte 5,4 Tonnen schwere Kommunikationssatellit MexSat1 hatte Mexiko und Südamerika mit Dienstleistungen versorgen sollen.

Hochgiftiger Treibstoff freigesetzt

Nach Darstellung russischer Raumfahrtexperten könnten bis zu zehn Tonnen hochgiftiger Treibstoff an Bord der abgestürzten Trägerrakete gewesen sein. Die betroffene Region Transbaikalien ist bekannt für ihre unberührte Natur. Einsatzkräfte suchten dort nach der genauen Absturzstelle. Sie riefen auch die Bevölkerung auf, Hinweise zu geben.

Untersucht werden soll zudem, warum die ISS nicht wie geplant um 2,8 Kilometer angehoben werden konnte. Das Manöver war in der Nacht auf Samstag gescheitert, wie russische Agenturen unter Berufung auf die Raumfahrtbehörde Roskosmos meldeten. Zum Anheben der ISS sollte der Antrieb des angedockten Raumfrachters "Progress M-26" genutzt werden. Allerdings habe die Bodenstation kein Signal über die Bereitschaft des Motors erhalten, hieß es.

Manöver soll wiederholt werden

Die ISS bewegt sich in einer Höhe von rund 400 Kilometern über der Erde. Wenn die Station an Höhe verliert, wird die Bahn regelmäßig mithilfe von Motoren korrigiert. Die sechs Raumfahrer an Bord der ISS waren an der Operation nicht beteiligt. Das Manöver soll am 18. Mai wiederholt werden. Experten prüfen, ob ein anderes Triebwerk eingesetzt werden kann.

Die pannengeplagte russische Raumfahrt hatte erst vor wenigen Wochen einen unbemannten Frachter mit Treibstoff, Nahrungsmitteln und Sauerstoff verloren. Grund für das Scheitern des Transports war die Fehlzündung einer Raketenstufe Ende April. Der "Progress"-Frachter verglühte am 8. Mai beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Wegen der Panne waren auch die nächsten bemannten Raumflüge verschoben worden. Die Vorräte an Bord der ISS reichen nach Behördenangaben aus.

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