Wie zeigt man sich dem Volk? Als Gleicher? Oder Ungleicher?

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Valerie Voigt brachte „Staatsfragmente“ von Miroslava Svolikova, abendfüllend aufgeblasen, in der Drachengasse zur Uraufführung

Es ist Nacht im Palast. Während draußen das murrende Volk hörbar zu revoltieren beginnt, irrt der Herrscher schlaf- wie planlos durch die Gänge. Soll er sich den Untertanen zeigen? Und wenn ja, in welchem Outfit? Mit seinen Vertrauten ventiliert er immer wieder die gleiche Frage: Als Gleicher oder doch als Ungleicher? Oder beides zugleich?

Dieses doch recht absurde „Königsmärchen“ von Miroslava Svolikova mit dem Titel „Staatsfragmente“, 2020 entstanden (als die Staatenlenker im TV die missliche Corona-Lockdown-Lage erklären mussten), ist eigentlich ein „Minidrama“, 14 Seiten lang. Valerie Voigt hat es nun, abendfüllend aufgeblasen (wie der Dinosaurier im 15-minütigen Performance-Prolog), im Theater Drachengasse zur Uraufführung gebracht. Als, wie man im Programmheft liest, „atmosphärische Loopstruktur“: Jeder der vier Akteure darf, durchaus demokratisch, einmal den Herrscher verkörpern.

Jeder kann ein König sein

Kleider machen Leute, wie man weiß. Und das war schon immer so: Nach dem Steinzeit-Ritual mit dem Dino folgt das päpstliche Konklave, dann der Absolutismus mit einem bizarren Sonnenkönig und schließlich die nahende Zukunft. Für die Botschaft hätte es keine 90 Minuten gebraucht, aber die schrille Inszenierung hat – abgesehen vom prähistorischen Lemurentanz in grandiosen Kostümen (von Katia Bottegal) – drei fulminante Gesangseinlagen zu bieten: „Bohemian Rhapsody“, eine Arie aus Mozarts „Zauberflöte“ – und den Kanon „Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist ...“ Somit kann – durchaus demokratisch – jeder König sein. Und auch Spaß haben an der Stafettenübergabe: Als Zepter dienen Elle und Speiche eines Unterarms samt Fingerknochen.

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