Wolfgang Ambros

© ServusTV / Valentin Weinhäupl

Kultur
06/04/2020

Wolfgang Ambros: Virus, schleich dich!

Die Austropop-Legende über trockenes Brot, Angst, neue Musik, böse Kritiken, den "Augustin" - und das Konzert für ServusTV.

von Guido Tartarotti

Es war Zeit. Wolfgang Ambros, die Mensch und Musik gewordene österreichische Durchhalteparole, bellt dem Covid-Virus seine herrlich verwitterten, unzerstörbaren Lieder entgegen: Am Freitag ist Ambros mit einem „Privat-Konzert“ um 22.10 Uhr auf ServusTV zu sehen.

Und wenn Corona nicht anschließend vor so viel Überlebenswillen Angst bekommt und sich schleicht, dann hilft wirklich nichts.

„Live von daham“ nennt sich die Übung, und das „daham“ steht erstens für uns alle und zweitens für Ambros’ Proberaum in Waidring, Tirol. „Es ist sozusagen ein multifunktionaler Raum in meinem Haus“, erzählt Ambros. „Man kann da Kleinstkunst herzeigen, er ist auch Aufnahmeraum, aber wir haben auch schon Geburtstage und Hochzeiten da ausgerichtet.“

Gruselig und komisch

Gearbeitet wurde, sagt Ambros, „im Schnelldurchgang“, es gab drei Drehtage und drei Tage für den Schnitt. Ambros: „Man sieht, wie wir eine Probe abhalten, ich erkläre dem Publikum, wie es läuft, und es gibt auch ein bissl eine Homestory.“
Zu hören gibt es die bekannten Lieder. Ambros: „Aber sie klingen ganz anders, als man sie vom Konzert oder von den Platten her kennt. Sie haben sich anders entwickelt, weil wir nur zu dritt spielen.“

Ambros findet die derzeitige Situation „gruselig und komisch“: „Alle Konzerte wurden abgesagt, ich war einen Monat lang bewegungslos. Für mich ist das grausam – jeden Tag hab ich mir gedacht, heute würden wir da und dort spielen.“ Er fühlte sich „in  Nutzlosigkeit versetzt“, und das sei für ihn auch „eine monetäre Angelegenheit“. Ambros: „Ich nage nicht am Hungertuch, aber ohne die Butter ist das Brot eine trockene Partie.“

Die derzeit geltenden Sicherheitsmaßnahmen kommentiert der bekannt widerspenstige Sänger gewohnt knurrig.

„Ob es übertrieben ist? Was die Kunst betrifft, auf jeden Fall. Ich glaube nicht, dass das Virus so wütend grassiert ist, wie es kommuniziert wurde. 100.000 Tote, geh bitte. Es kann nicht sein, dass die Kulturszene auf ewig zur Tatenlosigkeit verdammt ist. Niemand verdient einen Schilling. Die haben uns die Lebensgrundlage genommen. Jetzt sitzen wir da und schauen dumm.“

Im Freien zu spielen ist für ihn angesichts der Regeln keine Option. „Wir könnten für 750 Leute spielen – aber da brauch ich kein Open Air. Das ist nicht gewinnbringend.“

Keine Angst

Der 68-Jährige gehört selbst zur „Risikogruppe“. Hat ihm das Virus Angst gemacht? Die Antwort ist klassischer Ambros: „Angst? Zu keiner Zeit. Aber wannst es kriegst, is es bled.  Des wü man ned unbedingt ham. Lungen und Herz werden geschädigt und alle anderen Innereien.“

Ambros hat in der Zwangspause begonnen, neue Lieder zu schreiben. „Aber das sind ganz böse Sachen, alles so destruktiv, ich weiß nicht, ob ich das je herausbringe.“

Geburtstag

In zwei Jahren wird Ambros 70. „Und alle steigen mir zuwe, dass ich bis zu meinem Geburtstag ein neues Album fertigmachen muss.“  Was hält ihn davon ab? Ambros: „Naja, dann bring ich ein Album heraus – und dann krieg ich es wieder von den Kritikern. Meine Arbeit ist dann mit einem Federstrich ruiniert. Das brauch i nimmer.“
Auch wenn man es nicht glauben würde: Der  keinen Konflikt scheuende Ambros besitzt keine dicke Haut (und das macht ihn sympathisch).

Ein Fan habe zwischen 1983 und 1993 Artikel über ihn gesammelt und in ein Heft eingeklebt. Dieses Heft habe er sich angeschaut – und dabei festgestellt, wie sich die öffentliche Wahrnehmung seiner Person in diesen zehn Jahren völlig gedreht habe

Alles Oasch?

Ambros: „1983 ist im Rennbahn-Express gestanden ,Ambros ist der Größte’. Und dann ist auf einmal alles Oasch. Ich hab mir gedacht, des gibt’s doch ned!“ Die negativen Kritiken haben ihn getroffen, gesteht er. „Weil abstruse Ungerechtigkeiten dabei waren.  Ich wurde stellvertretend für jeden Bledsinn in der Entwicklung des sogenannten Austropop-Geschehens verantwortlich gemacht.“

Heute genießt Ambros wieder Respekt, und das habe er sich auch verdient, findet er: „Das Werk, das ich hinterlasse, ist nicht nix. Mit oder ohne abschließendem Album. Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ich noch eines rausbringe. Und damit jemandem die Möglichkeit gebe, zu schreiben, das sind nur die Fantasien von einem Greis, der nicht weiß, was auf der Welt los ist. Denn das bin ich nicht.“

1981 hat Ambros zusammen mit Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz das Austropop-Musical „Augustin“ herausgebracht, das skurrile Geschichten aus der Pestzeit erzählt. Würde eine Aufführung dieses Stücks nicht wunderbar in die Zeit passen? Ambros: „Das könnte man ins Auge fassen! Aber da müssten wir zum Beispiel die Vereinigten Bühnen Wien als Partner haben.“

Aber immerhin: Sein Konzert im Fernsehen beginnt mit einem großartigen Stück aus „Augustin“, „Frage der Zeit“.

"Damois um die söwe Zeit/da wars no ned so spät wie heit/i waaß ned, warum/aber damois war a Stund ned so schnö um.

Fria woa damois, heit is heit/olles nur a Frage der Zeit."

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