Amos und Marcia Vogel gründeten 1947 den Filmclub „Cinema 16“

© The Estate of Amos Vogel

Film
04/08/2021

Amos Vogel zum 100er: Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Filmkultur

Der Wiener Emigrant Amos Vogel gründete in New York das legendäre „Cinema 16“ und wäre heuer 100 Jahre alt geworden

von Alexandra Seibel

Als Amos Vogel am 24. April 2012 in New York starb, war er 91 Jahre alt. Anlässlich seines Todes schrieb die New York Times: „Er übte einen derartig großen Einfluss auf die Filmgeschichte aus, wie kaum ein anderer Nicht-Filmemacher.“

Amos Vogel war also kein Filmemacher, sondern Filmvermittler, Filmkurator, Filmlehrer, Filmorganisator, kurz: ein „Möglichmacher“, wie er im Buche steht. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der internationalen Filmkultur.

In seinem legendären Filmclub „Cinema 16“, den er 1947 mit seiner Frau Marcia Vogel gründete und bis 1963 betrieb, zeigte er der amerikanischen Öffentlichkeit Filme, die sie zuvor noch nie gesehen hatte – von Werner Herzog über Roman Polanski bis hin zu Agnès Varda und Ozu Yasujirō. Zu den Besuchern und Besucherinnen des „Cinema 16“ zählten Susan Sontag und Jonas Mekas ebenso wie der aus Deutschland geflüchtete Filmtheoretiker Siegfried Kracauer.

Vogels Filmprogramm steckte immer voller Überraschungen und bestand aus einer bunten Mischung von Animationsfilmen, Dokus, Avantgarde- und Wissenschaftsfilmen. Meist war das Publikum begeistert, manchmal aber verließ es auch wutschnaubend den Raum.

Selbst Alfred Hitchcock kündigte einmal sein Kommen an und versprach, zwei Rollen seines neuesten Films zu zeigen. Als er schließlich mit Chauffeur vorfuhr, hatte er nicht nur die versprochenen Rollen, sondern gleich seinen gesamten neuen Film dabei. Vor einem brechend vollen „Cinema 16“ zeigte er seinen Thrillerklassiker „Der Mann, der zuviel wusste“ (1956), bevor er offiziell veröffentlicht wurde. Und beantwortete danach alle Fragen aus dem Publikum.

Flucht aus Wien

Doch das Leben von Amos Vogel begann in Wien. Am 18. April 1921 wurde Amos Vogelbaum als Sohn jüdischer, progressiver Eltern geboren, die politisch im „Roten Wien“ aktiv waren. Schon früh entdeckte er seine Liebe für Bücher und Filme. Bereits im Alter von 12 wurde er Mitglied der Urania Filmgesellschaft und ließ sich von Filmen begeistern. Mit 17 Jahren musste er vor den Nazis aus Wien flüchten und landete nach abenteuerlichen Umwegen über Kuba in New York. Eigentlich wollte Vogel von dort weiter nach Israel auswandern, änderte aber seine Meinung und blieb in den USA. Inspiriert von europäischen Filmclubs gründete er schließlich das „Cinema 16“.

Kommende Woche wäre Amos Vogel 100 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums gibt es mehrere Initiativen, die sich mit seinem Lebenswerk auseinandersetzen.

Das Dokumentarfilmfestival Punto da Vista im nordspanischen Pamplona widmete Amos Vogel bereits im März eine Retrospektive. Dazu beauftragte das Festival Alexander Horwath, ehemaliger Direktor des Österreichischen Filmmuseums, und seine Partnerin Regina Schlagnitweit, bis 2018 Programmabteilungsleiterin ebenfalls im Filmmuseum, einen Filmschwerpunkt zu Ehren von Amos Vogel zu kuratieren. Dieses Programm lässt sich für einen Festivalpass von 14 Euro streamen (https://online.puntodevistafestival.com/bundle/full-pass-int).

„Wir versuchen, den kuratorischen Zugang von Amos Vogel zu übernehmen und spannende Filmmischungen anzubieten“, erklären Alexander Horwath und Regina Schlagnitweit im KURIER-Gespräch: „Es sind insgesamt 30 Filme aufgeteilt in sechs Programme, die auf essenzielle Aspekte im Leben und Werk von Amos Vogel verweisen. Die Hälfte davon sind Filme, die er selbst gezeigt oder über die er geschrieben hat – etwa „Fireworks“ von Kenneth Anger, ein Filmemacher, den er immer unterstützt hat. Die andere Hälfte besteht aus jüngeren Filmen, von denen wir glauben, dass sie Amos gefallen hätten. Denn das war uns wichtig: Wir wollten nicht die Asche anbeten, sondern das Feuer erhalten.“

Eine offizielle Einladung an Amos Vogel  in seine Heimatstadt Wien erging  erst  1993: Anlass  bot das  von SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien veranstaltete Symposium „Aufbruch ins Ungewisse – Österreichische Filmschaffende in der Emigration“, das  im Rahmen der  Viennale unter der Leitung von  Alexander Horwath und Wolfgang Ainberger stattfand.

Im Österreichischen Filmmuseum, welches  mit verschiedenen Projekten im Verlauf des Jahres  den 100. Geburtstag von Vogel  würdigt, finden sich in der  Amos Vogel Library über 8.000 Bücher und Zeitschriften aus Vogels privater Bibliothek. Vogels Söhne Steven und Loring traten nach dem Tod ihres Vaters  an den damaligen Direktor Alexander Horwath heran, die Bibliothek nach Wien an den Geburtsort ihres Gründers zurückzubringen: „Nach dem Tod meines Vaters erwarb das Österreichische Filmmuseum seine  Bibliothek und arrangierte den Rücktransport in die Stadt, in der er die ersten 17 Jahre seines Lebens verbrachte, bis die Nazis   ihn und seine Familie grausam ins Exil zwangen. Diese Rückkehr bedeutete für die jüngere Generation im Filmmuseum und auch für mich und meinen Bruder möglicherweise eine Art von Versöhnung.“ (Steven Vogel)

Die diesjährige Retrospektive der Viennale und des Filmmuseums ist  eine Hommage an Amos Vogel. Davor gibt es im Filmmuseum Filmvorführungen, Lectures und Ausstellungen.
Infos unter: www.filmmuseum.at/amosvogel

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