Wenn Tiere mehr über uns erzählen als wir denken
Die Ausstellung „Animalia“ ist bis 30. August 2026 in der Heidi Horten Collection zu sehen und widmet sich dem vielschichtigen Verhältnis von Mensch und Tier.
Tiere begleiten den Menschen seit Jahrtausenden – als Gefährten, Arbeitskräfte, Projektionsflächen oder Gegenüber. Sie sind Teil unseres Alltags und zugleich Spiegel unserer Vorstellungen, Sehnsüchte und Ängste. Genau diesem vielschichtigen Verhältnis widmet sich die neue Ausstellung „Animalia. Von Tieren und Menschen“ in der Heidi Horten Collection. Bis 30. August 2026 versammelt das Museum rund 90 Tierdarstellungen aus dem 20. und 21. Jahrhundert und eröffnet damit einen spannenden Blick auf die Beziehung zwischen Mensch und Tier.
Perspektiven
Ausgangspunkt der Schau ist die Sammlung der Museumsgründerin Heidi Horten, in der Tierdarstellungen einen besonderen Stellenwert einnehmen. Ergänzt durch ausgewählte Leihgaben entsteht ein Parcours, der bekannte Sichtweisen hinterfragt und neue Perspektiven eröffnet. Denn Tiere sind in der Kunst nie bloß dekoratives Motiv – sie erzählen immer auch etwas über jene, die sie betrachten. Manche erscheinen vertraut und nahbar, andere geheimnisvoll oder fremd. Gerade diese Vielfalt macht deutlich, wie wandelbar unser Blick auf das Tier bis heute geblieben ist.
Besucherinnen und Besucher sind zu einem facettenreichen Streifzug durch die Welt der Tierdarstellungen eingeladen.
Fragen
Der Titel „Animalia“ verweist auf einen Begriff aus der Biologie. Abgeleitet vom lateinischen anima – Atem oder Seele – bezeichnet er eine Ordnung, die Mensch und Tier gemeinsam umfasst. Damit steht der Begriff für ein Denken, das Trennlinien relativiert und Gemeinsamkeiten sichtbar macht.
Die Ausstellung greift diesen Ansatz auf und stellt grundlegende Fragen: Wie positioniert sich der Mensch gegenüber dem Tier? Welche Rollen weist er ihm zu? Und was verraten diese Zuschreibungen über unser eigenes Selbstverständnis?
Die Kunst liefert darauf keine einfachen Antworten, wohl aber eindrucksvolle Bilder. In Gemälden, Skulpturen, Fotografien und Videoarbeiten wird sichtbar, wie sehr Nähe und Hierarchie, Fürsorge und Dominanz, Faszination und Ausbeutung bis heute nebeneinander bestehen. Gerade diese Ambivalenz macht den Reiz der Ausstellung aus. Sie lädt dazu ein, gewohnte Perspektiven zu verlassen und das Verhältnis zwischen Mensch und Tier neu zu betrachten.
Parcours
Die Ausstellung ist in sechs Kapitel gegliedert. Sie führen von domestizierten Tieren als Partnern des Menschen über das Tier als wirtschaftliche Ressource bis hin zum Tier als Spiegel menschlicher Identität. Andere Bereiche widmen sich wissenschaftlichen Ordnungssystemen, dem Tier als kulturell aufgeladener Bestie oder dem Tier als eigenständigem Subjekt.
So begegnen Besucherinnen und Besucher Werken, die industrielle Tierhaltung reflektieren, stereotype Rollenbilder hinterfragen oder Tiere als autonome Mitgestalter unserer Welt zeigen. Zeitgenössische Positionen treffen dabei auf bekannte Namen der Kunstgeschichte.
Zu sehen sind Arbeiten von Gustav Klimt, Pablo Picasso, Andy Warhol, Damien Hirst, Franz Marc, Maria Lassnig und vielen weiteren internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Ein besonderer Höhepunkt ist zudem der Tea Room des Museums. In Anspielung auf historische Wunderkammern werden dort rund 80 kunsthandwerkliche Tierdarstellungen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert präsentiert. Vergangenheit und Gegenwart treten so in einen spannenden Dialog und zeigen, wie dauerhaft Tiere als Motiv im künstlerischen Ausdruck verankert sind.
Erlebnis
Die Ausstellung „Animalia“ fungiert als Denkanstoß: Wer durch die Räume geht, betrachtet nicht nur Tiere in der Kunst, sondern auch die eigene Haltung zu Natur, Verantwortung und Zusammenleben. Gerade in einer Zeit, in der Fragen nach Nachhaltigkeit, Ethik und dem Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt immer drängender werden, gewinnt das Thema besondere Aktualität.
Begleitet wird die Schau von Führungen, Talks und Afterwork-Abenden mit freiem Eintritt zu ausgewählten Terminen.
Geöffnet ist die Heidi Horten Collection täglich (außer Dienstag) von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Wer Wien kulturell neu entdecken möchte, findet hier einen ebenso klugen wie berührenden Ausstellungsbesuch.
Kommentare