RUNDGANG UMBAU WIEN MUSEUM

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Kultur
11/26/2021

Zu Tode renovierte Gebäude: Oldtimer brauchen auch keine Airbags

Trenklers Tratsch: Das Wien Museum wird dem Diktat der Bauordnung unterworfen, von der Originalsubstanz bleibt wenig übrig

von Thomas Trenkler

Mit der Zeit verblasst jede Erinnerung. Aber noch ist nicht genügend Zeit verstrichen.

Wenn Sie dieser Tage nach Schwechat kommen sollten (gut, die Wahrscheinlichkeit ist aufgrund des Lockdowns gering), werden Sie feststellen, dass die alte Abfertigungshalle, Ende der 1950er-Jahre errichtet, durch die Renovierung ihre Anmutung verloren hat. Die grundlegende Form – mit dem nach hinten abfallenden Flachdach, der leicht schräg gestellten Glasfensterfront und den Stahlbetonrippen im Inneren – blieb zwar erhalten. Aber die Halle wirkt nicht mehr leicht.

Ähnliches können Sie beim früheren 20er-Haus im Schweizergarten feststellen: Der filigrane Pavillon, von Karl Schwanzer für die Weltausstellung 1958 in Brüssel entworfen und mit dem Grand Prix ausgezeichnet, wurde ab 2008 regelrecht zu Tode erneuert. Abgesehen vom Stahlskelett blieb fast nichts übrig, selbst die eleganten Freitreppen im Inneren hatten aufgrund der Bauvorschriften und der Nutzung als Museum (eine Dependance des Belvederes) zu verschwinden.

In der zweiten Hälfte der 50er-Jahre entstand – nach den Plänen von Oswald Haerdtl – auch das Historische Museum der Stadt Wien auf dem Karlsplatz. Und auch ihm ist dieses Schicksal beschieden: Nach dem Um- und Ausbau wird es nicht mehr den Spirit von einst haben, auch wenn man wieder die alten Beschläge montiert und die ursprünglichen Treppengeländer einbaut.

Natürlich: Ein modernes Museum hat Vorgaben hinsichtlich Brandschutz und Klimaeffizienz zu erfüllen. Aber das Gebäude ist selbst schon ein museales Objekt. Und da müsste es andere Richtlinien geben. Vielleicht wie bei den Oldtimern? Keiner käme auf die Idee, die Porsches aus den 50ern, die VW mit den ovalen Fenstern, die winzigen Aston Martins mit Überrollbügel, Airbags und Knautschzonen auszustatten. Und sie dürfen trotzdem auf den Straßen unterwegs sein.

Wenn wir in Wien so weitermachen, wird es bald keine Bausubstanz aus den 50ern mehr geben. Wäre unendlich schade.

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