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Leben
12/10/2018

150 Jahre Ampel - und warum die allererste explodiert ist

Heute vor 150 Jahren wurde die erste Ampel in Betrieb genommen – mit einem Knalleffekt.

von Julia Pfligl

In Friedberg regelt jetzt der King den Verkehr. Seit einer Woche ziert das Antlitz von Elvis Presley in der Stadt, wo er in den 50ern als Soldat stationiert war, drei Ampelanlagen: Das rote Signallicht zeigt ihn stehend am Mikro, das grüne seine legendäre Hüftbewegung. Den Verkehr legte „Elvis, the Pelvis“ noch nicht lahm, berichten regionale Medien.

Das bis dato wohl berühmteste Ampelmännchen kommt zum richtigen Zeitpunkt, nämlich exakt 150 Jahre, nachdem der Chef von Scotland Yard vor dem Parlament in London die erste Ampel der Welt aufgestellt hat. Zwar gab es zu dieser Zeit noch keine Autos, wohl aber Kutschen, die die Abgeordneten an ihren Arbeitsplatz brachten. Damit diese schneller vorankamen, hatte der Ingenieur John Peake Knight die Idee, Signale aus dem Schienenverkehr auf die Straße zu bringen.

Seine Ampel ahmte einen Polizisten nach: Zeigten die Arme nach oben, mussten Reiter und Kutschen anhalten, zeigten sie nach unten, war die Fahrt frei. An der Umsetzung jedoch haperte es: Drei Wochen nach ihrer Inbetriebnahme explodierte die mit Gas betriebene Ampel und tötete den diensthabenden Polizisten. Westminster versank abermals im Verkehrschaos. Doch die Geschichte der Ampel hatte mit dem spektakulären Fehlstart gerade erst begonnen.

Ampellose Zukunft?

Fast 50 Jahre dauerte es, bis in Cleveland, Ohio, die erste elektrische Verkehrsampel in Betrieb ging, 1926 blinkte es erstmals in Wien rot und grün (und zwar an der Opernkreuzung). „Zum großflächigen Einsatz kam die Ampel erst im Zuge der Massenmotorisierung“, erklärt Ulrich Leth vom Institut für Verkehrsplanung an der TU Wien. „In Zeiten der Auto-orientierten Planung war die Ampel ein ziemliches Erfolgsrezept. Es ging in erster Linie darum, den Autoverkehr möglichst schnell durch die Stadt zu lotsen.“

Heute geht die Verkehrsplanung eher weg vom Ampeldschungel: Statt einer hohen Regelungsdichte setzt man auf die Verständigung aller Verkehrsteilnehmer untereinander und eine geringere Geschwindigkeit, wie es etwa in Begegnungszonen der Fall ist.

„Man weiß mittlerweile, dass es nicht unbedingt ein Sicherheitsgewinn ist, wenn die Eigenverantwortung komplett ausgeschaltet wird und man sich nur auf das grüne Licht konzentrieren muss“, sagt Leth. Inzwischen gebe es bessere Konzepte: „Kreisverkehre sind sehr beliebt, weil sie die Geschwindigkeit senken und den Verkehrsfluss gewährleisten. Man spart sich das Stehenbleiben. Trotzdem: Die Ampel hält sich hartnäckig.“

Noch verbringt ein Mensch in Mitteleuropa im Schnitt zwei Wochen seines Lebens vor einer roten Ampel. Da kann es nicht schaden, wenn einem Elvis ein wenig Gesellschaft leistet.

Ampelmännchen kommen aus dem Burgenland

Einer der weltweit führenden Produzenten von LED-basierter Signal- und Beleuchtungstechnik ist SWARCO Futurit, das zur Swarovski-Gruppe gehört. Im mittelburgenländischen Neutal werden unter anderem Verkehrsampeln und  Wechselverkehrszeichen produziert. Die Signalgeber werden in über 70 Länder exportiert und regeln weltweit – von Wien über Dubai bis Sydney, Kapstadt und São Paulo – den Verkehr. Berühmt wurden die gleichgeschlechtlichen Ampelpärchen: In Wien sorgten sie 2015 vor dem Life Ball und dem Song Contest für internationales Aufsehen. Der LED-Ampelproduzent erfüllt bei Nachfrage aber auch andere Wünsche, so etwa die Herstellung des   Ampelmädchens für Belgien oder die Wache für England.

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