Zukunft denken: „The Craftocene“ im Weltmuseum Wien

Zwischen Design und ökologischer Vision eröffnet SUPERFLUX neue Perspektiven auf Mensch, Natur und Technologie.
Foto von einem Teil der Ausstellung "Refuge for Resurgence": Teller und Besteck, dessen Griffe aus Ästen sind

Mit The Craftocene präsentiert das Weltmuseum Wien eine Ausstellung, die sich bewusst zwischen Gegenwart und Zukunft positioniert. In Zusammenarbeit mit dem international renommierten Londoner Designstudio SUPERFLUX entsteht ein immersiver Raum, in dem künstlerische Forschung, Technologie und ökologische Fragen aufeinandertreffen – und dabei neue Denkmodelle eröffnen. 

Spekulative Praxis

SUPERFLUX, 2009 von Anab Jain und Jon Ardern gegründet, zählt zu den prägenden Stimmen des spekulativen Designs. Ihre Arbeiten übersetzen komplexe gesellschaftliche und ökologische Dynamiken in konkrete Zukunftsszenarien. Genau hier setzt auch die Ausstellung an: Sie versteht das Museum nicht nur als Ort der Bewahrung, sondern als Plattform für die aktive Auseinandersetzung mit dem, was noch vor uns liegt. 

Teil der Arbeit "Nobody Told Me Rivers Dream"

Teil der Arbeit "Nobody Told Me Rivers Dream" von SUPERFLUX.

Drei Positionen

Erstmals werden drei zentrale Werke des Studios gemeinsam gezeigt. Refuge for Resurgence (2021) entwirft ein versöhnliches Zukunftsbild, in dem Menschen, Tiere und Pflanzen als gleichwertige Akteure zusammentreffen. Nobody Told Me Rivers Dream (2025) erforscht ökologische Intelligenz als über Generationen gewachsenes Wissen und übersetzt Naturphänomene mithilfe von Technologie in neue Wahrnehmungsformen. Mit Relics of Abundance (2026) entsteht schließlich eine für Wien entwickelte Installation, die die Ära des Massenkonsums als kulturelles und mythologisches System kritisch hinterfragt.

Ausstellungsansicht von „The Craftocene“

Ausstellungsansicht von „The Craftocene“.

Neue Narrative

Im Dialog mit ausgewählten Objekten aus der Sammlung des Weltmuseums Wien entfalten diese Arbeiten eine zusätzliche Dimension. Artefakte aus unterschiedlichen Weltregionen verweisen auf vielfältige Formen des Zusammenlebens zwischen Menschen, Natur und Umwelt. Vergangenheit und mögliche Zukünfte treten so in einen direkten Austausch – und öffnen einen Denkraum, der Fragen nach Verantwortung, Kooperation und Fürsorge ins Zentrum rückt. 

Der titelgebende Begriff „Craftocene“, geprägt von SUPERFLUX im Jahr 2020, beschreibt ein mögliches Zeitalter jenseits von Ausbeutung und Ressourcenverschwendung. Stattdessen stehen Handwerk, gegenseitige Fürsorge und ökologische Wiedergutmachung im Fokus. Die Ausstellung versteht sich damit auch als Einladung, bestehende Narrative zu hinterfragen und sich neue Wege des Zusammenlebens auszumalen.

Als Teil der Klima Biennale Wien 2026 knüpft The Craftocene genau hier an und unterstreicht die Rolle des Museums als Ort der Reflexion und des Dialogs. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, nicht nur zuzusehen, sondern mitzudenken – und vielleicht auch, erste eigene Zukunftsbilder zu entwerfen.

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